Feuerwehr bekommt Berater für 100 000 Euro

Unternehmensberater Rinke  soll ein Auge auf die Arbeit der Feuerwehr werfen: Die Stadt hat diese Firma engagiert. Montage: geos
Unternehmensberater Rinke soll ein Auge auf die Arbeit der Feuerwehr werfen: Die Stadt hat diese Firma engagiert. Montage: geos

Der Unternehmensberater Rinke soll Rostocks Berufsfeuerwehr fit für die Zukunft machen. Ein schweres Stück Arbeit, denn im Brandschutzamt tobt ein Streit um Arbeitszeiten, Schichtmodelle und Schutzziele. Tatsache ist: Häufig sind Feuerwehrleute zu spät am Einsatzort.

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07. März 2008, 09:29 Uhr

Rostock - „Wir sind seit dem 1. März in Rostock tätig“, bestätigt Matthias Winterhalder vom Kommunalteam der Rinke Unternehmensberatungs GmbH mit Sitz in Wuppertal. Die Aufgabe der externen Berater: Ein halbes Jahr sollen sie die Abläufe im Rostocker Brandschutzamt unter die Lupe nehmen und vor allem zwei Fragen beantworten: Wie lässt sich die Arbeit optimieren und möglicherweise sogar Kosten einsparen? Wie sicher ist es in der Hansestadt wirklich?
Genau darum kreist in der Hansestadt ein Streit zwischen Feuerwehrleuten und der Verwaltung, der an Schärfe stetig zunimmt. Während die Einsatzkräfte das ungeliebte Zwölf-Stunden-Schichtmodell in direkten Zusammenhang mit schlechten Einsatzzeiten bringen und 24-Stunden-Schichten fordern, dementieren Amtsleitung und Rathaus jegliche Gefahren für die Bevölkerung.

Fakt ist allerdings: Bei drei von vier Einsätzen ist die Rostocker Berufsfeuerwehr zu spät – zumindest, wenn es um die kritische Größe der Lebensrettung geht, die zehn Mann binnen 9,5 Minuten nach Anruf am Einsatzort vorschreibt. Die Bürgerschaft hatte vor Jahren beschlossen, dass diese Werte mindestens zu 80 Prozent erreicht werden sollen. Tatsächlich schaffen es die Berufsfeuerwehren im Nordosten nur in einem von zehn Fällen. Kritiker dieser Zahlen verweisen auf Lücken in der Statistik. Denn zwischen Einsätzen, bei denen es um Leben und Tod geht, und „normaler“ Feuerwehrarbeit wird nicht unterschieden.

Sechs Monate unter Beobachtung

Ordnung in das Feuerwehr-Wirrwarr soll nun der Wuppertaler Berater Rinke bringen, ein ausgewiesenes Fachunternehmen im Bereich Brandschutzämter. In einer Referenzliste sind Beratungsleistungen für 125 Feuerwehren und Rettungsdiensten in Deutschland genannt. Zuletzt war Rinke in Leipzig tätig, wo „die Vorschläge für einen Feuerwehrbedarfsplan derzeit ausgewertet werden“, heißt es aus der sächsischen Metropole. In Rostock lässt man sich die Arbeit der Fachleute viel kosten: 100 000 Euro. Sechs Monate wird das Amt unter die Lupe genommen, zwölfmal werden die Berater in Rostock Gespräche führen und die Abläufe bewerten.
Von dieser Arbeit erwartet nicht nur die Stadt als Auftraggeber vieles, auch die Feuerwehrleute glauben, in ihrer Kritik bestätigt zu werden. „Es wird ganz ähnlich Vorschläge geben, wie wir sie schon gemacht haben“, sagt Personalrat Steffen Sieratzki. Detail am Rande: Als der Landesrechnungshof vor zwei Jahren als letzter „externer Fachberater“ Vorschläge für Effizienzsteigerungen im Brandschutz- und Rettungsamt gemacht hatte, sollten 50 von etwa 300 Stellen gestrichen werden.

Zum Jahresende wird Rinke ein Abschlussbericht vorlegen. Im Januar 2009 sollen die Vorschläge umgesetzt sei, so der Zeitplan der Verwaltung. Eine Initiative der Fraktion die Linke zu Sofort-Maßnahmen ist in der Sitzung der Bürgerschaft am Mittwoch gescheitert.

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