Flatrate-Partys: Stadt strebt Vereinbarung mit Disko-Betreibern an

Alkoholmissbrauch ist gerade bei Jugendlichen ein wachsendes Problem (nachgestelltes Bild). Foto: Herbert Kewitz
Alkoholmissbrauch ist gerade bei Jugendlichen ein wachsendes Problem (nachgestelltes Bild). Foto: Herbert Kewitz

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04. Juli 2008, 07:36 Uhr

Noch in diesem Sommer will die Stadt eine freiwillige Vereinbarung mit Disko-Betreibern unterzeichnen. Das Ziel: Flatrate-Partys, bei denen die Gäste einmal bezahlen und den ganzen Abend frei trinken können, sollen aus der Landeshauptstadt verschwinden – und so vor allem junge Leute vor Alkoholmissbrauch geschützt werden.

Schwerin - Schwerins amtierendem OB Dr. Wolfram Friedersdorff ist es ernst: Schlagzeilen wie „Saufen bis zum Umfallen“ soll es aus der Landeshauptstadt nicht geben. „Wir streben eine freiwillige Vereinbarung mit Disko-Betreibern an, auf so genannte Flatrate-Partys zu verzichten“, sagt Friedersdorff.

Einmal bezahlen und den ganzen Abend frei trinken – alkoholische Getränke, das ist das Motto einer Flatrate-Party. Auch in Schwerin gab es dieses Party-Phänomen in der Vergangenheit – unter unterschiedlichen Slogans (wir berichteten). „Das Gaststätten-Gesetz gibt uns die Möglichkeit, solche Veranstaltungen zu untersagen, mit der geplanten Vereinbarung setzen wir aber zuerst auf die Freiwilligkeit“, erklärt Friedersdorff.

Vorbild für die angestrebte Übereinkunft zwischen der Stadt und den Disko-Betreibern ist eine Vereinbarung, die in Nürnberg abgeschlossen wurde. „Wir sind bereits mit vier bis fünf Betreibern im Gespräch“, berichtet Ordnungsamtsleiter Dietrich Stang. An der Übereinkunft beteiligt werden sollen auch die Polizei und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband.*

Voraussichtlich noch im Sommer soll das gemeinsame Papier unterzeichnet  werden.  „Wir hätten  dann  gute  Voraussetzungen, wenn im Winter-Halbjahr wieder der große Ansturm auf die Diskotheken beginnt“, betont Oberbürgermeister Friedersdorff, der auch schon über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus denkt: „Es wäre durchaus wünschenswert, wenn die Umlandkreise ähnliche Vereinbarungen mit ihren Disko-Betreibern abschließen.“ So könne eine Art Flatrate-Tourismus verhindert werden.

Die Chancen für den erfolgreichen Abschluss der Gespräche mit interessierten Disko-Betreibern in Schwerin stehen offenbar nicht schlecht: „Wir sind uns der Verantwortung für unsere Gäste bewusst“, sagt der Geschäftsführer des „Mambuu“, Uwe Böser. Auch „Achteck“-Chef Frank Porsch begrüßt nach eigenen Angaben die Idee einer freiwilligen Vereinbarung: „Es ist sehr lobenswert, dass sich die Kommune um eine einvernehmliche Regelung bemüht“, so Porsch.

Natürlich stehe der Stadt auch nach dem Abschluss einer freiwilligen Übereinkunft im Bedarfsfall das rechtliche Instrumentarium nach dem Gaststätten- und dem Jugendschutzgesetz zur Verfügung, daran lässt Wolfram Friedersdorff keinen Zweifel. Dass es manchmal gar nicht so einfach ist, eine Flatrate-Party zu erkennen, weiß die Leiterin des Kommunalen Ordnungs- und Sicherheitsdienstes, Gabriele Kaufmann, aus ihrer Kontrolltätigkeit: „Die Grenzen sind oft fließend.“

In Berlin starb im vergangenen Jahr ein 16-jähriger Gymnasiast an einer Alkoholvergiftung nach einer Flatrate-Party. Soweit darf es in Schwerin niemals kommen. Darin sind sich alle Beteiligten einig.

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