Feuerwehrleute rasten in den Tod

Die Gemeinde Hohen Pritz steht unter Schock. Samstagabend starben bei einem Unfall auf der Straße nach Kukuk drei Männer aus Hohen Pritz. Alle gehörten der Freiwilligen Feuerwehr des Dorfes an und wurden durch ihre eigenen Kameraden tot aus dem Pkw geborgen. Für die Feuerwehrmänner war dies der bisher schlimmste Einsatz ihres Lebens.

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27. April 2008, 05:32 Uhr

Hohen Pritz - Sie hatten einen schönen Nachmittag beim Bikertreffen in Kukuk verbracht und sich dann kurz vor 18 Uhr gemeinsam in einem Pkw auf den Weg zurück nach Hause in Hohen Pritz gemacht.
Einen Augenblick lang fuhr der Wagen vier Bikern hinterher. In einer Rechtskurve überholte der 41-jährige Fahrer des Hyundai dann die Motorradfahrer. Dabei kam er aus noch ungeklärter Ursache zunächst nach links von der Fahrbahn ab. Durch Gegenlenken geriet das Fahrzeug ins Schleudern, es kam auf die Gegenfahrbahn, streifte seitlich eine Bikerfahrerin und krachte anschließend gegen einen Straßenbaum. Der Fahrer sowie die beiden weiteren Insassen (24 und 27) starben offenbar sofort. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass der Motor des Autos herausgeschleudert wurde.

Durch den Aufprall löste sich außerdem eine Stoßstange und traf den überholten 53-jährigen Kawasaki-Fahrer. Dieser kam von der Straße ab, blieb aber unverletzt. Die nachfolgende 52-jährige Fahrerin eines Motorrades Honda leitete ein Bremsmanöver ein, stürzte dabei und zog sich dadurch leichte Handverletzungen zu. Einer der Biker alarmierte sofort Feuerwehr und Polizei und ein Einheimischer, der mit seinem Pkw auf den Unfall zukam und der die Verunglückten erkannte, rief den Hohen Pritzer Wehrführer an und bereitete ihn darauf vor, was die Kameraden am Unfallort erwarten würde. So konnte Rüdiger Gerwien seine Männer schon beim Ausrücken vorwarnen: „Es wird hart, es sind offenbar unsere eigenen Leute“.

Wenig später traf dann auch die Dabeler Feuerwehr am Unfallort ein. Sie ist mit der notwendigen Technik ausgerüstet und holte mit ihrer Spezialschere die im Wagen eingeklemmten Männer heraus. Doch kam für sie jede Hilfe zu spät. Die Verunglückten konnten nur noch tot geborgen werden.
„Es war der schlimmste Einsatz, den wir je hatten“, sagt der Hohen Pritzer Wehrführer Rüdiger Gerwien. Mathias J. und Christian Z. gehörten seit einem Jahr der Feuerwehr an, Thomas B. war fast 25 Jahre dabei.

„Ich muss das selbst erstmal verdauen, was da passiert ist“, schluckt Rüdiger Gerwien. Und auch seine Jungs, die bei dem Einsatz dabei waren, waren anschließend wie gelähmt.
„So was geht nicht spurlos an einem vorüber“, sagt der Dabeler Wehrführer Axel Gräber.
Die Bürgermeisterin von Hohen Pritz sowie ein Seelsorger aus der Gemeinde, den Britta Täufer hinzu geholt hatte, kümmerten sich um die Einsatzkräfte und Angehörigen.

Eines der Elternpaare war zuvor ebenfalls auf dem Bikertreffen gewesen und hatte sich dort amüsiert. Wenig später stand es dann am Unfallort. „So dicht liegen manchmal Freud’ und Leid beieinander“, kann auch Bürgermeisterin Britta Täufer das Geschehene immer noch nicht fassen. Sie habe in der Nacht danach kein Auge zu gekriegt, immer wieder kamen die schrecklichen Bilder hoch, stellte sie gestern fest.

Sonntagmorgen trafen sich dann die Kameraden der Wehr und andere Einwohner nochmal vor Ort und legten dort, wo das Unglück geschah, Blumen nieder. Die Ermittlungen zur genauen Unfallursache dauern noch an.


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