Forstmarkt: Land bedrängt Private

Ein Harvester im Einsatz. Foto: Archiv
Ein Harvester im Einsatz. Foto: Archiv

Staatlicher Auftragsklau im Wald: Im Streit um den Einstieg der landeseigenen Forstanstalt ins Holzgeschäft blieb der gestrige Forstgipfel in Schwerin ohne greifbares Ergebnis. Das Land rückte nicht vom Kauf millionenteurer Forsttechnik ab, die den zuvor mit Steuergeldern geförderten privaten Lohnunternehmen die Arbeit wegnehmen. Den Unternehmen bleibt indes keine Wahl: Sie haben bereits Mitarbeiter entlassen und müssen ihre Maschinen stilllegen.

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01. August 2008, 08:56 Uhr

Schwerin - Talfahrt in Mecklenburg-Vorpommerns Wädern: Millionen haben die 120 Forstunternehmen mit ihren 500 Beschäftigten mit öffentlicher Finanzhilfe in neue Holzernte- und Rückemaschinen gesteckt. Umsonst: Immer mehr private Dienstleister müssen durch die massive Krise am Holzmarkt ihre Maschinen abstellen. 80 Prozent der Technik steht bereits, sagte Dirk Reishaus, Landeschef der Arbeitsgemeinschaft forstlicher Lohnunternehmen. Daran wird sich wohl auch nichts ändern.

Das Land bleibt hart Trotz des in den vergangenen Jahren mit Millionen-Aufwand unterstützten Aufbaus einer privaten Technikflotte wird die Forstanstalt eigene Kapazitäten aufbauen und so den Privaten das Geschäft streitig machen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) beharrte trotz der Kritik am Kurs seines Hauses auch gestern beim Spitzentreffen mit der Wirtschaft auf dem unternehmerischen Konzept der Forstanstalt. „Die Forstanstalt muss unternehmerisch wirtschaften und soll bis 2010 eine schwarze Null schreiben“, begründete der Ressortchef im Anschluss an den ansonsten ergebnislosen Forstgipfel und wehrte Kritik ab: Die Forstanstalt werde die 2007 an Privatunternehmen vergebenen Leistungen im Wert von acht Millionen Euro erhöhen, sicherte er zu. Insider rechnen aber damit, dass trotz der in Aussicht gestellten höheren Aufträge beim Einschlag durch den Rückgang bei der Holzrückung unterm Strich weniger Aufträge übrigbleiben werden.

Der Kurs des Landes kommt dem Steuerzahler teuer zu stehen. Zwar wollen Land und Wirtschaft den Kapazitätsbedarf an Holzeinschlags- und Rückekapazitäten prüfen, verständigte man sich gestern. Fachleute gehen aber schon jetzt davon aus, dass mit öffentlicher Finanzhilfe Überkapaziäten aufgebaut worden sind, die jetzt voraussichtlich stillgelegt werden müssen.

Die FDP warnt indes, „den Förderwahnsinn weiter zu betreiben.“ Der Staat habe „nicht in Konkurrenz zu privaten Unternehmen zu treten“, kritisierte die Vize-Chefin der FDP-Landtagsfraktion, Sigrun Reese gestern. „Der Staat ist kein Unternehmer.“

Die Übernahme von Aufträgen in Privatwäldern hatte bei den Lohnunternehmen für deutliche Kritik gesorgt. Die Landesforst war dabei mit Preisen am Markt aufgetreten, mit denen Private nicht mehr mithalten konnten. Backhaus schloss auch gestern nicht aus, dass sich die landeseigenen Förster weiter um private Aufträge bewerben, „zu kostendeckenden, nicht aber zu Dumpingpreisen“.

Indes hat das Land wie die Lohnunternehmer auch die IHK Schwerin abblitzen lassen, die zuvor bei Backhaus gegen die Praxis der Forstanstalt interveniert hatte. Backhaus ließ mitteilen, dass die Anstalt ökonomischen Zwängen ausgesetzt sei. Dennoch habe das Land „kein Recht in den privaten Markt einzugreifen“, kritisierte Siegbert Eisenach und forderte Landtag und Landesrechnungshof auf, das Verfahren unter die Lupe zu nehmen. „Es ist ein Stück aus dem Tollhaus, wenn vorher private Lohnunternehmen mit Fördermitteln unterstützt wurden und später nochmals mit öffentlichen Mitteln Maschinen gekauft werden und die Privaten Konkurrenz gemacht wird“, so Eisenach.


Hintergrundinfo



Bundesweit sind 3000 forstliche Lohnunternehmen im Wald unterwegs. Weit über die Hälfte aller Arbeiten im deutschen Wald werden heute von ihnen ausgeführt. Jährlich investiert die Branche schätzungsweise 55 Millionen Euro in Technik. Insgesamt erwirtschaften die Unternehmen einen Umsatz von 350 Millionen Euro (ohne Holzhandel).
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