Gas-Anbieter in Erklärungsnot

Für Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ist es ein Erfolg: Erstmals macht das Bundeskartellamt Gebrauch vom neuen Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen und eröffnet Missbrauchsverfahren gegen rund 35 Gasversorger wegen des Verdachts auf überhöhte Verbraucherpreise. „Ein logischer und konsequenter Schritt“, lobt Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Hintergründe von Rasmus Buchsteiner zur neuen Debatte um zu hohe Gaspreise.

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05. März 2008, 06:46 Uhr

Wie haben sich die Gaspreise in letzter Zeit entwickelt? In den letzten Jahren sind die Gaspreise deutlich gestiegen. Bei manchem Versorger kam es zu zweistelligen Erhöhungen. Laut Verbraucherportal Verivox sanken die Gaspreise zwischen November 2006 und 2007 durchschnittlich um drei Prozent. Der Einkaufspreis für die Versorger ist an die Entwicklung des Ölpreises gekoppelt. Jetzt wollen mindestens 142 Unternehmen ihre Preise wieder heraufsetzen – um bis zu 14,1 Prozent. Im Schnitt würden die Kosten damit um 6,6 Prozent steigen. Jährliche Mehrkosten für einen Haushalt mit 20 000 Kilowattstunden: 85 Euro. Gerd Billen, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen: „Es gibt für die jetzt angekündigten Erhöhungen keinen nachvollziehbaren Grund.“
Wie unterscheiden sich die Preise in den Bundesländern? Nach Angaben des Bundeskartellamts sind die Unterschiede erheblich. Ein aktueller Vergleich der Haushaltskundenpreise von 739 Versorgern ist auf den Internetseiten der Bonner Behörde nachzulesen. Danach wird davon ausgegangen, dass teilweise erhebliche Abweichungen von 25 bis 45 Prozent und mehr zwischen den verschiedenen Unternehmen bestehen. Kartellamtspräsident Bernhard Heitzer: „Nach derzeitigen Erkenntnissen erheben eine Reihe von Unternehmen Gaspreise in einer Höhe, die sie bei funktionierendem Wettbewerb nicht fordern könnten.“
Müssen die Versorger ihre Preise jetzt senken? Nein. Im Moment geht es um Ermittlungen, nicht mehr. Die Versorger sollen erst einmal Stellung nehmen können. Von ihnen wird verlangt, dass sie ihre Preisbildung offen legen und große Unterschiede zu vergleichbaren Unternehmen begründen können. Am Ende des Verfahrens sind Geldbußen von bis zu zehn Prozent des Umsatzes möglich – und natürlich, dass den Versorgern überhöhte Preise untersagt werden. Missbrauchsverfahren laufen auch bei den Landeskartellbehörden.
Können Verbraucher ihren Versorger wechseln? Grundsätzlich ja. Der Anbieterwechsel funktioniert ähnlich wie beim Strom. Nur: Es gibt nach Angaben von Verbraucherschützern abgesehen von „E wie einfach“ keinerlei bundesweite Anbieter. In Großstädten wie Berlin oder Hamburg kann Gas auch von regionalen Wettbewerbern der Platzhirsche bezogen werden, die ihre Vertriebsgebiete in letzter Zeit stark ausgeweitet haben. Verbraucherportale im Internet zeigen, ob und zu welchen Konditionen es Alternativ-Angebote gibt.
Energieexperte Holger Krawinkel vom Bundesverband der Verbraucherzentralen: „Der Wettbewerb beim Gas steckt immer noch in den Kinderschuhen.“

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