Gasanbieter: Versprochene Preissenkungen bereits umgesetzt

von
15. April 2009, 04:18 Uhr

Rostock/Schwerin - Die Gasanbieter in Mecklenburg- Vorpommern haben eine bundesweite Studie zur Gaspreis-Entwicklung kritisiert und auf bereits vollzogenen Preissenkungen hingewiesen. "Diese von den Grünen beauftragte Untersuchung ist mir suspekt", sagte der Sprecher des Versorgers E.ON edis, Jörg-Uwe Kuberski, am Mittwoch in einer dpa-Umfrage. E.ON habe die Gaspreise im Nordosten seit Jahresbeginn um mehr als 14 Prozent verringert. Auch die Rostocker Stadtwerke zeigten wenig Verständnis für die Behauptung, das für das zweite Quartal 2009 angekündigte Senkungspotenzial von 12 Prozent sei vielerorts nur zur Hälfte ausgeschöpft worden. "Wir haben Preisnachlässe von insgesamt 23 Prozent komplett weitergegeben", meinte Sprecher Thomas Schneider.

Zwar gelte es zu berücksichtigen, dass die Autoren der von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebenen Studie in erster Linie die Preispolitik der "großen Vier" auf dem deutschen Gasmarkt bemängelten. "Als Stadtwerke müssen wir aber betonen, dass wir schon zum 1. Februar und dann noch einmal zum 1. April gesenkt haben." Derweil sei der Netto-Arbeitspreis für Erdgas auf das Niveau vor Januar 2007 gefallen. "Das war noch vor Beginn der Hausse bei den Gaspreisen", sagte Schneider. "Wir kennen diese Studie nicht"

E.ON edis äußerten sich ebenfalls kritisch zu den Vorwürfen. "Wir kennen diese Studie nicht", sagte Kuberski und verwies auf die seiner Meinung nach zu geringere Transparenz. E.ON edis habe den Gaspreis für eine Kilowattstunde (kWh) im Februar um rund 0,4 Cent und Anfang April um weitere 0,9 Cent gesenkt. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 kWh könne so 260 Euro sparen, erklärte Kuberski. Demgegenüber hätten die Transportkosten für Gas zuletzt sogar deutlich zugelegt.

Der mecklenburgische Energieversorger WEMAG kündigte an, seine Gaspreise zum 1. Mai im Schnitt um 12 Prozent zu reduzieren. "Damit geben wir Ersparnisse im Einkauf eins zu eins an die Kunden weiter", sagte Vertriebschef Rolf Bemmann in Schwerin. Dies entlaste einen Durchschnittshaushalt jährlich um rund 180 Euro. Bemmann sagte, er könne sich die Resultate der am Mittwoch bekanntgewordene Studie nicht erklären. Eine mögliche "Quelle der Irritation" könnte sein, dass der Anteil der Energiekosten am Endpreis für den Verbraucher nur ein Drittel ausmache. Kommunale Anbieter haben an Preisschraube gedreht

Bemmanns Kollegen in Greifswald beurteilten die Forderungen der Berliner Erhebung ähnlich skeptisch. Man habe bereits zum 1. April kräftig an der Preisschraube gedreht, versicherte Steffi Borkmann von den örtlichen Stadtwerken. "Zu Monatsbeginn ging es im Schnitt um 10 Prozent nach unten." Nach Einschätzung von Chef-Einkäufer Olaf Pestow werden sich die Preise bis zum Jahresende auf dem derzeitigen Niveau einpendeln. Bei aller Kritik am Gas-Preisgefüge der vergangenen Jahre dürfe man nicht vergessen, dass die Beschaffungskosten trotz Bindung an den Ölpreis nicht sofort, sondern stets zeitverzögert fielen.

Die Stralsunder Stadtwerke reagierten zurückhaltend auf die Vorwürfe. "Das sind Behauptungen, die erst bewiesen werden wollen", sagte Marketingleiter Tarik Kreißel. "Was wir an Potenzial haben, geben wir weiter - aufs Jahr hochgerechnet sind es 13,8 Prozent." Die Tarifentwicklung hänge zudem von den Speicherkapazitäten ab. "Wenn sie als kleines Stadtwerk feste Lieferverträge haben, müssen sie das Gas zu den Konditionen vom Lieferanten abnehmen, die nun mal herrschen." Ökonomisches Kalkül oder politische Motive?

Den Neubrandenburger Stadtwerken bescheinigte laut Sprecherin Anja Hünemörder ein unabhängiges Testat, von 2004 bis 2008 die Preise sogar über Gebühr gesenkt zu haben. "Zum 1. April waren es jetzt nochmals etwa 9 Prozent." Bei den Stadtwerken Pasewalk gingen die Tarife zuletzt um rund 10 Prozent in den Keller. Geschäftsführer Horst Ebelt vermutet politische Motive hinter der Studie. "Ich halte das für Wahlkampfgetöse." Die Grünen müssten klarer als bisher sagen, welche Marschroute sie verfolgten. "Energie soll teurer werden, aber die Gaspreise billiger - das passt doch irgendwie nicht zusammen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen