Gäste äußern ihren Unmut

Kritische Stimmen von Urlaubern über die Qualität privater Unterkünfte in der Prignitz häufen sich. Der Tourismusverband und die IHK reagieren. Sie bieten Seminare an, die Vermieter über aktuelle Trends informieren und werben nachdrücklich für eine Klassifizierung.

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11. April 2008, 07:37 Uhr

Prignitz - „Das geht ja gar nicht.“ Eine Aussage die Diplomkauffrau Diana Richter zunehmend auf Messen hört. „Ja, die Beschwerden über die Prignitz häufen sich“, bestätigt die Mitarbeiterin des Tourismusverbandes Prignitz e. V. auf der gestrigen Pressekonferenz. Kritikpunkte seien der schlechte Zustand von Unterkünften, ein mangelndes Preis-/Leistungsverhältnis, fehlender Service der Einrichtungen.

„Unzufriedene Gäste kommen nicht wieder“, macht Verbandsgeschäftsführer Uwe Neumann die Folge deutlich. Reiseerfahrungen der Urlauber steigen, ihre Ansprüche ebenfalls und das Internet bietet nicht nur Vergleiche zwischen den Anbietern, „sondern Gäste geben dort auch für jeden lesbar ihre persönlichen Erfahrungen wieder“, sagt Neumann. Deshalb will der Verband gemeinsam mit der IHK und dem Hotel- und Gaststättenverband schnell reagieren und lädt zu Seminaren ein.

Qualität muss im Kopf ankommen
„Themen können Anbieter selbst auswählen“, bezieht Projektleiterin Diana Richter Eigentümer von Ferienwohnungen oder Pensionen mit ein und nennt Beispiele: Recht, Marketing, Internet. Spätestens für Mai will der Tourismusverband Interessierte zur Diskussion einladen, das erste Thema festlegen. Ideen und Wünsche dürfen gerne schon im Vorfeld geäußert werden.
„Qualität muss im Kopf ankommen“, sagt Uwe Neumann. Service beginne bei der Buchungsanfrage, setze sich über Ankunft, Betreuung, Verabschiedung fort. „Wir sprechen von einer Servicekette.“ Dazu gehöre sogar eine Begleitung der Gäste nach ihrer Abreise.

Der IHK-Vertreter Thomas Jesse verweist auf ein vergleichbares Projekt auf der Insel Rügen. Auch dort hätten sich Beherbergungsbetriebe über aktuelle Trends informiert. Welche Einrichtung wünschen sich Touristen heute? Gardinen oder große Glasfenster? Ein Sessel, der genauso gut bei Oma in der Stube stehen könnte oder eine modern gestaltete Sitzecke? Referenten sollen Antworten geben.
Uwe Neumann erhofft sich eine große Resonanz. Schließlich gaben die Anbieter selbst auf dem Tourismusforum im vergangenen Jahr den Anstoß zu solchen Überlegungen. 220 Privatvermieter stehen im Urlaubsjournal, nur 40 sind zertifiziert. „Unser Ziel ist es, dass bis Ende 2009 rund 100 Vermieter die Seminare nutzen und sich anschließend zertifizieren lassen, ihr Betrieb also Sterne erhält“, sagt Neumann.

An Zertifizierung führt kein Weg vorbei
Langfristig führe daran kein Weg vorbei. Der Verband erwägt, die Zertifizierung zu einem Aufnahmekriterium für das Urlaubsjournal zu machen. Erste Verbände in Brandenburg praktizieren das bereits, betonen Uwe Neumann und Diana Richter. „Wir werben seit Jahren dafür, doch mit zu geringem Erfolg“, urteilt der Geschäftsführer. Einige würden noch immer den Standpunkt vertreten, sie hätten eine Zertifizierung nicht nötig. Dabei würden Studien eindeutig belegen, dass sich Touristen an der Anzahl der vergebenen Sterne orientieren.

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