Feier ohne Bayer

Marion Rühe und Gerhard Thieß aus Severin präsentieren auf der MeLa ihre Galloway-Rinder. Foto: Michael-Günther Bölsche
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Marion Rühe und Gerhard Thieß aus Severin präsentieren auf der MeLa ihre Galloway-Rinder. Foto: Michael-Günther Bölsche

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11. September 2008, 09:34 Uhr

Mühlengeez - Horst Seehofer ist nicht da. Der Bundesminister für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft wollte zur Mecklenburgischen Landwirtschaftsausstellung (MeLa), der größten Agrarmesse unseres Landes, vor den Toren Güstrows kommen. Alles schien perfekt: Aussteller-Rekord, Sonnenschein; gestern wollten Politiker und Bauern des Landes Seehofer so richtig die Meinung sagen. Aber der Bayer kam nicht zu Feier. Erst sagte er ab, einen Tag vor Beginn der Messe sein Staatssekretär.

Interne Begründung: Eure Milchbauern wollen wieder Molkereien boykottieren. So übermittelte es Landesminister Till Backhaus dem Berufsstand. „Das ist ein starkes Stück“, erklärt Backhaus. CSU-Seehofer tingele lieber beim bayrischen Landtagswahlkampf „durch Bierzelte“ als zur politischen Diskussion nach Mecklenburg zu kommen.

Unser Bundesland werde „gemieden“, wettert Backhaus. „Die wollten uns mit dem Abteilungsleiter abspeisen.“ Protest folgte. Dann kam Ursula Heinen, Seehofers dritte Vertreterin. „Dritte Wahl“, poltern Politiker und Bauern. Sie wollten dem Bundesminister für Gespräche mit der Europäischen Union die Marschroute vorgeben: keine Kürzung der Zahlungen für landwirtschaftliche Produktion. Geplatzt. Die Pressekonferenz – abgesagt. Heute kommt Gerd Sonnleitner, Präsident des Bundesbauernverbandes, zum Bauerntag. Wenigstens ein Bayer, stichelt Backhaus. Diplomatie ade.

Die Sonne streichelt Mühlengeez. Tausende Menschen strömen bereits gestern auf das Messegelände, wo Landwirtschaft, Industrie und viele Fachhändler Erfolge und Produkte preisen. Die MeLa wird auch ohne Horst Seehofer wieder ein Erfolg. Fast 1000 Aussteller, zehn Gastländer, 60000 erwartete Besucher bis Sonntag. Erstmals gibt es eine „Kinder-MeLa“; mit großer Resonanz.

Mittendrin steht Ursula Heinen. Die parlamentarische Staatssekretärin des Bundesministeriums lobt brav die Messe, die sogar größer als die in Bayern sei. Sie wirkt hölzern; ihre schrille Stimme produziert Methaphern: „Tank und Teller – beides sind Standbeine in der Landwirtschaft.“ Verbindlich, fassbar wird sie nicht – sichert aber zu: Der Bund werde alles tun, um die Forderungen der hiesigen Bauern gegenüber Brüssel klarzumachen.

Dann sind die Mecklenburger und Vorpommern wieder unter sich. Backhaus und Rainer Tietböhl, Chef des Bauernverbandes MV, sprechen zu Heinen an Seehofer. Zehn Prozent der Zahlungen an Landwirte in MV drohen bald wegzufallen. Gerade große Betriebe würden dadurch benachteiligt. Weg mit diesen Plänen!, fordert Backhaus: „Keinen Kuhhandel.“ Man werde Berlin beim Wort nehmen. Tietböhl kündigt für den Fall an, dass Zahlungen doch abschmelzen: „Dann werden wir uns sehr hart mit ihnen auseinandersetzen.“

Landesvater-Wetter in Mühlengeez. Der Bauernverband ehrt Harald Ringstorff. Uckermärker, eine Rinderrasse, stapfen geduldig über grünen Rasen. Das Tier des Jahres zeigt: Die MeLa ist weit mehr als Politik.

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