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Umbau-Arbeiten an der Alten Ziegelei in Schwaan : Fledermäuse erhalten ein Zuhause

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Rund 170 Fledermäuse finden derzeit in der alten Ziegelei in Schwaan einen Unterschlupf. Jetzt soll umgebaut werden. Der Ringofen erhält weitere Hangstrukturen. Kosten: 90 000 Euro.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 10:10 Uhr

Fledermäuse lieben Winterquartiere mit kühl-feuchtem Klima. "Hier in dem Ringofen sind es schätzungsweise drei Grad Celsius", sagt Torsten Manthey von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rostock.

Er war einer der zuständigen Fachleute, die sich Dienstagnachmittag zur Bau-Anlaufberatung vor der Alten Ziegelei an der Niendorfer Chaussee trafen und das Herzstück, den Ringofen, erkundeten. In wenigen Tagen, wenn die letzten Tiere dieses Winterquartier verlassen haben, sollen die Umbau-Arbeiten an der Gebäuderuine zu einem Fledermausquartier beginnen.

Hintergrund: In dem extrem maroden Objekt finden seit mehreren Jahren im Winter Fledermäuse, darunter auch seltene Arten wie das Braune Langohr, einen Unterschlupf. Bürgermeister Mathias Schauer hatte den Umbau schon 2009 - als er noch Vorsitzender des Umweltausschusses war - auf die Agenda gehoben. Angesichts des kaputten Gebäudes scheint der Umbau nun in letzter Minute zu erfolgen. "Der komplette Überbau kommt weg", erklärt Antje Seebens, Projektkoordinatorin beim Naturschutzbund Mittleres Mecklenburg. Dazu zählen sowohl der Holzaufbau sowie die seitlich über den Ringofen hinausragende Decke mit Aufbauten und Stützlasten. Auch die auf dem Ringofen liegende Betondecke wird ausgebessert. Die Fachwerkstützen am südlichen Giebel verschwinden und der Schornstein kommt ebenfalls weg. "Belastetes Material wird komplett entsorgt", sagt Birgit Nehls, Bauamtsleiterin von Schwaan. Allerdings werde der hintere Teil, der einstige Kornspeicher-Anbau, stehen gelassen, fügt sie hinzu. Am Südende soll aus dem unbelasteten Material ein Ziegelbruch, der Rückzugsräume für Reptilien wie beispielsweise Schlangen bietet, angelegt werden. Zudem werde alles, was den Ringofen gefährde, instand gesetzt, beispielsweise ausgebrochene Ziegelbereiche repariert.

Im Ringofen finden die Fledermäuse im Winter Unterschlupf. "Wir hatten im vergangenen Winter 170 Fledermäuse gezählt, die wir gesehen haben, doch es sind wahrscheinlich noch mehr", sagt Dirk Seemann, Mitglied der Ortsgruppe Bützow des Naturschutzbundes und einer der beiden Objektbetreuer. Er geht wie die anderen durch den kühl-feuchten Ringofen und leuchtet mit Taschenlampen in die Befeuerungsöffnungen sowie Dehnungsfugen dieses massiven Bauwerkes. Dahin ziehen sich die kleinen Säugetiere zurück. In einer Befeuerungsöffnung entdeckt er schließlich eine Fransenfledermaus. "Man erkennt sie an ihrem Gesicht, ihren Ohren sowie an ihrer Größe und Färbung", sagt Seemann, als er in die Spalte leuchtet. Wenn die nachtaktiven Tiere in den Herbstmonaten in ihr Winterquartier zurück kehren, finden sie auch darin einige Veränderungen vor. "Es werden im Inneren die schadhaften Stellen ausgebessert", sagt Antje Seebens. Zudem werde weitere Hangstrukturen sowie Spalten geschaffen.

"Es wird ein Einflughäuschen vor den eigentlichen Einflug gesetzt, damit die Fledermäuse nicht durch andere Tiere wie Katzen gefährdet werden", erklärt sie. Abschließend erfolgt die Bepflanzung des Daches. "Das ganze wird dann wie ein Erdhügel aussehen", so Antje Seebens. Sie geht davon aus, dass die Maßnahme Ende Juni abgeschlossen ist und sich danach die Anzahl der Tiere weiter erhöht.

Die Maßnahme wird zu 100 Prozent gefördert, wobei 75 Prozent der Mittel von der EU und 25 vom Land stammen. Die Kosten belaufen sich auf 90 000 Euro.

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