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Interview mit Markus Baur : "Führungsspieler durch Leistung"

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Seit dem 2. Dezember 2010 fungiert Markus Baur als Trainer des Erstligisten TuS N-Lübbecke. Am Rande des Eintagesturniers in Schwerin sprach Güttler mit dem Aufgestieger.

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erstellt am 31.Jan.2011 | 10:40 Uhr

Er war der Kapitän des deutschen Wintermärchens, als die deutsche Mannschaft 2007 im eigenen Land Weltmeister wurde - Markus Baur. Der im Bodenseekreis Meerburg Geborene bestritt von 1994 bis 2007 insgesamt 227 Länderspiele (706 Tore).

Baur ist verheiratet mit Marion, hat eine Tochter und zwei Söhne. Die Familie hat sich nach der Zeit beim TBV Lemgo (bis 2009) in Mimmenhausen, Teilort von Salem in Baden-Württemberg, ein Haus gekauft.

Seit dem 2. Dezember 2010 fungiert Markus "Schorch" Baur als Trainer des Erstligisten TuS N-Lübbecke. Am Rande des Eintagesturniers in Schwerin sprach Roland Güttler mit dem vor Wochenfrist in den Klub der 40er Aufgestiegenen.

Herr Baur, wie froh sind Sie, dass Sie keinen der nach der WM-Pleite mit Platz elf total frustrierten deutschen Auswahlspieler im TuS-Kader haben?

Baur: Ach, ich weiß nicht, ob das wirklich ein Vor- oder Nachteil ist. Vielleicht sind die DHB-Spieler gerade erpicht darauf, in ihren Klubs wieder positive Erfahrungen zu sammeln.

Man ist nicht Führungsspieler mit dem Mund, sondern mit Leistung

Dabei standen in der aktuellen WM-Mannschaft noch zehn Weltmeister von 2007…

Es ist schon ein Unterschied, ob jemand nur dabei ist, oder ob er die Mannschaft führen soll! Jetzt in Schweden fehlte es ganz klar an Führungsspielern. Dabei kann es die DHB-Sieben durchaus, wie gegen Spanien bis zur 50. Minute zu sehen, oder gegen Island, mit fast jedem aufnehmen. Doch zwei Tage später gegen Ungarn wurde nur Grütze gespielt. Die Mehrzahl der Partien war sehr schlecht und dafür gab es mit Platz elf die Quittung.

Auf den Außenbahnen und bei den Torhütern sind wir gut bestückt. Doch Spiele werden entschieden am Kreis und im Rückraum - und da kann Deutschland nicht mithalten mit der Konkurrenz.

Kapitän Pascal Hens und sein Vorgänger Michael Kraus wurden aber doch im WM-Vorfeld als die neuen Führungsspieler verkauft?

Wenn sie von allen Seiten dazu gemacht werden, dann werden sie es zwischendurch auch mal glauben. Man ist aber nicht Führungsspieler mit dem Mund, sondern durch Leistung!

Auswahlniedergang eine logische Quittung auf die Bundesliga

Ist der Niedergang der Nationalmannschaft mit EM-Rang zehn vor Jahresfrist bei der EM und jetzt dem 11. Platz nicht die logische Quittung auf die Bundesliga, wo auf zentralen Positionen ausländische Stars die stärkste Liga der Welt dominieren?

Es ist schon schwierig. Man muss aber auch die Belange der Vereine sehen. In Deutschland wird keine Champions-League-Mannschaft einen 19-Jährigen auf Rückraum Mitte einsetzen.

Wenn hier Spieler mit 20, 21 in die Bundesliga hochrücken, haben ihre Alterskollegen in anderen Ländern bereits drei bis vier Jahre Erstliga-Erfahrung. Mit 17, 18 sind die deutschen Talente nicht schlechter. Entscheidend ist aber ihr Level in den drei Jahren danach. Mit 18 können sie hier vielleicht in der Regionalliga oder mal 15 bis 30 Minuten in Liga zwei spielen. Und auch wenn sie dort Stammspieler sein sollten, ist es was anderes als im Europacup. Der Kroate Duvnjak vom HSV hat mit 17 schon Champions League gespielt, bei uns ist man mit 17 A-Jugend.

Also müssen die deutschen Junioren-Weltmeister von 2009 nach Schweden gehen, um Spielpraxis zu bekommen!

Dann könnten da dort dann die Einheimischen nicht spielen…

Ich sehe schon, ein Patentrezept haben auch Sie nicht. Lemgos Manager Volker Zerbe hat in seiner Eigenschaft als HBL-Präsidiumsmitglied angeregt, eine Task Force Nationalmannschaft ins Leben zu rufen. Was soll das bringen?

Das weiß ich nicht. Dazu müsste Herr Zerbe erst einmal sagen, was er darunter versteht…

Balingens Trainer Rolf Brack plädierte in einem Interview - sollte Bundestrainer Heiner Brand zurücktreten - für das Modell Klinsmann/Löw als "Tandemlösung" im Handball und sprach sich zugleich gegen die Ex-Nationalspieler Christian Schwarzer bzw. Sie als Nachfolger aus, weil beide so zusagen "ver-Brand" seien.

Vielleicht möchte er er es gerne machen! Wenn es Brack wirklich so gesagt hat, wäre es schon eine Frechheit. Er kennt mich doch gar nicht als Trainer! Und überhaupt: Wenn ich unter einem Trainer zehn Jahre gespielt habe, werde ich doch nicht alles 1:1 übernehmen.

Der Gedanke der Tandemlösung ist allerdings gar nicht so verkehrt, um neue Elemente mit reinzubringen.

Stehen Sie - für den Fall der Fälle - als Bundestrainer bereit?

Dazu müssen Sie die fragen, die mich ins Spiel gebracht haben. Ich war es nicht!

Was Heiner Brand betrifft, so macht er sich jetzt sicherlich seine Gedanken, wenn die Mannschaft solche Grütze spielt. Aber ich kenne ihn als Kämpfer und denke, er macht weiter, um dann mit einem Erfolg abtreten zu können.

PS: Die Frage bleibt, wo will Brand oder ein anderer dsen Erfolg landen - und vor allem mit wem?

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