Forscher ergründen Machtzentrum Horst

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12. Juli 2010, 09:34 Uhr

Seddin | Die Prignitz könnte bereits vor rund 3000 Jahren ein bedeutender Herrschaftssitz gewesen sein: Archäologen sind in der Region jenem Fürsten auf der Spur, für den das bedeutende Königsgrab von Seddin errichtet wurde. In wenigen Wochen will das Landesamt für Denkmalpflege an der Schwedenschanze bei Horst eine weitere archäologische Grabung vornehmen lassen. Die Fachleute gehen von einem sehr engen Zusammenhang zwischen dem Königsgrab bei Seddin und dieser nur einige Kilometer entfernten Befestigungsanlage aus, deren Entstehen die Archäologen ebenfalls in die frühe Bronzezeit datieren.

Regionalarchäologe Jens May, beim Landesamt zuständig für die Prignitz, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, weshalb der Fokus der Forschungen sich jetzt verstärkt auf das Areal nahe dem Prignitzdorf richtet. "Wir gehen nach den intensiven Forschungen der letzten zehn Jahre am und zum Königsgrab von einem engen Zusammenhang zwischen der Begräbnisstätte bei Seddin und der Horster Schwedenschanze, wie sie genannt wird, aus. Es handelt sich um einen engen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang."

Bekannt ist May zufolge aus bisherigen Forschungen, dass die Befestigungsanlagen bei Horst etwa aus dem 10. Jahrhundert vor Christi stammen und damit etwas älter sind als das Königsgrab. Die neuen Grabungen werden weitere Belege erbringen, "dass unser theoretischer Ansatz richtig ist, nachdem bei Horst jener Herrscher seinen Sitz und damit seinen Lebensraum hatte, für den 800 vor Christi ein so herausragendes Grab errichtet wurde", ist May überzeugt. Er spricht von einer brisanten archäologischen Fragestellung, die zu klären ist.

Die Geländeforschungen am Seddiner Königsgrab selbst konnten nach intensiven Arbeiten im letzten Jahrzehnt nun abgeschlossen werden. Unstrittig ist laut May, dass es sich bei der Begräbnisstätte um "das bedeutendste Grabmonument in der norddeutschen Tiefebene aus dem 9. Jahrhundert vor Christi handelt. In Brandenburg ist das Grab ein archäologischer Leuchtturm". Das Königsgrab könne man aber erst richtig würdigen, wenn das gesamte kulturelle Umfeld erforscht sei.

Laut May muss man davon ausgehen, dass die Herren von Seddin bzw. Horst fürstliche, wirtschaftliche und sakrale Macht hatten. Nach Meinung der Fachleute hat sich diese Machtfülle aus der idealen Lage des Horster Gebietes ergeben. Es sei die Lange am Wasser, darin seien sich die Archäologen einig, sagt May. Über Elbe, Stepenitz und schließlich über die Dömnitz wurde Handel getrieben, gelangten auch Güter von sehr weit her in den Seddiner Raum und noch weiter ins Hinterland. 2009 haben May und sein Kollege Thomas Hauptmann im Selbstversuch mit einem Kanu die Strecke von der Elbe die Stepenitz aufwärts genommen. Das hat die Experten in der Überzeugung bestärkt, dass es an den Uferbereichen Rastplätze geben müsse: eine Aufgabe für weitere Forschungen.

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