Förderstreit im Wald

Waldarbeit im klimatisierten Cockpit: Landesweit erledigen moderne Harvester den Holzeinschlag. Foto: Wolfried Pätzold
Waldarbeit im klimatisierten Cockpit: Landesweit erledigen moderne Harvester den Holzeinschlag. Foto: Wolfried Pätzold

Der Förderirrsinn in MV geht weiter: Erst unterstützte das Land mit staatlichen Zuschüssen von fast 50 Prozent den Kauf von modernen Holzerntemaschinen in den 120 privaten forstlichen Lohnunternehmen im Land. Jetzt steigt die landeseigene Forstanstalt selbst ins Geschäft ein, kauft ausgerechnet bei der derzeitigen Marktflaute für Millionen neue Maschinen und macht den Lohnunternehmen in Privatwäldern die Aufträge streitig. Die ersten subventionierten Maschinen stehen bereits still, die Mitarbeiter sind entlassen.

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17. Juli 2008, 07:56 Uhr

Schwerin - Aufruhr im Wald: Franz Meschede hat die Worte von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) noch im Ohr, der die „Zusammenarbeit aller Akteure der Wertschöpfungskette Forst und Holz“ gepriesen hatte, um ungenutzte Rohstoffpotenziale besser nutzen zu können. Moderne Holzerntemaschinen hat er gekauft, Rückezüge dazu und neun Beschäftigte eingestellt, erzählt der Unternehmer aus dem kleinen Ort Sorgenlos im Müritzkreis. Millionen hat Meschede in neue Technik investiert und dafür sogar staatliche Zuschüsse von 49 Prozent erhalten. Umsonst.

Jede zweite Forstmaschine steht schon still
Jetzt stehen die mit Steuergeldern subventionierten wie die anderen Holzerntemaschinen auf dem Hof. „Kein Absatz, keine Arbeit – der Markt ist tot“, meint der Unternehmer. Und die neun Mitarbeiter sind auch schon entlassen. Die Immobilienkrise in den USA habe den Absatz für die auf den Export ausgerichtete Verarbeitungsindustrie und die Preise rapide sinken lassen, erklärte Dirk Reishaus, Landeschef der Arbeitsgemeinschaft forstwirtschaftlicher Lohnunternehmer in MV.

Schätzungsweise 500 Beschäftigte zählte die Branche. Doch jetzt geht ihnen die Arbeit aus. Nach dem Boom vor eineinhalb Jahren hätten die Preise 30 Prozent verloren. „Seit 2008 geht es rapide bergab“, beobachtet Reishaus. Vor allem private Waldbesitzer setzten den Einschlag auf ihren Flächen aus. Mit fatalen Folgen: 50 Prozent der Maschinen der Verbandsfirmen stehen schon still, mit 80 Prozent ist zu rechnen, erwartet Reishaus. Die ersten Entlassungen seien ausgesprochen.

Ausgerechnet in dieser Notlage macht die Landesforst den gebeutelten privaten Lohnunternehmen auch noch die Aufträge streitig. Inzwischen trete die Landesforst „auf dem freien Markt mit demselben Angebot auf, das auch privatrechtlich forstwirtschaftliche Dienstleistungsunternehmen vorhalten und das schlechthin die Grundlage ihrer Existenz ausmacht“, kritisiert die Industrie- und Handelskammer Schwerin in Schreiben an Landwirtschaftsminister Backhaus und Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU). In Konkurrenz zu den privaten Unternehmen würden eigene Kapazitäten aufgebaut. Gerade hat die Landesforst den Kauf neuer Forsttechnik im Wert von 1,5 Millionen Euro ausgeschrieben. Und nun beteilige sich die Anstalt auch noch an Ausschreibungen im Privatwald, so Reishaus. Es könne doch nicht angehen, dass einerseits die Wirtschaft gefördert werde und andererseits die Landesforstverwaltung den Privaten Konkurrenz mache, so Meschede.

Mit Preisen des Landes können

Private nicht mithaltenDie Existenznot der Unternehmer lässt das Land kalt. Es gehe nicht darum, eigene Kapazitäten aufzubauen, um in Konkurrenz zu den Forstdienstleistern zu treten, verteidigt Backhaus-Sprecher Kay Schmekel den millionenschweren Maschinenkauf. Vielmehr solle damit verschliessene Technik ersetzt werden. Das seien Ersatzbeschaffungen für das Personal, das abgebaut wurde und werde, meinte auch Sven Blomeyer, Vorstand der Landesforstanstalt, gestern. Insgesamt sollen neun Maschinengespanne angeschafft werden, damit „die Anstalt wirtschaftlich erfolgreich agieren“ könne. Es sei „wirtschaftlich vernünftiger, die Aufgaben selbst zu erledigen“, statt sie privaten Dienstleistern zu übertragen, so Blomeyer. Das wundert kaum: So trete die Forstanstalt mit Preisen auf, mit denen Private kaum mithalten könnten, meinte Reishaus.

So seien Kosten z. B. für die Versicherungen der Maschinen nicht in den Kalkulationen enthalten. Blomeyer bestätigte den Kostenvorteil und verteidigte die Annahme von privaten Aufträgen. Die Tätigkeit als Dienstleister sei in der Satzung der Forstanstalt geregelt. Außerdem trete die Verwaltung defensiv auf und nehme entsprechende Aufträge nur an, wenn private Waldbesitzer die Forstverwaltung dazu auffordern würden. „Wir treten nicht von uns aus in Konkurrenz zu den Lohnunternehmen.“ Die Forstanstalt habe gerade mal Aufträge von 160 000 Euro entgegengenommen, aber selbst welche im Wert von acht Millionen Euro jährlich erteilt, wies auch Schmekel Kritik zurück.

Lohnunternehmer Meschede hilft der Verteidigungskurs des Landes nicht weiter: „Das schmerzt, wenn unsere Maschinen auf dem Hof stehen müssen und die Landesforst so tut, als wenn nichts wäre.“

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