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Für Hansa gehts um alles oder nichts

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erstellt am 16.Mai.2010 | 06:47 Uhr

Rostock | Ein Sieg mit zwei Toren Differenz oder der Gau 3. Liga: Die viel zu lange Zeit der Ausreden für den FC Hansa Rostock ist zu Ende. Nach dem 0:1 am Freitagabend beim FC Ingolstadt 04 im Hinspiel der Relegation zur 2. Fußball-Bundesliga geht es für die Ostseestädter in der Zweitauflage des Duells mit dem Dritten der 3. Liga heute (20.30 Uhr/NDR live) um alles oder nichts.

"Wir haben das Wort Endspiel bisher vermieden. Jetzt haben wir ein Endspiel - danach ist nichts mehr", sagte Hansa-Coach Marco Kostmann am Samstag rund 14 Stunden nach dem Abpfiff des über alle Maßen schwachen Spiels im Ingolstädter Tuja-Stadion. Der Ausblick des 44-Jährigen hatte mit dem bislang unbeirrt zur Schau getragenen Optimismus nicht mehr viel zu tun: "Wir sind im Rückspiel eingeschränkt, was unsere taktischen Möglichkeiten betrifft. Wir haben kaum noch personelle Alternativen", meinte der Trainer mit Blick auf die Ausfälle von Oliver Schröder und Orestes (beide verletzt) sowie von Kai Bülow und Kevin Schlitte, die nach der fünften Gelben Karte gesperrt sind. Allesamt Kicker mit Stammplatz-Potenzial im zentralen defensiven Bereich. Orestes, Bülow und Schröder kamen im Saisonverlauf bereits in der Innenverteidigung zum Einsatz. Mit Tim Sebastian ist nur ein einziger zweitliga-erfahrener Abwehrmann übrig geblieben. Als Alternative stünden die Youngster Florian Grossert und Stephan Gusche oder auch Helgi Valur Danielsson bereit. "Wir können Helgi zurückziehen. Er kann dort spielen", so Kostmann.

Möglich wäre diese Umstellung durch die Rückkehr von Kapitän Martin Retov, der die Sieben-Spiele-Sperre nach seinem Ausraster beim 0:2 auf St. Pauli abgesessen hat. "Er trainierte in den vergangenen Wochen sehr gut und ist eine Alternative", sagt Kostmann vorsichtig. Jedoch scheint der 44-Jährige im Grunde keine andere Wahl zu haben, als den Dänen trotz fehlender Spielpraxis zu bringen. Der 30-Jährige könnte die Truppe führen und als Spielgestalter die nötigen Impulse setzen.

Dabei weiß Kostmann, dass ein 0:1 ein gefährliches Resultat im K.o.-Modus ist. "Wir können nicht alles nach vorn werfen, weil sonst die Gefahr zu groß ist, dass wir Konter fangen", warnt der Coach vor Hurra-Fußball. Zumal die Ingolstädter ihre Gefährlichkeit auf des Gegners Platz in der abgelaufenen Saison nicht nur einmal demonstriert haben. Mit 29 Punkten aus 19 Spielen (neun Siege) waren sie auswärts die erfolgreichste Mannschaft. Und nur ein Treffer der Oberbayern in Rostock erfordert für den angestrebten Erfolgsfall drei Tore des FC Hansa.

Wer die schießen soll, ist mehr denn je unklar. Mehr als ein Tor hat Hansa in einem Pflichtspiel zuletzt beim 2:0-Heimsieg gegen Alemannia Aachen am 4. April erzielt. Ganze 13 Treffer in 17 Rückrundenspielen der 2. Liga sprechen ebenfalls gegen das Team von der Ostsee, das seine Harmlosigkeit in der Offensive auch am Freitagabend in Ingolstadt nachhaltig unter Beweis stellte. Zum Beispiel Fin Bartels: Der zum Bundesliga-Aufsteiger FC St. Pauli wechselnde Angreifer lief und lief und lief - und verlor jeden Zweikampf in der Nähe des gegnerischen Tores.

Es passte ins Bild, dass Steffen Wohlfarth mit einem glücklichen Stocher-Tor (73.) - ein anderes hätte auch nicht zu dieser Partie gepasst - den FC Hansa mitten ins Herz traf. Dem drohenden sportlichen "Ableben" wollen die Rostocker nach eigenem Bekunden über 90 Minuten geschlossen entgegentreten. "Wenn wir absteigen, gibt es nur Verlierer. Aus dieser Nummer geht keiner als Gewinner raus", kündigte Kostmann an. Das Interview-Verbot für seine Spieler hat er vorsorglich bis Montagabend verlängert - obwohl es in Ingolstadt auch nichts genutzt hat.

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