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Thomas Penkow aus Ludwigslust : Flaschen sind sein Faustpfand

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Das Geld reicht zum Monatsende oft hinten und vorn nicht bei Thomas Penkow aus Ludwigslust. Doch mit dem Wenigen auszukommen, was vorhanden ist, das ist der 62-jährige Frühinvalide gewohnt.

Das Geld reicht zum Monatsende oft hinten und vorn nicht bei Thomas Penkow aus Ludwigslust. Doch mit dem Wenigen auszukommen, was vorhanden ist, das ist der 62-jährige Frühinvalide aus der nördlichen Stadtregion gewohnt. Das Leben hat ihn zudem gelehrt, dass selbst das Sammeln von Pfandflaschen in seiner Heimatstadt zur Sicherung seines Lebensunterhalts förderlich ist. Ohne dieses Faustpfand müsste der Alleinstehende mit 600 Euro im Monat auskommen, Miete, Strom und GEZ noch nicht abgerechnet. Der Mietzuschuss federt dabei nur wenig ab.

Thomas Penkow hat - eigentlich unfassbar - als Sohn eines Zahnarzt-Ehepaares die Abgründe seiner sozialen Lebensschiene nie verlassen: Mit drei Jahren wurde er aus dem Familienbund herausgerissen, erzählt der Musikfreund gestern in seiner fußkalten Wohnstube. Seine leiblichen Eltern bringen ihn im Rostocker Michelshof unter. Diese Einrichtung dient der Pflege und Förderung von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Dort bleibt der dreijährige Thomas bis zum siebten Lebensjahr. Besuche seiner Eltern beschränken sich auf ein Minimum. Durfte er für eine Woche nach Hause, ist für das "schwarze Schaf" kein Platz am Mittagstisch. Er muss in seiner Kammer essen, darf nur zur Körperpflege den Wohnbereich durchqueren, berichtet Thomas Penkow, der wegen körperlicher Gebrechen als Frühinvalide amtlich zu 100 Prozent anerkannt ist.

Auch während seiner Schulzeit in den Samariteranstalten Fürstenwalde - auch dorthin hatten ihn seine Eltern gesteckt - hat er keine keine Kontakte zu den Geschwistern, erinnert er sich. Die lehnen selbst heute noch Besuche oder andere Kontakte mit ihrem Bruder ab, was Thomas Penkow durch eine schriftliche Antwort seiner Schwester Uta aus Berlin belegen kann.

Als einen Horroraufenthalt bezeichnet Penkow seine Zeit in den Samariteranstalten Fürstenwalde. Für mäßige und schlechte Noten hat es nicht enden wollende Prügel von Betreuern gesetzt, Intimsphäre hat es so gut wie keine gegeben, empfindet der damals jugendliche Penkow noch heute diese Zeitspanne von 1957 bis 1966. Diese Zeit in der diakonischen Stiftung hat sich bei ihm eingebrannt. Es will nun 45 Jahre später versuchen, diese an ihm verübte Gewalt öffentlich und nachweislich anzuprangern.

Der Leidensweg des Thomas Penkow erreicht mit dem Eintritt ins Arbeitsleben als zu betreuender Patient weitere Tiefen, erneut durch seine Eltern, insbesondere ausgehend von der Mutter, urteilt Penkow über den landwirtschaftlichen Arbeitseinsatz auf einem Betrieb nahe Schwaan. "Für 80 Pfennige die Stunde musste ich bis an meine körperlichen Grenzen schuften."

Dann hörte der junge Mann von einer Betreuungseinrichtung in Malliß und dass auch er dort im Spanplattenwerk arbeiten könne. Das war am 17. Februar 1967. Es soll eine erfüllende Tätigkeit für Penkow werden, die - wiederum durch seine Eltern angestrengt - im Jahre 1980 für wenige Monate unterbrochen wird. Nach einer Stippvisite auf der Obstplantage Dadow fasst der damals 31-Jährige allen Mut zusammen und verlässt Dadow wieder in Richtung Spanplattenwerk Malliß, nun jedoch als amtlich gesund geschriebene Person, ist den Ausführungen von Thomas Penkow zu entnehmen.

Mit der Frühinvalidität folgt der Umzug nach Ludwigslust in eine Mietswohnung. Die gewohnte Umgebung fehlt, der Familienanschluss zu seinen Schwestern sowieso, doch Thomas Penkow steckt den Kopf nicht in den Sand. Er feiert bescheiden Weihnachten, freut sich auf das neue Jahr 2012 und weiß, dass jede weggeworfene Pfandflasche in seinen Händen die eigenen finanziellen Möglichkeiten um einige Cent erweitern wird.

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erstellt am 29.Dez.2011 | 10:34 Uhr

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