Freitod per Knopfdruck

Jährlich fahren todkranke Menschen in die Schweiz, um sich beim Freitod helfen zu lassen. Einen anderen Weg möchte Roger Kusch aufzeigen – einen umstrittenen Weg.

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31. März 2008, 02:36 Uhr

Hamburg - Eine entstellte Krebspatientin in Frankreich, ein kranker Schriftsteller in Belgien, der Selbstmord begeht, verzweifelte Sterbewillige, die ihren Kopf in gasgefüllte Plastiktüten stecken: In die Diskussionen um einen würdigen Umgang mit dem Freitod platzt nun ein Hamburger Politiker mit der Vorstellung einer „Selbsttötungsmaschine“. Damit dürfte er den Streit um Sterbehilfe zumindest in Deutschland wieder neu entfachen. Das vom früheren Hamburger Justizsenator und Ex-CDU-Mitglied Roger Kusch entworfene Gerät funktioniert nach dem Muster der Giftspritze in den USA.

Den Auslöser der „Selbsttötungsmaschine“ muss der Patient selbst betätigen – aus rechtlichen Gründen. Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten. Wird der Knopf gedrückt, setzt sich der Motor des kleinen grünen Automaten in Bewegung. Ein Metallteil drückt gegen zwei gefüllte Spritzen. Zuerst läuft ein Narkotikum in die Vene. Dann folgt das tödliche Kaliumchlorid. Spätestens nach vier Minuten soll der Patient tot sein.

Praktische Hilfe für Leidende statt theoretischer Diskussionen will Ex-Senator Kusch leisten. Schließlich wolle er unheilbar kranke Menschen von ihrem unsäglichen Leiden befreien. Allerdings müsse vor einem Einsatz des Gerätes ein Arzt ein Gutachten erstellen, das drei Dinge bestätigt: Dass der Patient todkrank ist, dass er den Sterbewunsch bei vollem Bewusstsein äußert und dass er sich mit Alternativen zum Suizid beschäftigt hat.

Einen „assistierten Suizid bei einem voll zurechnungsfähigen Sterbewilligen“ nennt Kusch das. Er will, dass Todkranke nicht mehr zum Sterben in die Schweiz fahren müssen. Laut Schweizer Sterbehilfe-Organisation Dignitas sollen es im Jahr 2006 etwa 120 Sterbewillige gewesen sein. In der Schweiz ist es nicht verboten, Sterbewilligen beim Freitod zu helfen.

Aufregung und Diskussionen, wie weit Hilfe beim Sterben gehen darf, gibt es auch in anderen europäischen Ländern – meist ausgelöst durch spektakuläre Fälle, wie der von einem Krebsgeschwür entstellten Chantal Sébire in Frankreich. Die 52-Jährige wollte nur noch „würdevoll sterben“. Selbstmord lehnte sie ab. Da in Frankreich aktive Sterbehilfe verboten ist, untersagte ein Gericht einem Arzt, ihr eine tödliche Medikamentendosis zu verabreichen. Zwei Tage später war Sébire tot. Ob sie sich selbst mit Medikamenten das Leben nahm oder Hilfe bekam, blieb unklar.

Als erstes europäisches Land hatten die Niederlande 2002 erlaubt, dass Ärzte unheilbar Kranken beim Sterben helfen dürfen. Nicht verwunderlich ist ein Verbot von Sterbehilfe im katholischen Italien. In Spanien und in Polen können Sterbehelfer trotz eines generellen Sterbehilfeverbotes auf ein milderes Urteil hoffen, wenn der Helfer sich vom Mitleid leiten ließ. Nach deutschem Recht wird „Tötung auf Verlangen“ mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Straflos ist Beihilfe zum Suizid.

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