Flutung der Havelpolder geregelt

Fast sechs Jahre sind seit dem Elbehochwasser 2002 verstrichen. Aber erst gestern unterzeichneten die Umweltminister von vier Bundesländern einen Staatsvertrag, der im Katastrophenfall die Flutung der Havelpolder an der Wehrgruppe Quitzöbel reguliert.

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07. März 2008, 09:15 Uhr

Potsdam/Quitzöbel - Wenn bei kommenden Hochwasserlagen an der Elbe jeder Zentimeter Anstieg sorgenvoll registriert wird, der Hochwasserscheitel sich in katastrophale Bereiche bewegt, dann ist die Zeit, eine Schutzanlage in Betrieb zu nehmen, die für kurze Zeit die Elbe um 30 bis 40 Zentimeter senken kann. Die Schutzanlage ist die Wehrgruppe Quitzöbel/Neuwerben.

In den 30er Jahren ist die wasserbau- und ingenieurtechnisch durchdachte Anlage gebaut worden, um im Bedarfsfall Elbwasser in die Havelniederungen und die angelegten Polder (Auffangflächen) zu leiten. Erst beim Elbe-Hochwasser 2002 bestand sie ihre Bewährungsprobe, war die Entlastungsaktion zum ersten Mal überhaupt in Gang gesetzt worden und bewahrte die Orte unterhalb Quitzöbels vor einigen, vielleicht entscheidenden Zentimetern.

Die Entscheidung damals, im August 2002, die Havel und die Polder zu fluten, war nicht leicht gewesen. Zwei der Wehre werden vom Bund verwaltet, die Polder, die, teilweise bewirtschaftet und bebaut, unter Wasser gesetzt wurden, liegen in Brandenburg (7000 Hektar) und Sachsen-Anhalt (2800 Hektar). Schon in der Auswertung des Hochwassers 2002 begannen die Gespräche, ein länderübergreifendes Regime für solche Katastrophenlagen, über Entscheidungskriterien und Entschädigungen, zu schaffen. Beteiligt dabei auch die Länder Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, die zwar keine Anteile am Wehrsystem und den Havelpoldern, aber am Nutzen derartiger Aktion haben. Insgesamt sind in den vier Elbanliegerländern rund 95 000 Einwohner und 168 000 Hektar Land gefährdet.

Nach gut fünfjährigen Verhandlungen war es gestern soweit: Zur feierlichen Unterzeichnung des „Staatsvertrages über die Flutung der Havelpolder und die Einrichtung einer gemeinsamen Schiedsstelle“ trafen sich gestern die Umweltminister von Brandenburg, Dr. Dietmar Woidke, Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, Sachsen-Anhalt, Petra Wernicke, und Niedersachsen, Hans-Heinrich Sander in der Potsdamer Staatskanzlei. Dietmar Woidke würdigte den Vertrag als Beispiel gemeinsamen Denkens über die Ländergrenzen hinweg, in dem eben auch festgelegt wurde, dass eine Koordinierungsstelle aus den betroffenen Ländern und des Bundes in Sachsen-Anhalt eingerichtet wird.

Bei Hochwassergefahr (nach Vorhersage eines Pegels von 680 cm am Pegel Wittenberge) nimmt sie ihre operative Arbeit auf. Folgekosten, die durch die Flutung verursacht werden, ermitteln die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt einvernehmlich. Entschädigungen der Betroffenen seien von den Anliegerländern zu etwa 15 Prozent von Mecklenburg-Vorpommern, 18 Prozent von Sachsen-Anhalt, 23 Prozent von Brandenburg und 44 Prozent von Niedersachsen aufzubringen.

Till Backhaus aus Schwerin bezeichnete den Vertrag als unverzichtbar. Rund 14 000 Einwohner seien an der Elbe in Mecklenburg gefährdet. Er betonte allerdings auch, dass dieser Vertrag nur dadurch notwendig geworden ist, weil der Bund seine Verpflichtung, das gleiche Recht auf Sicherheit für alle Einwohner an der Elbe zu gewährleisten, nicht wahrgenommen hat.

Die Kosten für Brandenburg lagen bei der Polderflutung 2002 bei rund elf Millionen Euro, von denen der Bund zehn Millionen übernommen hatte. Sachsen-Anhalt hatte etwa vier Millionen Euro Kosten zu begleichen.

Im Bedarfsfall und bei niedrigem Wasserstand der Havel können die Polder auf den insgesamt 9800 Hektar etwa 109 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Weitere 130 Millionen Kubikmeter kann der Flusslauf Havel aufnehmen. Studien ergeben eine mögliche Scheitelkappung von 30 bis 40 Zentimetern.

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