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Ludwigslust: 84-jährige Joseph Zeidler kommt kaum mehr aus dem Haus : Gefangen in Eis und Schnee

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Am Küchentisch in der Ludwigsluster Windmühlenbergstraße sitzt Zeidler. Draußen ist alles weiß. Was für jüngere Anwohner ein lästiges Übel ist, bedeutet für den gehbehinderten Zeidler Gefangenschaft.

svz.de von
erstellt am 07.Jan.2011 | 10:30 Uhr

Am Küchentisch seiner Wohnung in der Ludwigsluster Windmühlenbergstraße sitzt Joseph Zeidler und schaut aus dem Fenster. Draußen ist alles weiß. Schnee und Eis, so weit das Auge reicht. Auf der Straße liegt schon seit Wochen eine gefrorene Schicht, stellenweise ist es spiegelglatt. "Ein Wunder, dass sich hier noch keiner die Knochen gebrochen hat", sagt Zeidler, spricht von einer Eisbahn mit extremer Sturzgefahr.

Was für jüngere Anwohner ein lästiges Übel ist, bedeutet für den gehbehinderten Joseph Zeidler Gefangenschaft. Er ist zu 70 Prozent schwerbeschädigt, hat seit drei Jahren ein künstliches Kniegelenk. Zeidler hat Angst, das Haus zu verlassen, Angst, zu stürzen und sich zu verletzen. "Seit das Eis da ist, komme ich kaum mehr in die Stadt", sagt der Rentner, sieht seine Lebensqualität stark eingeschränkt.

Dass die Straße seit Wochen so glatt ist, daran trage ein mangelnder Winterdienst Mitschuld, glaubt der Mann, der seit 1947 in Ludwigslust lebt. "Da fährt ein Schneepflug drüber, das hilft aber nicht", sagt er. Zeidler fordert, dass öfter gestreut werden müsse.

Bauamt: "Können nicht alle Straßen freihalten."

Bauamtsleiter Holger Böwe kennt die Schwierigkeiten in der Straße. "Ich kann gut verstehen, dass der Winter besonders für ältere Menschen eine schwierige Situation ist", sagt Böwe. Allerdings sei es unmöglich, das gesamte Straßennetz in Ludwigslust freizuhalten. Die Straßenreinigungssatzung der Stadt Ludwigslust regelt auch den Winterdienst. Drei Reinigungsklassen kennt die Satzung. Je höher die Stufe, desto intensiver der Winterdienst. "Hauptverkehrsstraßen gehören zur ersten Klasse, Nebenstraßen zu den Klassen zwei und drei", sagt Böwe. Die Windmühlenbergstraße gehört zur niedrigsten Stufe. "Wir wissen, dass es hier Probleme mit der Beräumung eines schneefreien Streifens für die Fußgänger gibt", so Holger Böwe. Ein Problem sei, dass viele der Hausbesitzer nicht in Ludwigslust wohnen und die Schneeräumung vielleicht auch deshalb nicht gut funktioniere. Das Ordnungsamt habe bereits Hausbesitzer angeschrieben und eine Verbesserung der Situation gefordert.

Doch dass Straßen unterschiedlich intensiv beräumt werden, dafür hat Joseph Zeidler nur wenig Verständnis. "Rund um das Landratsamt sind die Straßen frei, damit die Beamten gut zur Arbeit kommen - und hier ist und bleibt der Zustand katastrophal", sagt der Anwohner.

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