Ferienanlage mit Handicap

Kaiser und Kanzler am Fleesensee: Zur Eröffnung 2000 waren Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder dabei. Archiv
Kaiser und Kanzler am Fleesensee: Zur Eröffnung 2000 waren Franz Beckenbauer und Gerhard Schröder dabei. Archiv

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23. April 2010, 07:21 Uhr

Schwerin | Die Schweiz im Müritzkreis? Im Land (der unbegrenzten Möglichkeiten) Fleesensee sind solche Unmöglichkeiten machbar. Der "Zeitreisepark", den Landeswirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) heute um 10 Uhr im Urlaubsparadies eröffnen soll, wurde der Mecklenburgischen Schweiz nachempfunden. Zudem erzählt er die Geschichte vom Land Fleesensee, das vor zehn Jahren eröffnet wurde.

Eine Erfolgsgeschichte in Deutschland, wie Jürgen Seidel sagt. Als Minister hatte er das Vorhaben gefördert, als Landrat die Eröffnung erlebt, das Jubiläum feiert er als Minister. Land Fleesensee werbe besser für das Tourismusland MV als jede Millionen schwere Image-Kampagne. Vergessen die Sorgen, die 500-Hektar-Ferienwelt würde einem Ufo gleich in der Seenplatte parken und allen ringsum Show und Gäste stehlen. "Von dieser Leuchtturm-Investition profitiert die ganze Region", betont Detlev U. Fricke, Geschäftsführer der Fleesensee-Tourismusmarketing-GmbH. Tourismus-Riese TUI hat den Betreibervertrag für seine Hotels gerade um weitere zehn Jahre verlängert. Die Auslastung des Ressorts liege im Jahresschnitt bei 60 bis 65 Prozent. "Urlaubshotelerie erreicht im Deutschlandmittel keine 40 Prozent."

Das unüberhörbare "Aber" kommt von denen, die vor Jahren Geld in das Projekt gesteckt und bislang vergeblich auf finanzielle Erträge warten. Rund 400 Millionen Mark wurden investiert. Laut Detlev U. Fricke 25 Prozent Fremdkapital, 25 Prozent Förderung, 50 Prozent Eigenkapital. Das Eigenkapital stammt aus einem geschlossenen Immobilienfonds, in den 1950 Kommanditisten eingezahlt hatten. Darunter als einer der größten der hessische Landkreis Offenbach. Er hatte durch die Privatisierung eines Versorgungsunternehmens Geld eingenommen und rund acht Millionen Euro in Mecklenburg angelegt - um Steuern zu sparen und Rendite zu erzielen. Letzteres ging schief. Darum und weil eine Änderung im hessischen Gesetz solche Beteiligungen nicht mehr zulässt, will sich der Kreis "vermögensschonend" von seinen Anteilen trennen - und mit ihm nach Auskunft von Fricke 58 Kommanditisten, die zum Ende 2010, und weitere 13, die zum Ende 2011 gekündigt haben.

Der Göttinger Finanzanwalt Markolf Schmidt glaubt nicht, dass die Aussteiger rausbekommen, was sie eingezahlt haben - vielleicht noch acht Prozent dessen, schätzt er mit Blick auf Fondshändler wie das Unternehmen Zweitmarkt. Für einige Mandanten beobachtet er Land Fleesensee seit Jahren. Sein Vorwurf: Die Anleger wurden nicht ordnungsgemäß aufgeklärt, etwa darüber, dass dem Fonds 35 Prozent der Einlagen entnommen wurden, allein 26 Prozent für Provisionen. Auch sei "eine Ausschüttung als sicher dargestellt worden".

Aus Frickes Sicht handelt es sich indes nicht "um Versprechen, die nicht gehalten wurden, sondern um Prognosen, die nicht eintrafen". Die Ausschüttungen fielen Investitionen zum Opfer. Provisionen? "Die waren marktüblich." Ohnehin sei die Kritik bei den Betreibern von Fleesensee an der falschen Adresse, was Anwalt Markolf Schmidt ebenso sieht. Haftungsgegner müssten vielmehr die Initiatoren des Fonds - die Makler Katz und Reitz - sein.

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