Flugzeugkatastrophe auf Flughafen in Madrid

Die Zahl der Todesopfer nach der Flugzeugkatastrophe auf dem Madrider Flughafen ist auf 153 gestiegen. Wie die Madrider Regionalregierung mitteilte, wurde 20 weitere Menschen schwer verletzt. Die Unglücksmaschine der Fluggesellschaft Spanair war unmittelbar nach dem Start zerschellt. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dem spanischen Ministerpräsidenten José Zapatero ihr Beileid aus. Sie sei schockiert vom Ausmaß der Katastrophe.

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20. August 2008, 11:39 Uhr

Madrid - Der Flug auf die Urlaubsinsel Gran Canaria wurde zur Katastrophe: 153 Menschen starben am Mittwoch auf dem Madrider Flughafen Barajas in einer brennenden Maschine, die unmittelbar nach dem Start zerschellt war. Wie die Madrider Regionalregierung am Abend mitteilte, seien zudem 20 Menschen schwer verletzt worden. Ein Sprecher sagte, in der Unglücksmaschine seien 171 Insassen gewesen. Die Fluggesellschaft Spanair hatte zuvor von 173 Menschen an Bord gesprochen.

Das Flugzeug vom Typ McDonnell Douglas MD-82 der spanischen Gesellschaft Spanair war beim Start über die Landebahn hinausgeschossen, zerschellt und in Brand geraten. Nach Medienberichten hatte ein Triebwerk Feuer gefangen.

Möglicherweise waren auch vier Fluggäste aus Deutschland an Bord. Die Lufthansa teilte am Abend in Frankfurt unter Vorbehalt mit, dass insgesamt sieben Passagiere mit Lufthansa-Ticket für den Gemeinschaftsflug des Airline-Bündnisses Star Alliance eingecheckt hatten. Vier davon stammen aus Deutschland. Ob sich diese Fluggäste tatsächlich an Bord des Gemeinschaftsfluges befanden, stehe noch nicht fest. Die Passagierlisten für den Spanair-Flug mit den Flugnummern JK 5022 und LH 2554 seien noch nicht von den spanischen Behörden freigegeben. Die Lufthansa ging davon aus, dass dies am Mittwochabend auch nicht mehr geschehen sollte.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin nahm die deutsche Botschaft in Madrid Kontakt zu Spanair auf, um näheren Aufschluss zu bekommen; zwei Botschaftsangehörige fuhren zum Flughafen. Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben ein Team psychologisch geschulter Fachleute nach Madrid gesandt, um Spanair bei der Betreuung der betroffenen Fluggäste und deren Angehörigen zu unterstützen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach dem spanischen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero ihr Beileid aus. Sie sei schockiert vom Ausmaß der Katastrophe und der Zahl der Toten und Verletzten und nehme Anteil am Leid der Familien, die ihre Angehörigen verloren hätten, sagte Merkel nach Angaben des stellvertretenden Regierungssprechers Thomas Steg.
Laut Flugplan sollte die Spanair-Maschine um 13.00 Uhr vom Großflughafen Barajas der spanischen Hauptstadt nach Gran Canaria abheben. Wie die Zeitung „El País“ berichtete, wurde der Start wegen technischer Probleme aufgeschoben. Gegen 14.45 Uhr raste die Maschine dann über die Landebahn hinaus und ging in Flammen auf.

Der Flughafen wurde sofort für den gesamten Verkehr gesperrt. Wenig später wurden die Starts und Landungen in eingeschränktem Umfang wieder aufgenommen. Die Einsatzleitung rief die höchste Alarmstufe aus. Um den Einsatz zu koordinieren, trat ein Krisenstab zusammen. Dutzende Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge rasten mit Blaulicht und Sirenengeheul zum Unglücksort, zahlreiche Hubschrauber kreisten mit großen Löschbehältern über der Unglücksstelle. Eine riesige Rauchsäule war kilometerweit zu sehen. Beide Flugschreiber wurden bereits gefunden.
Die Unglücksmaschine war beim Start kaum vom Boden abgehoben und hinter der Startbahn auf einer Wiese in einer Senke zerschellt. Experten vermuteten, ein Triebwerk könne beim Start in Brand geraten sein, als das Flugzeug den „Point of no return“ überschritten habe. Die Maschine habe möglicherweise eine solche Geschwindigkeit erreicht gehabt, dass der Pilot den Start nicht mehr abbrechen konnte.

Helfer der Rettungsdienste berichteten, das Flugzeug sei in mehrere Teile zerbrochen. „Es ist ein Wunder, dass überhaupt jemand überlebte“, sagte ein Augenzeuge. Ein Helfer berichtete: „Das Wrack war total verkohlt und voller Leichen. Da sah nichts mehr wie ein Flugzeug aus.“
Die meisten der verletzt aus dem brennenden Flugzeug geretteten Passagiere befanden sich in kritischem Zustand. Viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen und wurden in eine nahe gelegene Klinik mit Spezialabteilung gebracht. Unter den 171 Insassen der zweistrahligen Maschine waren neun Besatzungsmitglieder. Nach der Passagierliste sollen auch zwei Babys an Bord gewesen sein.

Die Krankenhäuser in Madrid wurden sofort nach dem Unfall aufgefordert, Betten zur Verfügung zu stellen. Einige Hospitäler entließen daraufhin Patienten mit leichteren Erkrankungen, um Platz zu schaffen. Der spanische Ministerpräsident Zapatero unterbrach seinen Urlaub und flog nach Madrid zurück.

Die Fluggesellschaft Spanair, die in der Star Alliance unter anderem Partner der Lufthansa ist, befindet sich seit geraumer Zeit in schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Die skandinavische Muttergesellschaft SAS hatte vergeblich versucht, einen Käufer für das kränkelnde Unternehmen zu finden. Zur Zeit ist Spanair dabei, fast ein Drittel der Beschäftigten zu entlassen und das Streckennetz zu reduzieren. Das am Mittwoch verunglückte Flugzeug war nach Spanair-Angaben 15 Jahre alt. Das Flugzeug habe die jährlich vorgeschriebene Inspektion im Januar durchlaufen.

An dem Madrider Flughafen - dem größten des Landes - hatte es zuletzt vor knapp 25 Jahren zwei schwere Flugzeugkatastrophen gegeben. Am 27. November 1983 war ein Jumbojet der kolumbianischen Linie Avianca beim Landeanflug abgestürzt, 181 Menschen starben. Nicht einmal zwei Wochen später prallten auf der Startbahn des Airports eine Iberia- und eine Aviaco-Maschine im Nebel zusammen. 93 Menschen kamen ums Leben. (Telefonhotline der Spanair für Angehörige: 0034 800 400 200)

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