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Pferderücken im Wald zwischen Serrahn und Kuchelmiß : Fauna zieht neun Meter langen Stamm

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Pferderücken im Wald zwischen Serrahn und Kuchelmiß: Es ist ein teures Verfahren und dauert wesentlich länger als mit Maschinen. Aber die gestiegenen Holzpreise erlauben wieder den Einsatz des Pferdes.

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erstellt am 20.Apr.2011 | 11:46 Uhr

Fauna schnaubt genüsslich. Die Strahlen der Frühlingssonne fallen durch die Baumwipfel im Naturschutzgebiet "Nebel" zwischen Serrahn und Kuchelmiß. Als Deutsches Kaltblut lässt sich das Pferd nicht aus der Ruhe bringen, ist die schwere Arbeit im Wald gewohnt. "Die ballert ganz schön was weg, kann eine neun Meter lange Tanne ganz alleine ziehen", sagt Diane Greger, während sie am Geschirr von Fauna einen weiteren Baumstamm befestigt. Ein kurzes Kommando und das kräftige Pferd zieht mit Leichtigkeit die schwere Buche bis zum Waldweg. Mehr als 300 Festmeter Holz befördert Diane Greger gerade mit ihren Rückepferden aus dem Dickicht des Waldes, damit es abtransportiert werden kann. "Die Tiere müssen ruhig, gehorsam und kräftig sein", sagt die Jungunternehmerin aus Groß Köthel.

Förster Holger Weinauge beobachtet das Treiben im Wald an diesem Frühlingstag mit Genugtuung. "Das Pferd ist wendig und schädigt bei gekonntem Umgang den bestehenden Baumbestand nicht", sagt er. "Durch ihre Trittsicherheit sind Pferde auch im hügeligen, schwierigen Gelände einsetzbar." Weinauge ist auch Vorsitzender des Waldvereins Bansow. Für diese Forstbetriebsgemeinschaft, zu der 66 private und kommunale Waldbesitzer mit ca. 4500 Hektar Waldfläche in ganz MV gehören, bewirtschaftet er den Wald und vermarktet das Holz. Das Zentrum des Waldvereins Bansow liegt in Güstrow, Teterow und Waren-Müritz. Pferderücken ist die Leidenschaft von Weinauge. "Von den 80 Forstbetriebsgemeinschaften im Land arbeiten nur zwei mit Pferden im Wald", sagt er. Den anderen mache es zu viel Mühe. Das will Weinauge ändern. Doch Pferderücken ist ein teures Verfahren und dauert wesentlich länger als mit Maschinen. "Aber die gestiegenen Holzpreise erlauben wieder den Einsatz des Pferdes", ist Weinauge überzeugt. Deshalb könne es jeder Waldbesitzer machen.

Der Förster setzt im Wald auf eine ökologische Vorgehensweise, vor allem auch im Naturschutzgebiet "Nebel", das zugleich FFH-Gebiet ist. Vergangenes Jahr rückte der Waldverein in seinem Gebiet 1700 Festmeter Holz mit Pferden. Dieses Jahr sollen es schon 3000 Festmeter werden. Das Holz wird manuell geschlagen und dann von Pferden aus dem Wald gezogen. Weinauges Fazit: "Pferde sind in manchen Bereichen besser als Rückemaschinen und eine optimale Ergänzung zur modernen Technik." Der Einsatz von Rückepferden werde zudem mit fünf Euro pro Festmeter gefördert, weil es sich um eine boden-, bestand- und verjüngungsschonende Möglichkeit zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung handele. "Die Bestände werden schonender durchforstet", sagt der Fachmann. Ideal sei das Pferderücken vor allem bei dichten Beständen. Und noch einen Vorteil sieht Weinauge: "Das Pferd kommt bei der Bevölkerung sehr gut an und ist eine offensive Öffentlichkeitsarbeit für heimisches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft." Und tatsächlich bleiben Wanderer im Nebeldurchbruchstal bei Kuchelmiß stehen und staunen über die Arbeit der Pferde.

Diane Greger hat Fauna einen weiteren Stamm angeschnallt. "Vom Waldverein Bansow bekommen wir immer gute Aufträge", sagt sie. Die Jungunternehmerin will ihren Pferderücker-Betrieb mit bisher vier Tieren noch weiter ausbauen. "Ich möchte noch mehr Pferde anschaffen." Ein knackiges Kommando und Fauna zieht wieder an. Noch 14 Tage wird Diane Greger aus Groß Köthel bei Teterow mit ihren Tieren in dem Waldstück zwischen Serrahn und Kuchelmiß beschäftigt sein. "Schwere Arbeit, doch bei dem schönen Wetter macht es Spaß", sagt sie. Und auch Fauna fühlt sich sichtlich wohl im Wald.

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