„Falscher Zeitpunkt“ - Philologenverband kritisiert Zeitplan für Selbstständige Schule

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27. August 2008, 09:11 Uhr

Schwerin - Die von Bildungsminister Henry Tesch (CDU) geplante Einführung der „Selbstständigen Schule“ kommt nach Ansicht des Philologenverbands für die Gymnasien zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt. „Die Schulen kämpfen ums Überleben“, sagte der Verbandsvorsitzender Jörg Seifert. Von den 42 Gymnasien im Land hätten in diesem Schuljahr 21 die Mindestschülerzahl nicht erreicht. Weitermachen dürften sie nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung.

Das Modell der „Selbstständigen Schule“ soll mit dem neuen Schulgesetz vom Schuljahr 2009/10 an eingeführt werden. Grundsätzlich sei der Wettbewerb zwischen den Schulen nötig. Jedoch müssten zunächst wieder die stärkeren Jahrgänge „nach oben durchwachsen“. Seifer: „Wir brauchen erst eine gefestigte Schullandschaft mit steigenden Schülerzahlen.“

Das Problem der Gymnasien ist nach Ansicht von Seifert: „Man hat uns die Klassen 5 und 6 weggenommen.“ Jetzt gebe es einen „unsäglichen Kampf“ zwischen Regionalschulen, Gymnasien und Gesamtschulen um die Schüler. Ein Gymnasium müsse mindestens 54 Schüler der Klasse 7 haben, um bestehen zu bleiben. In Städten mit mehreren Gymnasien müssten es sogar 61 Schüler sein.

Sollten demnächst weitere Gymnasien auf dem Lande schließen, würde sich womöglich mancher Schüler überlegen, ob er für ein Abitur einen längeren Fahrtweg in Kauf nimmt. „Das wird dazu führen, dass wir noch weniger Abiturienten haben als derzeit.“

Die Hochschulen im Land würden dann kaum noch Bewerber aus MV haben. „Die Bildungslandschaft können wir so begraben.“

Die Gesamtschulen seien wesentlich besser gestellt, meinte Seifert. Zugleich warnte er davor, Schulformen gegeneinander auszuspielen.

Seifert bezweifelte, dass Absolventen von Regionalschulen und Gesamtschulen in größerer Zahl das Abitur ablegen könnten.

„Machen wir uns nichts vor: Wenn sie bis zur Klasse 10 kein gymnasiales Niveau kennengelernt haben, dann haben diese Schüler erhebliche Probleme. Und ein Abitur mit Note 4 nützt auch nicht viel.“ Schüler müssten sich rechtzeitig an das selbstständige Lernen gewöhnen, das an Gymnasien üblich sei.

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