Für Klopapier ins Schulsekretariat - Kein Papier auf den Schule-Toiletten

Ungewöhnliche Regeln für die Rolle: An der Käthe-Kollwitz-Schule in Bützow müssen sich Schüler das Toiletten-Papier im Sekretariat abholen. Foto: Gieseking
Ungewöhnliche Regeln für die Rolle: An der Käthe-Kollwitz-Schule in Bützow müssen sich Schüler das Toiletten-Papier im Sekretariat abholen. Foto: Gieseking

von
07. Juli 2008, 08:38 Uhr

Bützow - „Wir wissen keinen anderen Rat“, sagt Schulleiterin Gudrun Radziwolek. Andere Maßnahmen, den hohen Papierverbrauch auf den Schul-Klos zu minimieren, scheiterten. Immer wieder sei massenhaft Toilettenpapier in Becken geworfen worden, gab es Verstopfungen. „Wir haben Aushänge gemacht, die Schüler belehrt. Jeden Tag fünf Rollen weg, das kann nicht sein“, sagt Radziwolek.

Schon vor Monaten ließ sie deshalb das Papier auf den Jungen-Toiletten entfernen, seitdem müssen sich die Schüler im Sekretariat der Schulleitung die Hygienetücher abholen. „Für die Kinder ist das eine Belastung“, sagt Henning Friz, der Vorsitzende des Elternrates der Schule.

Eine Mutter spricht von Demütigung: „Stellen sie sich das einmal vor: Da laufen die Kinder ins Sekretariat, sagen, sie müssen mal, und betteln um Toilettenpapier“, sagt die Frau. Der Vorsitzende des Landeselternrates, André Wionsek, konnte gar nicht glauben, was ihm SVZ gestern am Telefon schilderte. So etwas könne man nicht dulden, da müsse schnell Abhilfe geschaffen werden. „Wann ein Kind große oder kleine Geschäfte macht, hat weder den Schulleiter noch die Sekretärin zu interessieren. Das ist ein Eingriff in die Intimsphäre“, sagt Wionsek.

Das sieht Schulleiterin Radziwolek nicht so. „Die Schüler können ja auch irgendwann vorher kommen“, sagt sie. Sie wisse von anderen Schulen, in denen die Toiletten abgeschlossen seien, die Schüler sich den Schlüssel abholen müssen.

Henning Friz rät, Toilettenpapier oder Taschentücher mit zur Schule zu nehmen. Der Elternratschef der Käthe-Kollwitz-Schule bestätigt: Man sei ratlos. Es gebe zu wenig männliches Personal an der Schule, das die Jungen-Toiletten in den Pausen überwacht. Gespräche mit sozial auffälligen Schülern, von denen es offenbar immer mehr gebe, halfen nicht. „Unter solchen Sanktionen müssen dann alle leiden“, sagt Henning Friz.

Papier ist jetzt völlig alle – Ministerium entsetzt
Seit Ende vergangener Woche gibt es auch für die Mädchen kein Toilettenpapier mehr auf dem Klo. Der Grund: „Wir haben nur noch ein begrenztes Kontingent, weil die Schule in anderthalb Wochen umzieht“, sagt Gudrun Radziwolek. Die Reste habe man jetzt im Sekretariat deponiert.

Kopfschütteln im Schweriner Bildungsministerium. „Das kann nicht sein“, sagt eine Sprecherin. Das Ministerium habe noch am Nachmittag angeordnet, diesen Zustand zu ändern.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen