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Flughafen-Investor spendiert China-Reise

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erstellt am 20.Mai.2010 | 08:46 Uhr

Ludwigslust/parchim | Nach der Entscheidung, der Landtag solle über den künftigen Kreissitz entscheiden, geht Ludwigslusts Konkurrent Parchim in die Offensive. Schnell hatten Landtagsabgeordnete ein Schreiben im Posteingangsfach, mit dem sie zu einem Kurztrip zur World Expo und der High Tech Zone Nanjing ins chinesische Shanghai eingeladen werden. "Dank großzügiger Sponsoren aus dem Bereich der Wirtschaft in der Kreisstadt Parchim und dem Umland laden wir Sie dazu ein", heißt es in dem Brief, unterschrieben von Landrat Klaus-Jürgen Iredi und Parchims Bürgermeister Bernd Rolly. Der Chef der Parchimer Stadtverwaltung wehrt ab: "Als wir das Schreiben rausgeschickt haben, war noch gar nicht klar, dass der Landtag über den künftigen Kreissitz entscheiden wird", so Bernd Rolly, dem nach eigenen Worten spontan acht Firmen einfallen, die sich an dem Sponsoring beteiligen würden.

Essen und Austausch der Eindrücke

Auf der Rückseite der Einladung ist der Reiseablauf geschildert, gleich unter dem Briefkopf der Link Global Logistics Co. Ltd., deren Präsident der chinesische Investor Jonathan Pang ist, der den Flughafen Parchim betreiben will. Beschwerlichkeiten hätten die Abgeordneten ebenfalls nicht, denn die Assistentin der Geschäftsführung werde sich persönlich um die Reiseformalitäten kümmern. Neben ganztägigen Besichtigungen der High Tech Zone Nanjing und der World Expo hat man für die Abende jeweils gemeinsames Abendessen und die Auswertung der Tagesein drücke vorgesehen.
Die Einladung "ist wohl an alle Landtagsabgeordneten gegangen", räumt Parchims stellvertretender Landrat Günter Matschoß ein. Dass den Abgeordneten Reisekosten entstünden, davon ist in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, nicht die Rede. Sind auch nicht geplant, bestätigt Parchims stellvertretender Bürgermeister Detlev Hestermann. Ob die Reise stattfinde, darüber werde nach dem heutigen Tag entschieden, wenn die Anmeldefrist abläuft.
Kommunalpolitiker in Ludwigslust argwöhnen in dem Reiseangebot einen durchsichtigen Versuch, Einfluss auf die Vergabe des künftigen Kreissitzes zunehmen. Die Politikerin und Bürgermeisterkandidatin der Linken, Jacqueline Bernhardt, sagt, es könne ja wohl nicht sein, dass auf solche Weise um Stimmen geworben werden solle. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) an den die Einladung als CDU-Abgeordneter des Landtages gleichermaßen ging, wandte sich hingegen schon mit einem Schreiben an die Landtagspräsidentin, in dem er sein Befremden über dieses unsittliche Angebot äußerte. Der Kreis hat 63 Millionen Euro Schulden. "Die Einladung zu diesem Kurztrip hat einen bitteren Beigeschmack", so Linksfraktionschef Helmut Holter. "Ich warne davor, dass Abgeordnete solche Offerten annehmen und sich damit in eine Abhängigkeit begeben, sei es von einem Unternehmen oder einer Kommune."
Auch ganz andere Vermutungen schießen nämlich ins Kraut. Führt hier Dankbarkeit die Hand? Erst vor rund einer Woche hatte der Landkreis Parchim einen zweistelligen Millionenbetrag der Privatisierung des Parchimer Flughafens abgeschrieben. Vor drei Jahren war mit Pang eine Summe von 30 Millionen als Kaufpreis vereinbart worden. Nachdem das Flughafen-Areal mit Förder-Millionen des Landes saniert worden war. 12,25 Millionen des Kaufpreises hat der chinesische Investor erst bezahlt. Weitere fünf Millionen soll er auch nur noch, in fünf Jahresraten.
Bürgermeister Rolly sieht das anders. "Wir brauchen Unterstützung aus der Landespolitik für die äußere Erschließung des Flughafens, sprich die Straßenanbindung. Da geht es einfach nicht weiter." Vor diesem Lichte sei die Einladung kein unsittliches Angebot, sondern Gelegenheit zu Information und Gedankenaustausch.

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