Firmensterben droht

Düstere Lage, aber die Handwerker im Landkreis Parchim  kämpfen (v.l.): Kreismeister Hans-Werrner Mrowiec, Nico Skiba, Wolfgang Mohr, Axel Pöcker, Karl-Heinz Bahr. Foto: Udo Mitzlaff
Düstere Lage, aber die Handwerker im Landkreis Parchim kämpfen (v.l.): Kreismeister Hans-Werrner Mrowiec, Nico Skiba, Wolfgang Mohr, Axel Pöcker, Karl-Heinz Bahr. Foto: Udo Mitzlaff

Steigende Energiekosten fressen schmale Gewinnmargen des Handwerks auf. Die Unternehmer wollen die höheren Kosten nicht an Kunden weiterreichen und fordern die Politik zum Handeln auf. Ihr Vorschlag: halbierter Mehrwertsteuersatz auf Handwerkerrechnungen.

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06. August 2008, 09:38 Uhr

Lübz/Parchim - Zwar aalen sich die meisten Politiker gerade im wohlverdienten Urlaub, dennoch dürfte der Weckruf der Kreishandwerkerschaft Westmecklenburg Süd ihre Ohren erreichen. Die Ansage von Kreishandwerksmeister Hans-Werner Mrowiec angesichts drastisch gestiegener Energiepreise könnte jedenfalls klarer nicht sein: „Die Politik muss jetzt handeln, bevor ein Firmensterben beginnt. Unsere Leute sagen uns: Es ist fünf nach zwölf. Ihr müsst was tun.“

Die Unternehmer fordern keine Subvention, wollen auch die erhöhten Kosten nicht an die Kunden weitergeben. Der stellvertretende Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Bahr hat einen anderen Vorschlag parat: „Eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen könnte der Schwarzarbeit entgegenwirken und würde den Betrieben mehr Aufträge bringen.“ Hilfreich wäre auch, bei der Fahndung nach Schwarzarbeitern private Firmen einzusetzen, wie bei Radarkontrollen an der Landstraße.

Aufschwung kam bei Handwerk nicht an
Zu schaffen macht besonders der Baubranche, dass die öffentliche Hand zu wenig investiert. Bahr: „Diese Aufträge braucht das Handwerk ganz dringend. Oft kommen sie nur zum Jahresende. Das müsste verstetigt werden hin zu ganzjährigen Umsätzen. Dann müssten wir unsere Mitarbeiter nicht im Winter beim Arbeitsamt anmelden. Ihre Löhne stärken schließlich die Kaufkraft in der Region.“

Die Maßnahmen seien nötig, denn: „Die gute konjunkterelle Entwicklung ist am Handwerk vorbeigegangen.“ Und: „Unsere Kunden werden immer weniger.“ Immer mehr kaufkräftige Bürger wanderten ab. Das bedeutet für die Baubranche weitere Wege, denn die Firmen fahren den Aufträgen hinterher – nach Hamburg und weiter, wobei die Benzinpreisfalle doppelt zuschlägt. Karl-Heinz Bahr: „Die zwei bis drei Prozent kalkulierten Gewinn frisst der Kraftstoff auf.“

Dabei leidet längst nicht nur die Baubranche an den sich verschlechternden Rahmenbedingungen. Bäckermeister Wolfgang Mohr schickt seine drei Verkaufswagen übers Land, der Backofen braucht Strom. Natürlich sucht er nach energiesparenden Alternativen, kurzfristig hilft das der Bilanz aber nicht. Solche Energiesparlösungen hat Nico Skiba, Prokurist der Heizungs-Sanitär- und Elektrofirma Jochmann. Dennoch zögern die Kunden, auch weil der Beratungsaufwand für die den Fördertöpfen gerecht werdenden Anlagen gigantisch sei.

Noch 20 freie Ausbildungsplätze
Nachdenklich macht die Handwerker ein weiterer Trend: Immer weniger Jugendliche bewerben sich in der Region, ein Fachkräftemangel zeichnet sich ab. Viele junge Leute wandern in die westlichen Bundesländer, besonders auch nach Hamburg ab. Birgit Ludwig, Geschäfstführerin der Kreishandwerkerschaft: „Wir haben aktuell 20 freie Lehrstellen. Wir raten Jugendlichen, sich an die Handwerksbetriebe oder an uns zu wenden.“
Auch wenn die Lage momentan schwierig ist, aus manch größeren Betriebe kleinere werden, möchten die Handwerker doch gerüstet sein, „wenn die Arbeit kommt“, wie Karl-Heinz Bahr sagt.

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