Frühchen müssen weit reisen

Ein Jahrelanger Streit zwischen Südstadt- und Uniklinik um die Frühgeborenenstation führt jetzt zu einem regelrechten Bettenmangel für Frühchen. Hubschrauber müssen kleine Problempatienten sogar bis nach Lübeck ausfliegen. Kostenpunkt: 7000 Euro pro Einsatz.

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07. März 2008, 08:28 Uhr

Rostock - Seit 2004 gibt es eine zentrale Frauenklinik in Rostock. Am Standort Südstadt haben sich beide Kliniken zusammengetan. Gut für werdende Mütter. In der Nachbarstation zeichnet sich allerdings keine gütliche Lösung ab. Südstadt- und Uniklinik streiten um die Neonatologie. Die Folge: Die dringend notwendige Aufstockung der Bettenkapazität ist aufgeschoben. Nicht alle Frühchen, die in der Südstadtklinik zur Welt kommen, können auch hier behandelt werden.

„Wir müssen Frühgeborene sogar bis nach Lübeck verlegen, weil wir an Kapazitätsgrenzen stoßen“, sagt Verwaltungsdirektorin Renate Fieber. Was früher Einzelfälle waren, wird mehr und mehr zur Regel. Auch innerhalb Rostocks sind Transporte im Babynotfallwagen zu anderen Stationen wie der Uni-Kinderklinik mittlerweile unumgänglich. 18 Betten und Brutkästen stehen in der Südstadt. 25 sollten es sein. 30 wären ideal.

Einen Antrag zur Aufstockung hat die Klinik beim zuständigen Sozialministerium in Schwerin schon mehrere Male gestellt, zuletzt im vergangenen Jahr. Ein positiver Bescheid folgte im Herbst 2007: Ja zu 25 Betten. Damit wäre der Weg für Fördergelder geebnet, die Station hätte mit der Technik ausgestattet werden können, die aufwendigen Hubschraubertransporten nach Lübeck und Co. ein Ende setzt. Das Sozialministerium habe eine vernünftige Entscheidung getroffen, wertet auch Rostocks Sozialsenator Wolfgang Nitzsche. Doch die Rechnung hat er ohne die Universitätsklinik gemacht. Denn die Schweriner Entscheidung bedeutet, dass die Südstadtklinik die komplette Verantwortung für die Frühgeborenenstation übernimmt, die sie sich bisher teilte. Daraufhin klagte die Uniklinik vor dem Verwaltungsgericht.

Das Sozialministerium habe diese Entscheidung ohne jede Rücksprache getroffen, heißt es aus der Schillingallee. Eine medizinische Fakultät ohne Geburtenkunde ist für die Universität undenkbar. Außerdem: „Die Verlegung von Patienten in die Kinderklinik des Universitätsklinikums ist jederzeit möglich. Kapazitätsprobleme unserer Hauses bestehen nicht“, teilt der Ärztliche Direktor Professor Peter Schuff-Werner mit. Für die Geburtenstation in der Südstadtklinik bedeutet dies: Alles bleibt beim Alten – bis ein Richter entscheidet.

Damit der gordische Knoten vorher zerschlagen wird, soll nun ein Spitzengespräch zwischen Oberbürgermeister Roland Methling und dem Rektor der Universität, Thomas Strothotte, beitragen. Der städtische Klinikausschuss will den Rathauschef dazu auffordern. „Das Leben von Neugeborenen darf nicht durch solche Transporte gefährdet werden“, sagt Ausschussleiter Norbert Ulfig. Politik müsse in solchen Fällen hinten anstehen.

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