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Ratgeber: Geldabheben bei fremden Instituten : Fremdgehen wird transparenter

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Von morgen an müssen Geldautomaten explizit anzeigen, wie viel sie Fremdkunden, also jenen, die nicht bei der Hausbank oder innerhalb einer Bankengruppe Geld abheben, dafür in Rechnung stellen.

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erstellt am 14.Jan.2011 | 11:06 Uhr

"Unser Entgelt für diese Auszahlung: 1,95 Euro. Der Betrag wird mit der Auszahlung abgebucht. Bitte drücken Sie bestätigen oder abbrechen." Wer künftig Bargeld abheben möchte, dabei aber auf einen Automaten von einem fremden Geldinstitut angewiesen ist, kauft nicht mehr die sprichwörtliche Katze im Sack. Von morgen an müssen Geldautomaten explizit anzeigen, wie viel sie Fremdkunden, also jenen, die nicht bei der Hausbank oder innerhalb einer Bankengruppe Geld abheben, dafür in Rechnung stellen. Diese haben dann die Wahl, den Vorgang zu bestätigen oder abzubrechen. Bislang sah der Kunde oft erst Wochen später auf dem Kontoauszug, wie teuer ihn das Fremdgehen an der Bank zu stehen kam - durchschnittlich fünf bis sieben Euro, mitunter sogar zehn.

In ländlichen Regionen kaum eine Wahl

Die Lösung schafft Transparenz am Geldautomaten - allerdings mit Überraschungseffekten. Denn auf einen Höchstbetrag haben sich nur die Privatbanken verständigt. Sie berechnen Kunden anderer Institute maximal 1,95 Euro. Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken hingegen entscheiden von Haus zu Haus selbst, welche Gebühr sie verlangen. Die Banken der Cash Group haben sich bundesweit auf eine einheitliche Gebühr festgelegt. Unterm Strich schwanken die Beträge je nach Bank zum Teil deutlich, liegen den Angaben zufolge jedoch zumeist unter den bisherigen Beträgen.

Die Sparkassen und Genossenschaftsbanken betonen, dass ihre 45 bzw. 30 Millionen Kunden aufgrund der flächendeckenden Präsenz eigener Automaten nicht auf fremde angewiesen seien. Gebührenfrei bleibt das Abheben auch innerhalb eines Bankenverbundes, sprich innerhalb der Sparkassen, innerhalb der Volks- und Raiffeisenbanken, innerhalb der Cash Group, der unter anderem die Deutsche Bank, die Postbank und Commerzbank angehören, sowie innerhalb des sogenannten Cash Pools mit beispielsweise den Spardabanken und der Santander.

Betroffen sind vor allem jene Kunden, deren Banken zu wenige Automaten in der Fläche aufgestellt haben. Zum Vergleich: Die Sparkassen haben bundesweit 25 700 Automaten aufgestellt, die Genossenschaftsbanken etwa 19000. Die Cash-Group-Konkurrenz etwa 9000, der Cash Pool mehr als 2500.

Fremdabhebungen machen etwa vier Prozent aller Abhebungen aus. Die Sparkasse berechnet im regionalen Vergleich dafür die höchste Gebühr, gefolgt von den Genossenschaftsbanken. Fremdkunden zahlen hier bei der Konkurrenz dafür, wofür ihre Bank in der Fläche kein Geld mit eigenen Automaten ausgibt: Aufstellen, Wartung, Geldbestückung und Sicherheit. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisiert, dass genau hier die Transparenz an ihre Grenzen stoße: Wer dringend Bargeld benötigt, aber keinen Hausbank-Automaten zur Verfügung hat, habe nicht wirklich eine Wahl, egal ob der Preis angezeigt wird oder nicht. Der Verband hatte eine Höchstgebühr von zwei Euro gefordert.

Mit der Gebührenanzeige geht auch ein Systemwechsel bei der Abrechnung einher. Bisher hat die Bank die Gebühr abgebucht, bei der der Fremdkunde sein Konto hat. Nun ist es die Bank, deren Geldautomat er benutzt.

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