Gefräßige Räuber in der Stadt

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Verena Kracht staunte nicht schlecht als sie nachts die Mülltonnen vor ihrem Haus in der Güstrower Speicherstraße scheppern hörte. Ein Waschbär rüttelte an den Tonnen und suchte nach Fressbarem. Mittlerweile kommt das possierliche Tier mit der schwarzen Gesichtsmaske regelmäßig zu den Krachts. Die Waschbären erobern Güstrow.

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24. Juli 2008, 09:21 Uhr

Güstrow - „Wir freuen uns, dass es noch solche Tiere in unserer direkten Nachbarschaft gibt“, sagt Verena Kracht. Doch für Stadtförster Holger Michel sind die Waschbären Problembären. Die Meldungen häufen sich, dass die Tiere keine Angst mehr vor Menschen haben und in der Stadt oder in Kleingartenanlagen auf Nahrungssuche gehen. „Wenn die Population im Wald zu hoch wird, expandieren sie in die Stadt. Hier bieten ihnen u. a. Mülltonnen einen gedeckten Tisch. Waschbären sind Allesfresser“, sagt Michel.

Für den Stadtförster steht fest: „Die Waschbären sind auf dem Vormarsch.“ In Kassel sei das Problem schon so groß, dass die Stadt zwei Berufsjäger eingestellt habe, um die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Soweit will es Güstrow mit den gefräßigen Räubern nicht kommen lassen. Noch handele es sich zwar nicht um eine Massenplage, aber wenn man den Zeitpunkt verpasse, die Population einzudämmen, habe man wirklich ein großes Problem, so Michel. So macht der Stadtförster demnächst eine Fortbildung mit einem Betäubungsgewehr, denn in der Stadt darf er nicht mit scharfer Munition schießen.

Der Waschbär ist ein amerikanischer Einwanderer, lebt aber bereits so lange hier, dass er fast schon zur heimischen Tierwelt zählt. Auch in den Heidbergen. Von hier aus unternimmt er seine Touren durch die Stadt. „Waschbären sind dreist und lernfähig“, musste Michel feststellen, der vergangenes Jahr sechs der Tiere im Stadtforst erlegte. „Ich musste mal einen aus einem Hühnerstall rausholen“, erzählt er. „Das Gebiss und die Krallen sind nicht ohne. Wenn der Waschbär in die Enge getrieben wird, springt er einen an und beißt.“ Deshalb sei Zurückhaltung geboten, wenn man einen Waschbären in den Straßen Güstrows antreffe. „Man kann sie verscheuchen, aber bloß nicht in die Enge treiben“, rät Michel.

Auch Michael Constien, Vorsitzender des Kreisjägerverbandes Güstrow, kennt das Waschbären-Problem. Die Tiere seien schlau und würden immer wieder neue Möglichkeiten finden, ins Haus zu gelangen. „Sie sollen sogar über die Schornsteine kommen“, sagt er. Mülltonnen sollten zudem verschlossen werden. „Wir müssen mit ihnen als städtische Bewohner leben“, ist Constien überzeugt. Weitaus schlimmer als der Waschbär sei allerdings der ebenfalls fremde Marderhund in unseren Wäldern. „Seine Population steigt immer mehr an. Er macht bereits dem Fuchs Konkurrenz“, so der Jäger.

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