Finales Fußball-Fieber in Deutschland: Größer, bunter, lauter

Deutsche und spanische Schlachtenbummler (rechts im Bild) posieren für Fotografen neben einem überdimensionalen Fußball in Wien. Foto: dpa
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Deutsche und spanische Schlachtenbummler (rechts im Bild) posieren für Fotografen neben einem überdimensionalen Fußball in Wien. Foto: dpa

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29. Juni 2008, 07:42 Uhr

Hamburg/Berlin - Noch größer, noch bunter, noch lauter: Die Deutschen fiebern kollektiv dem Anpfiff des Endspiels der Fußball-EM gegen Spanien in Wien entgegen. Bereits in den Morgenstunden zogen viele Fußball-Anhänger auf die Fan-Meilen in den Städten. Am Nachmittag herrschte mancherorts schon Volksfeststimmung. Neue Party-Zonen sind hinzugekommen, viele zum Finale noch einmal vergrößert worden.

Tausende deutsche Touristen feierten schon tagsüber bei bis zu 32 Grad an der Playa de Palma auf Mallorca. Bars und Kneipen, die Großbildleinwände aufgestellt hatten, waren auf einen Großansturm eingerichtet. Ob „Oberbayern“ oder „Bierkönig“ - wer noch einen guten Stehplatz findet, hat Glück.

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Kapitän dabei
Michael Ballack soll heute Abend im Finalspiel gegen Spanien auflaufen. Bundestrainer Joachim Löw stellte den Kapitän trotz einer Wadenblessur am Sonntag in Wien in die Startelf. Ballack hatte zuvor zwei Tage lang wegen muskulärer Probleme mit dem Training aussetzen müssen. Wieder in der ersten Mannschaft steht der Bremer Torsten Frings.



Public-Viewing-Rekorde erwartet

Die Veranstalter in Deutschland rechnen für den Final-Sonntag mit neuen Rekordzahlen beim Public Viewing. An den Großleinwänden werden etliche Millionen Menschen erwartet. TV-Experten gehen zudem von rund 30 Millionen Fans vor den Fernsehern zu Hause sowie in den Kneipen und Vereinsheimen aus. Die Kurve der kollektiven Erregung in der Bundesrepublik steigt von Stunde zu Stunde. Ob in den Ausflugsorten, beim Kirchgang, beim Frühschoppen oder bei den nachbarlichen Gesprächen - es gab quasi nur ein Thema „Wo guckst Du heute Abend?“ - und eine gemeinsame Hoffnung: „Wir gewinnen - mit oder ohne Ballack.“


Startelf
Die deutsche Aufstellung: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Frings, Hitzlsperger - Schweinsteiger, Ballack, Podolski - Klose


Bombe entschärft, Fußballabend gerettet

Doppelt erleichtert waren am Sonntag mehr als 7500 Menschen in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen: Zum einen, weil in ihrem Ort eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurde. Zum anderen, weil durch die erfolgreiche Aktion dem EM-Fernsehabend in der eigenen Wohnung nichts mehr im Wege stand. Am Morgen hatten sie ihre Wohnungen für die Entschärfung verlassen müssen. Gut zwei Stunden später hatte der Sprengmeister die amerikanische Fliegerbombe unschädlich gemacht. „Es lief alles reibungslos, der Fußballabend ist gerettet“, sagte eine Polizeisprecherin.

Ruhe und Zuversicht

Die Sicherheitskräfte in Deutschland sehen den Partys im allgemeinen mit Ruhe und Zuversicht entgegen. „Die jüngsten Erfahrungen beim EM-Halbfinale haben wieder gezeigt: Die große Mehrheit will keinen Krawall, sie will feiern“, hieß es. Dennoch werden in einigen Städten mehr Polizisten zur Sicherheitskontrolle eingesetzt als bei den EM-Spielen der deutschen Mannschaft in den vergangenen Wochen.

Die Polizei in Sachsen lenkte ihr Augenmerk verstärkt auf Rechtsextremisten. Beim EM-Halbfinale Deutschland gegen die Türkei waren einige deutsche Extremisten auf Türken losgegangen. In Leipzig und Dresden wurden die Fan-Areale abgesperrt. Am Einlass werden Taschen auf Feuerwerkskörper und Glasflaschen untersucht.

Auch in Wien haben sich Tausende Fans aus Deutschland und Spanien bereits am Sonntagmorgen in der Innenstadt versammelt, um sich auf das EM-Finale am Abend im Ernst-Happel-Stadion einzustimmen. „Alle sind friedlich, die Stimmung könnte nicht besser sein“, sagte EM- Sprecher Alexander Markatovits. Bis zum Abend wurden mindestens 40 000 deutsche Fans und etwa 15 000 Gäste aus Spanien in der Donaumetropole erwartet.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin stellten sich die Fans auf der größten Jubel-Meile bereits auf die nächste Party ein. Am Montag will die Nationalmannschaft mit den Berliner Fans feiern - möglichst mit dem EM-Pokal in der Hand, nachdem es vor zwei Jahren bei der Heim-WM „nur“ zum dritten Platz reichtE.

Teammanager Oliver Bierhoff hat erklärt, es sei der ausdrückliche Wunsch des Teams gewesen, in die Hauptstadt zu den Anhängern zu reisen. Seit der Fußball-WM 2006 sei Berlin wie ein Zuhause für die Spieler geworden. Damals hatten mehr als 1,5 Millionen Menschen zum WM-Abschluss eine Riesenparty am Brandenburger Tor gefeiert.

Der oberste DFB-Funktionär, Präsident Theo Zwanziger, lobte insgesamt den Enthusiasmus in Deutschland während der EM. Man sehe wie bei der WM im eigenen Land die unglaubliche Begeisterung für den Fußball „und was Fußball für die Gesellschaft leisten kann“. Zwanziger verwies auf die türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, „die nun nach dem Ausscheiden der türkischen Elf für Deutschland in den Fanmeilen stehen, das sind großartige Erlebnisse“.

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