Firmen im Würgegriff der Spritpreise

Vielen mittelständischen Unternehmen machen die explodierenden Energiepreise zu schaffen. Der Unternehmerverband Rostock erwartet von der Bundespolitik Maßnahmen zum Stopp der Preisspirale. Zum Beispiel wird die Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent gefordert.

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10. Juni 2008, 08:57 Uhr

Rostock - Von Transport- und Logistikunternehmen, dem Einzelhandel bis hin zu den Reedern von Fahrgastschiffen auf der Warnow reicht die Palette der Firmen, die unter der Kostenexplosion zu leiden haben.

„Viele Unternehmen haben zum Beispiel langfristige Liefer- und Dienstleistungsverträge, die diese Energiepreisentwicklung nicht abfangen“, sagt Dr. Ulrich Seidel, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes Rostock und Umgebung. Eine Forderung des Verbandes an die Politik ist daher die Senkung der Mehrwertsteuer für alle Benzin- und Dieselpreise im Bereich der gewerblichen Transporte und der Personenbeförderung.

„Schnelle Hilfe gibt es wohl nicht. Bis der politische Druck Erfolge bringt, dauert es leider. Doch er ist nötig“, sagt Kristine Grünewald von der IHK Rostock.
Durch die Energiepreise ist auch der Einzelhandel belastet. „Auf Dauer lassen sich die gestiegenen Transportkosten nicht mehr kompensieren“, sagt Heinz Kopp vom Einzelhandelsverband. In kommenden Verträgen werden die zusätzlichen Kosten mitverhandelt werden müssen.

Durch weitere Streckenoptimierung versuchen Speditionen einen Teil der Belastungen abzufangen. „Dabei gibt es Grenzen, so dass wir unsere Kunden über die ansteigenden Transportpreise informieren mussten“, sagt Detlef Kempke, Geschäftsführer der Spedition Maass Logistik Rostock. Dabei setzt das Unternehmen auf den so genannten Diesel-Floater. Je nach Entwicklung der Kraftstoffpreise ist das ein Zu- oder Abschlag auf die Transportkosten. „Damit schaffen wir für unsere Kunden Transparenz“, so Kempke.

Treibstoff verbraucht ein Viertel des Budgets
Mehr als 25 Prozent macht Diesel an den Gesamtkosten des Unternehmens aus. Zwischen 65 000 und 75 000 Euro belaufen sich die monatlichen Tankkosten. „Allein von Januar bis Mai wurde für uns der Diesel um 17 Cent je Liter teurer. Selbst durch sparsamste Fahrweise ist das nicht aufzufangen“, so Kempke. Dennoch setzt der Spediteur auch hier an. Regelmäßig gibt es ein Fahrertraining durch einen Spezialisten: Wer spart, bekommt eine Prämie. „Besonders besorgniserregend ist, dass niemand vorhersagen kann, wann diese Preisschraube am Ende ist“, sagt Kempke.

„Die Entwicklung geht auch nicht an den großen Lebensmittel-Ketten vorbei, die über einen eigenen Fuhrpark verfügen“, so Kopp. Auch die Discounter werdem über kurz oder lang die Preise an die Endverbraucher weiterreichen müssen. Damit steigen auch die Lebensmittelpreise.

Problematisch ist die Situation für Taxi-Unternehmen. Sie können nicht einfach ihren Fahrpreis erhöhen. Das bedarf einer Genehmigung. Dienstleister die zu ihren Kunden müssen, kämpfen ebenfalls mit der wachsenden Belastung. Ähnlich sieht es bei der Fahrgastschifffahrt aus. „Wir können ja nicht alle Mehrkosten auf die Passagiere umlegen“, erklärt Olaf Schütt. Er ist Reeder der „Blauen Flotte“. Zurzeit sind auf Grund nur drei der vier Ausflugsdampfer im Einsatz. „Wenn wir unsere Schiffe betanken, kommen schnell 9000 Liter Diesel zusammen“, so Schütt.

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