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Lehrlinge müssen künftig nach Wismar und Parchim fahren : Gastro-Azubis verlassen Schwerin

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Seit Jahren streiten Wismar, Schwerin und die Landkreise NWM, Parchim und Ludwigslust um die Berufsschulstandorte. Keiner wollte seine Schule aufgeben. So war es absehbar, dass das Land einschreiten wird.

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erstellt am 29.Jun.2011 | 10:08 Uhr

Schwerin | Seit Jahren streiten die Städte Wismar, Schwerin und die Landkreise Nordwestmecklenburg, Parchim und Ludwigslust um die Berufsschulstandorte. Immer weniger junge Leute, zu viele Schulen - mit den jeweiligen Schulentwicklungsplänen sollten Städte und Kreise im Regionalen Planungsverband reagieren. Keiner wollte seine Schule aufgeben. So war es absehbar, dass das Land einschreiten wird: Es bezahlt schließlich die Lehrer. Im Gastronomie und Gastgewerbe zog das Land nun die Bremse. Das Opfer: Schwerin. Vom kommenden Schuljahr an dürfen an der Beruflichen Schule Gewerbe, Gartenbau und Sozialwesen in Süd in der Berufsgruppe Gastronomie/Gastgewerbe keine neuen Eingangsklassen gebildet werden. Die jetzigen Azubis können bis zum Ende ihrer Lehrzeit weiter in der Werkstraße die Schulbank drücken. Wer in diesem Jahr seine Lehre zum Koch, Hotel- oder Restaurantfachmann, zur Fachkraft im Gastgewerbe oder zum Fachmann für Systemgastronomie beginnen will, muss an die Berufsschule Wismar oder Parchim.

In der Landeshauptstadt lernen derzeit im ersten Lehrjahr im Gastro-Gewerbe nur 52 Azubis - 20 weniger als in Wismar. Auch in Parchim zählen alle drei Lehrjahre mehr junge Leute als Schwerin, argumentiert das Bildungsministerium. "Eine Schülerzahl von 50 führt zu Problemen hinsichtlich der Erteilung des Fachunterrichts. Insofern ist die Aufhebung eines Standortes zur Stärkung der verbleibenden Berufsschulstandorte erforderlich", schrieb Staatssekretär Udo Michallik Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Da zuvor die Stadt nicht selbst reagiert habe, müsse das Ministerium jetzt über das so genannte Selbsteintrittsrecht das Ende der Gastro-Ausbildung in Schwerin anweisen, so Michallik. "Neue Klassen im Gastgewerbe in Schwerin würden Mehrkosten für den Landeshaushalt bedeuten, um trotz der geringen Schülerzahlen den erforderlichen Unterricht durch Lehrkräfte abzusichern."

In der Schweriner Gastronomie und Hotellerie sieht man die Entscheidung mit Sorge. "Es ist schon jetzt sehr schwer, Nachwuchs zu finden. Das wird ohne Berufsschule in Schwerin noch schwerer", sagt Hans-Ulrich Trosien, Regionalvorsitzender der Dehoga Schwerin. Da er darüber hinaus aber auch der Ausbildungsverantwortliche der Dehoga MV ist, hält sich Trosien mit seiner Kritik zurück. "Es ist aber natürlich so, dass die Jugendlichen weniger nach der Qualität der Berufsschule fragen, wenn es um eine Entscheidung zur Berufswahl geht, sondern vielmehr, wo sich die Schule befindet und wie weit ihre Anfahrtswege sind", sagt der erfahrene Gastronom, der in der Landeshauptstadt den "Stadtkrug" betreibt. "Wenn zusätzlich zu den ohnehin vorhandenen Belastungen des gastronomischen Berufes noch umständliche, zeitraubende und teure Fahrten zur Schule hinzukommen, wäre das sehr kontraproduktiv." Denn niemand könne heute voraussagen, wie sich die Schulabgänger in der Berufswahl künftig orientieren. Der Anteil, der sich für die Gastronomie entscheidet, könnte sich insbesondere im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern noch steigern. Schwerin stünde dann ohne Berufsschule da und würde einen Standortvorteil in der Tourismusbranche verlieren.

Dabei ist das Problem hausgemacht - wie schon bei den Gymnasien. Es gilt das Territorialprinzip. Dort, wo sich der Ausbildungsbetrieb befindet, dort muss der Azubi zur Berufsschule. Das nahe liegende Schweriner Umland ist durch die Zugehörigkeit zu anderen Landkreisen automatisch von der Beschulung in Schwerin ausgeschlossen. Wenn beispielsweise eine 16-jährige Crivitzerin in einem Lübstorfer Hotel lernt, darf sie weder nach Schwerin noch nach Parchim zur Berufsschule, sondern muss nach Wismar.


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