Feuerzauber der Schlossfestspiele

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12. Juli 2010, 09:54 Uhr

Altstadt | Wenn es bei den Schweriner Schlossfestspielen knallt und stinkt und Feuerbälle auf dem Alten Garten und auf der Schlossinsel aufsteigen, hat Andreas Albrecht seine Hand im Spiel. Der Chef der Requisite des Mecklenburgischen Staatstheaters ist auch für die Spezialeffekte bei der diesjährigen Inszenierung "Die Macht des Schicksals" zuständig. Und da hat er eine Menge zu tun. Im dritten Akt, der Kriegsszene, explodieren zunächst auf der Schlossinsel weit entfernt vom Geschehen mehrere Kanonenschläge, dann folgen Einschläge im Wasser der Schlossbucht und schließlich nähert sich das Feuer dem Alten Garten. Im szenischen Raum gibt es Dutzende Explosionen, Feuerbälle steigen auf, eine Fahne fliegt durch die Luft.

"Ich muss bis aufs Gramm genau das Schwarzpulver abwiegen, sonst kann es lebensgefährlich werden", berichtet Andreas Albrecht. Für so genannte Standard-Explosionen gäbe es Erfahrungswerte, bei anderen Spezialeffekten, wie etwa der hochgeschleuderten Fahne oder den Feuerbällen, müsse experimentiert werden, erzählt der Requisitenmeister über die willkommene Abwechslung in seiner Arbeit. Eigentlich seien das die Aufgaben des Rüstmeisters, doch weil das Schweriner Theater sich aus Kostengründen keinen leiste, fallen die Spezialeffekte in seinen Zuständigkeitsbereich. "Mir gefällt diese zusätzliche Aufgabe besonders gut, ist es doch das, was sich jeder kleiner Junge wünscht: mal so richtig rumknallen", sagt Albrecht. Und Erfahrung habe er schon seit ein paar Jahren mit Pyrotechnik auf dem Alten Garten gesammelt, bei "Carmen" beispielsweise mit den Feuerrädern.

Für gefährlich hält Albrecht den Einsatz von Spezialeffekten eigentlich nicht, wenn alle die notwendige Vorsicht walten ließen. Dazu gehörten auch die Sicherheitsabstände. "Anfangs haben alle Respekt vor der Knallerei und halten Abstand. Wenn dann aber Routine einzieht, muss ich manchmal schon den einen oder anderen Statisten darauf hinweisen, dass wir es hier mit echtem Schwarzpulver zu tun haben", sagt der Experte, der sich daneben aber auch um die anderen Requisiten der Opernaufführung wie Gewehre, Fahnen, Kreuze, Fackeln und ähnliches kümmern muss. Als besonders problematisch habe sich in diesem Jahr allerdings erwiesen, dass die vielen Explosionen die an der Inszenierung beteiligten Pferde erschrecken. Gespannführer und Reiter hatten die Tiere zwar schon in der Probenphase langsam daran gewöhnt, müssen aber immer wieder auf sie beruhigend Einfluss nehmen.

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