Gaskunden müssen mehr zahlen

Die schlechte Nachricht zu erst: Angesichts der Ölpreis-Rekorde müssen Gaskunden auch in unserer Region mehr bezahlen. Die Versorgungsbetriebe/Elbe GmbH kündigen für die Boizenburger eine durchschnittliche Preiserhöhung um elf Prozent an. Im Herbst könnte eine weitere folgen. Betroffen ist auch Lauenburg. Und das ist die relativ gute Nachricht: Joachim Schöttler hofft, am Ende deutlich unter 40 Prozent bleiben zu können.

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11. Juni 2008, 07:44 Uhr

Boizenburg - Um Punkt 15.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit schaut noch immer die ganze Welt darauf, wie die Wall Street eröffnet und stellt ihr Handeln entsprechend darauf ein. „Die extreme Öl- und Dollarentwicklung ist auch für so kleine Unternehmen wie uns von entscheidender Bedeutung“, erklärt Joachim Schöttler. Er ist der Geschäftsführer der Versorgungsbetriebe/Elbe GmbH, deren rund 80 Mitarbeiter einen jährlichen Umsatz von knapp 30 Millionen Euro erzielen und etwa 15 000 Kunden an der Elbe mit Wasser, Gas, Strom und Fernwärme versorgen. Beim Gas rechnen Experten zum Herbst mit zum Teil drastischen Preiserhöhungen. Betroffen sind auch die Kunden in Boizenburg und Lauenburg, wie Joachim Schöttler im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigte.

Frage: Warum müssen die Gaskunden mehr bezahlen?
Joachim Schöttler: Die Preisanbindung von Öl und Gas sowie spekulative Gewinne machen um unser Unternehmen keinen Bogen. Auch wenn es Kritik an der Koppelung an den Ölpreis gibt, halte ich diese ganz persönlich aus rein wettbewerbsrechtlichen Gründen für sinnvoll.
Frage: Es gibt Prognosen für eine Erhöhung des Gaspreises um bis zu 40 Prozent, auch für uns?
Joachim Schöttler: Davon gehe ich derzeit nicht aus.

Frage: Ab wann wird es teurer?
Joachim Schöttler: Für Boizenburg müssen wir zum 1. Juli um etwa elf Prozent für den Durchschnittskunden erhöhen. Um ein Beispiel zu nennen, ein Vier-Personen-Haushalt würde dann statt der jetzt 1316 Euro 1466 netto im Jahr bezahlen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir im Herbst noch einmal anziehen müssen. Ich rechne fest damit, dass wir dann trotzdem noch immer deutlich unter den avisierten 40 Prozent liegen werden.

Frage: Was ist mit Lauenburg?
Joachim Schöttler: Hier wird die Preiserhöhung voraussichtlich zum 1. Oktober dieses Jahres stattfinden.

Frage: Hat Lauenburg denn andere Preise?

Joachim Schöttler: Da gibt es in der Tat Unterschiede. Der Gaspreis setzt sich aus den Kosten für die Energie und den Transport zusammen. Da wir zwei verschiedene Netzgebiete haben, kommt es zu zwei verschiedenen Netzentgelten. Zudem verfügt Lauenburg wegen seiner älteren Verträge über andere Termine zur Preisanpassung. Dort erfolgt das halbjährlich, in Boizenburg dagegen quartalsweise.

Frage: Also greifen die Boizenburger tiefer in ihre Tasche?

Joachim Schöttler: Dem wäre vielleicht im Winter so. Aber wer dreht schon bei der gegenwärtigen Hitze seine Heizung auf? Abgesehen davon werden die Lauenburger Preise genauso wie in Boizenburg angepasst, das passiert halt nur zeitlich versetzt. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass wir im vergangenen Jahr in Boizenburg für unsere Kunden zweimal den Preis senken konnten, während er auf Grund der vorhandenen Gegebenheiten in Lauenburg unverändert blieb. So gleicht sich am Ende alles wieder aus.

Frage: Kommen wir zum Wirtschaftsplan, den die Stadtvertreter zur Kenntnis nahmen. Was ist 2008 vorgesehen?
Joachim Schöttler: In Boizenburg bleibt unser diesbezügliches Engagement etwa auf dem Niveau des Vorjahres. 2008 wollen wir für rund 350 000 Euro drei Trafostationen bauen und etwa 1,7 Millionen Euro in die Erneuerung unserer Netze investieren. Das soll abhängig von den Bauvorhaben der Stadt erfolgen. Längerfristig wollen wir in einer Machbarkeitsstudie prüfen lassen, ob es sich für uns rechnen würde, in einem Heizkraftwerk auch Strom zu erzeugen.
Frage: Können die Städte als Gesellschafter wieder mit einer kräftigen Finanzspritze von den Versorgungsbetrieben rechnen?
Joachim Schöttler: Eher nicht, denn unsere Gewinne werden erwartungsgemäß sinken. Aber ich denke, dass es uns durch die Zusammenarbeit der Versorger aus Boizenburg und Lauenburg gelingt, die Lage in fünf bis sieben Jahren zu stabilisieren.

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