GDL-Chef Manfred Schell sieht sich im Recht und die Bahn am Zug

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06. März 2008, 10:19 Uhr

Mit Manfred Schell, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), sprach Martin Rücker über Auswege aus dem Stillstand und politische Einmischungen.

Erneut Bahnstreiks ab Montag: Wird hier der Machtkampf der Konkurrenzgewerkschaften auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen?
Schell: Die GDL führt keinen Organisationskrieg. Unser einziger Verhandlungspartner ist die Deutsche Bahn. Ein Tarifvertrag, der Lohn und Arbeitszeit für die Lokführer regelt, ist endverhandelt. Ich habe ihn längst unterschrieben – nur Bahnchef Mehdorn weigert sich. Und jetzt sollen sich 82 Millionen Bürger in Deutschland nach diesem einzelnen Menschen richten. Das kann doch niemand mehr nachvollziehen.
Mehdorn will die Zuständigkeiten der Gewerkschaften langfristig in einem zusätzlichen Vertrag regeln, um Ruhe in den Konzern zu bekommen. Haben Sie dafür kein Verständnis?
Schell: Volles Verständnis. Aber Mehdorn will uns mit seinem Grundlagentarifvertrag bis 2015 fesseln und knebeln. So lange wären wir durch diesen Grundlagentarifvertrag vom Gutdünken der anderen Gewerkschaften abhängig. Das geht einfach nicht. Was Mehdorn will, verstößt eindeutig gegen die Koalitionsfreiheit, die im Grundgesetz garantiert wird. Da kann ich mir nur an den Kopf fassen. So etwas werden wir nicht unterschreiben.

Elf Prozent mehr Lohn und eine Stunde weniger Arbeitszeit sind Ihnen sicher – würde ein erneuter Streik nicht vor Gericht als unverhältnismäßig verboten?
Schell: Die Klage der Bahn wird kommen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Natürlich habe ich da Bedenken, denn was manche Arbeitsgerichte in den vergangenen Monaten entschieden haben, war hanebüchen. Das letzte Urteil vom Landesarbeitsgericht Chemnitz hat uns jedoch ein umfassendes Streikrecht zugesprochen. An der Situation hat sich seither nichts geändert. Der Tarifvertrag ist schließlich vom Bahnvorstand noch nicht unterschrieben.

Verkehrsminister Tiefensee hat sich in den Streit eingeschaltet – was erwarten Sie von ihm?
Schell: Die Bundesregierung als Bahn-Eigentümer steht in der Verantwortung. Die Verhandlungspartner jedoch heißen Mehdorn und Schell. Mit Herrn Tiefensee habe ich nur kurz telefoniert. Er wollte wissen, wie der Streik noch zu verhindern ist.

Was haben Sie geantwortet?
Schell: Dass es ausschließlich am Bahnvorstand liegt, es nicht so weit kommen zu lassen. Ich habe darauf keinen Einfluss mehr.

Wie lange können Sie einen Streik durchhalten?
Schell:
Wir können Arbeitskämpfe länger durchhalten, als Deutschland sie vertragen kann. Und länger als Herr Mehdorn sowieso.

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