Fiskus greift nach Rentnern - Steuernachforderungen für Tausende Rentner

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13. August 2008, 08:23 Uhr

Berlin/Schwerin - Zwar müssen nach Berechnungen des Finanzministeriums nur ein Viertel der 390 000 Rentner in MV überhaupt Steuern zahlen, aber die Steuergewerkschaft setzt dem entgegen, dass etwa ein Drittel der knapp 100 000 Betroffenen versäumt habe oder nicht wisse, dass es unter das seit 2005 geltende Alterseinkünftegesetz falle.

Bundesweit zahlen derzeit 3,4 Millionen der Rentnerhaushalte Steuern, zwei Millionen sind säumig. Jeder Dritte der 15 Millionen Rentenempfänger ist nach der neuen Steuerregelung steuerpflichtig, besagen Schätzungen.

„Wenn ein Rentner 20 000 Euro Altersbezüge im Jahr hat, musste er bis 2005 keine Steuern zahlen, jetzt sind es 360 Euro“, rechnet Dieter Ondracek, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft vor. „Wir fordern von der Politik eine Bagatellobergrenze von 500 Euro, damit diese Fälle nicht verfolgt werden.“

Ab 2. Januar 2009 wird es ernst: Dann nämlich sind alle Rententräger, Versicherer und Banken verpflichtet, über das Zulagenamt in Brandenburg die Alterseinkünfte jedes Einzelnen den Finanzämtern zu melden.

Doch: Renten von 20 000 Euro und mehr sind für Mecklenburg-Vorpommern oft illusorisch. Die durchschnittliche Rente beträgt derzeit im Osten real 1034 Euro, in den alten Ländern 1176. „Infolge der hohen Freibeträge werden drei Viertel aller Rentner auch künftig keine Steuern zahlen müssen“, hält Finanzministerin Sigrid Keler (SPD) entgegen.

Doch auch der Bund der Steuerzahler befürchtet für viele ein böses Erwachen. „Die Alterseinkünfte bestehen nicht allein aus der Rente“, macht der Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, aufmerksam, „hinzu kommen, Zinsen vonSparbüchern, Kapitalerträge, private Altersabsicherungen, Mieteinkünfte und, und, und.“ Rentenempfänger sollten überpüfen, ob sie steuerpflichtig sind, und die Steuererklärung nachreichen. So kann die eventuelle Einleitung eines Strafverfahrens verhindert werden.

Ursache der massenhaften Steuerschuld ist eine breitere Besteuerung der Alterseinkünfte seit 2005. Der zu versteuernde Teil der Rente wurde für Altrentner von 27 auf 50 Prozent erhöht, für Neurentner steigt er seit 2006 mit jedem Jahrgang um weitere zwei Punkte.

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