Feststimmung bei Dauerregen

Banzkow und Umgebung hatte zum 18. Landeserntedankfest ein großartiges Programm auf die Beine gestellt. Der Festumzug bestand aus 160 Bildern und war damit noch umfassender als erwartet. Allein das Wetter spielte gestern nicht mit, aber ganz verderben konnte der Dauerregen die Stimmung dann doch nicht.

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05. Oktober 2008, 08:47 Uhr

Banzkow - Das Wetter hat den Landwirten in diesem Jahr übel mitgespielt. Niederschlag oder anhaltender Sonnenschein kamen eigentlich immer zum falschen Zeitpunkt. Und leider hielt diese Unbill auch beim 18. Landeserntedankfest, das gestern in Banzkow stattfand, den Bauern die Treue. Der Dauerregen trübte die Feierlaune und ließ manchen Programmpunkt buchstäblich ins Wasser fallen, weil die Gesundheit der Akteure vorging, aber ganz konnte er die Feststimmung doch nicht verderben. „Regen ist nicht schlimm, wenn man richtig ausgerüstet ist“, meinte auch der designierte
Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD). Auf mehr als 8000 wurde die Besucherzahl am Ende geschätzt, ohne Regen wäre sie gut und gerne doppelt so hoch gewesen. „Banzkow hat die Latte für uns sehr hoch gelegt“, sagte Jochen Storrer voller Anerkennung. Er ist Bürgermeister von Usedom-Stadt, wo das Landeserntedankfest 2009 stattfindet.

Im Festumzug 160 farbenfrohe Bilder
Nach dem Festgottesdienst in der voll besetzten Banzkower Kirche setzt sich um 11 Uhr der große Umzug durch das Dorf in Bewegung. Hier zeigt sich schon, dass das ganze Fest im Zeichen der Kartoffel steht: Vom Anbau bis zur Verarbeitung oder Einkellerung werden alle Schritte anschaulich dargestellt – ob mit traditionellen Geräten wie Hacke und Kratzer oder moderner Technik vom Beetformer bis zur Pflanz- und Erntemaschine.

160 Bilder umfasst der farbenfrohe Festumzug, das sind sogar mehr als erwartet. Zum Teil mehrere Stunden von ihrer Ankunft bis zum Finale auf der Festwiese halten die Akteure tapfer durch. „Inzwischen ist alles klamm“, sagt Karin Groth vom Dorfverein Kirch Jesar, der bei Erntefesten sstets ehr zahlreich vertreten ist. Die bäuerliche Tracht verdeckt ein Regenumhang. „Schade, aber sonst wären wir bis auf die Haut nass“, bedauert sie selbst. Horst-Dieter Keding, Bürgermeister im benachbarten
Sukow, ist ganz in Schwarz gekleidet. „So soll vor 100 Jahren ein Dorfschulze ausgesehen haben“, erklärt er, gezeichnet von seinem Platz auf einer offenen Kutsche.

Auf die Besucher entlang der Straße ist der Funke längst übergesprungen, sie winken den Teilnehmern immer wieder fröhlich zu. „Wir haben die Sonne im Herzen“, ruft Hanne Sellnow aus Parchim. Sie ist begeistert von den geschmückten Erntewagen. „Wie viel Arbeit darin steckt, da sind so viele hübsche Details.“ Hanne und Bernd Sellnow sind mit Freunden aus Bauerkuhl gekommen, das nahe der Landesgrenze zu Brandenburg liegt. Heike und Wolfgang Pflugradt erzählen, dass sie kaum ein Landeserntefest auslassen. Sie seien kurz nach der Wende von Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen und hätten hier ihre Heimat gefunden.

Nach dem Festumzug herrscht im Störtal Hochbetrieb: Hier stellen Hobbykünstler aus. Die Banzkowerin Michaela Schmeichel filzt gern, meist mit ihrer Tochter Charline (8), von der auch häufig die Ideen kommen. „Das ist für den Hausgebrauch, ich will nichts verkaufen“, sagt die junge Frau. In Heike Kuhrt aus Peckatel hat sie eine sehr interessierte
Gesprächspartnerin. „Ich habe ganz einfache Sachen gemacht und möchte mir einige Tipps
holen. Ich bin total begeistert.“

Bei Getreide und Raps zehn Prozent über dem Durchschnitt Die Bauern in MV hätten trotz ungünstigen Wetters eine „leicht überdurchschnittliche Ernte eingefahren“, würdigt Agrarminister Till Backhaus (SPD) in seiner Festansprache die Arbeit der Beschäftigten in diesem für das Land so wichtigen Wirtschaftszweig. Bei Getreide und Raps hätten sie mit 4,2 Millionen Tonnen zehn Prozent mehr von den Feldern geholt als im Durchschnitt der Jahre, gegenüber 2007 sogar gut ein Viertel mehr. Auch bei Kartoffeln und Zuckerrüben werde mit einer guten bis sehr guten Ernte gerechnet. Stark gestiegene Preise für Energie, Dünger und Pflanzenschutzmittel drückten jedoch die Erlöse. An die Verbraucher gewandt, hob der Minister den Wert der Nahrungsmittel hervor und warb um auskömmliche Preise für die Landwirte.

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