zur Navigation springen

Lübzer Stadtwerke : Frühere Tankrechnung halbiert

vom

Bis auf einen Wagen haben die Lübzer Stadtwerke seit 2003 ihren gesamten Fuhrpark nach und nach auf den Betrieb mit Erdgas umgerüstet. Ein Kilogramm Erdgas kostet in MV durchschnittlich 0,94 Euro.

svz.de von
erstellt am 22.Mär.2011 | 11:49 Uhr

Bis auf einen Wagen haben die Lübzer Stadtwerke seit 2003 ihren gesamten Fuhrpark (acht Fahrzeuge) nach und nach auf den Betrieb mit Erdgas umgerüstet. Weil es in Kilogramm bezahlt wird, muss man den vergleichbaren Literpreis für Benzin erst errechnen. Er läge theoretisch wegen des höheren Energiegehaltes von Gas momentan bei rund 63 Cent (Diesel 72 Cent). Ist-Wert bei Benzin: Rund 1,50 Euro. Ein Kilogramm Erdgas kostet in Mecklenburg-Vorpommern gegenwärtig durchschnittlich 0,94 Euro.

Nach einer Mitteilung des "Initiativkreises ,Das Erdgasfahrzeug M-V" ergäben sich daher Einsparungen von mehr als 50 beziehungsweise 30 Prozent. Grund dafür sei die erst einmal bis 2018 gesetzlich festgeschriebene reduzierte Mineralölsteuer für Erdgas als Kraftstoff. "Hinzu kommt, dass bereits ab 2016 Pflicht wird, weitaus geringere Kohlendioxid-Werte einzuhalten", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Dobbertin. "Erdgasfahrzeuge stoßen zum Beispiel ein Viertel weniger CO2 aus als von Benzin angetriebene und liegen damit schon jetzt unter den Vorgaben, die kommen werden." Bei Stickoxiden beträgt der Reduzierungswert sogar 95 Prozent.

Auch der Lübzer Taxi-Unternehmer Gebhard Schulze hat seinen Fuhrpark umgerüstet und spart nach eigenen Angaben bei den Treibstoffkosten gegenüber Diesel ein Drittel und bei Benzin sogar die Hälfte ein. "Auch aus einem weiteren Grund ist das Fahren mit Erdgas für mich sehr lukrativ", sagt er. "Für einen Kleinbus bezahle ich jetzt 38 Euro Steuern im Jahr, für Diesel wären es 308."

Der Unternehmer ist einer der großen Kunden der im Juni 2004 in Betrieb gegangenen Erdgastankstelle bei Raiffeisen in Lübz - eine von zwei im Landkreis. Die andere steht in Parchim, bundesweit stehen mittlerweile 880 für rund 90 000 Fahrzeuge zur Verfügung. Die hiesige verkauft den Rohstoff für die Stadtwerke. "Ihre hundertprozentige Wirtschaftlichkeit ist noch nicht erreicht, wenngleich wir eine jährliche Steigerung verzeichnen, was die Nutzung betrifft", sagt Holger Albrecht, Abteilungsleiter Gas/Wasser bei den Stadtwerken und somit auch für die Tankstelle zuständig. "Schön wäre, wenn sich noch mehr Gewerbetreibende und Berufspendler zur Umrüstung entscheiden." Der Einsatz von Erdgas lohne sich vor allem für Fahrer, die jährlich mindestens 15 000 Kilometer zurücklegen, weil sich die etwas höheren Mehrkosten für die Anschaffung eines Erdgasfahrzeuges dann schon nach kurzer Zeit amortisierten. "Privat habe ich bereits drei Wagen mit Erdgasantrieb gefahren", sagt Dobbertin. "Es war stets unproblematisch, wenngleich feststeht, dass der nachträgliche Umbau die Leistung mindert. Mittlerweile gibt es mehrere Hersteller - vor allem VW, Opel, Mercedes und FIAT - die Erdgasautos serienmäßig anbieten."

In jedem gibt es als Reserve zusätzlich den gewohnten Benzintank. Das Gas, in größeren Fahrzeugen bis zu 30 Kilogramm, ist in unter 200 bar Druck stehenden Flaschen untergebracht, die ihre Sicherheit in zahllosen Crashtests bewiesen haben. Mit 20 Kilogramm fährt zum Beispiel Gebhard Schulze rund 400 Kilometer weit. Eingangs genannter Initiativkreis fördert die Anschaffung eines Neufahrzeuges mit 300 Euro, die Lübzer Stadtwerke überreichen in solch einem Fall einen Gutschein über 100 Kilogramm Erdgas.

In Berlin fahren zum Beispiel schon rund 1000 Taxen damit. "Diese Technologie ist auf politischer Ebene leider etwas eingeschlafen", sagt Dobbertin. "Die Anstrengungen gehen jetzt vor allem in Richtung Elektroautos - in dicht besiedelten Räumen wie vor allem Städten eine feine Sache, demzufolge aber auch nicht bei uns, wo wenig Menschen auf großer Fläche wohnen und oft weit zur Arbeit fahren müssen. Das mag in zehn Jahren anders sein." Sowohl der Geschäftsführer als auch Albrecht - bei Fragen zu der vergleichsweise neuen Technologie unter der Telefonnummer 03 87 31/ 50 10 zu erreichen, sehen den Kraftstoff Erdgas als gute Überbrückung zur verstärkten Nutzung alternativer Energien. Schon jetzt liege der Biogas-Anteil bei rund zehn Prozent.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen