Flughafenpläne im Antragsstau

Die Millioneninvestitionen in den Industriepark am Flughafen Parchim gerät erneut ins Stocken: Der ursprünglich schon für August angekündigte Baustart verzögert sich voraussichtlich bis 2009. Der Grund: Eines der wichtigsten Investitionsprojekte steckt nach Aussagen des Investors im Genehmigungsstau.

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25. November 2008, 07:59 Uhr

Schwerin | Einen "Paukenschlag für Parchim" hatten das chinesische Logistikunternehmen Link Global und das internationale Industrie-Immobilienunternehmen Goodman noch zur Jahresmitte angekündigt. "Spätestens im August" sollten die ersten Bagger rollen, hieß es. Doch auch fünf Monate danach stehen die Baumaschinen still. "Die administrativen Prozesse dauern länger als erwartet", kritisierte Goodman-Deutschland-Chef Werner Knan gestern die langen Verwaltungsverfahren. So habe sich einerseits der Grundbucheintrag verzögert. Nun müssten noch die Baugenehmigung sowie die Anträge auf Investitionsförderung bearbeitet werden. Man sei von einem durchschnittlichen Genehmigungszeitraum ausgegangen. "In Mecklenburg-Vorpommern dauert es etwas länger", sagte Knan. Auch gebe es bei den Investoren u. a. aus China größeren Abstimmungsbedarf als angenommen.

Der Landkreis Parchim wies die Kritik gestern zurück. Sofern die Bauanträge vollständig vorliegen, würden sie sofort bearbeitet, erklärte Kreissprecher Peter Müller. Allerdings beunruhige den Kreis der verzögerte Investitionsbeginn auch nicht. Beim Land hieß es: Bislang liege von der Goodman-Group gar kein Förderantrag vor, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

Finanzkrise mahnt Investoren zur VorsichtDas Vorhaben sei kein Stand ard-Vorhaben, verteidigte Knan den erneuten Bauverzug. "Das ist ein irres Projekt. Das passiert nur einmal in Europa." Solange keine Genehmigungen vorliegen würden, könne der erste Spatenstich nicht erfolgen. Sowohl Goodman als auch die Link Global-Gruppe des chinesischen Investors Jonathan Pang "stehen zu dem Projekt", sagte Knan. Es bleibe dabei, dass bis 2009 Fabrikgebäude für Unternehmen der Hightech-, Elektronik- und Bekleidungsbranche sowie logistische Dienstleister errichtet würden. Nach Abschluss des Genehmigungsverfahrens solle "so schnell wie möglich" mit den Ausschreibungen und dem Bau begonnen werden. Auf einen Zeitpunkt wollte sich Knan nicht mehr festlegen. Im ersten von drei Projektabschnitten sind Investitionen im dreistelligen Millionenbereich geplant.

Inzwischen scheint Parchim Opfer der weltweiten Finanzkrise zu werden. Die Investoren seien vorsichtiger geworden, meinte Knan. "Vorher haben sie uns das Projekt aus der Hand gerissen, jetzt müssen wir es verkaufen." Das Interesse an einer Ansiedlung in Parchim sei aber ungebrochen. "An Kunden fehlt es nicht." Namhafte Firmen in der Welt hätten erkannt, dass die Pläne in Parchim "keine Luftnummer sind, wie in der Vergangenheit". Allerdings erfolge die Risikoanalyse der Investoren derzeit genauer als in der Vergangenheit.

Nach bisher zwei gescheiterten Investitionsversuchen war der Flughafen Parchim inklusive hunderter Hektar Gewerbefläche 2007 an Pang privatisiert worden. Vom fälligen Kaufpreis von 30 Millionen Euro wurden bislang aber erst 13 Millionen Euro - und das auch erst mit monatelanger Verspätung - bezahlt.

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