Expertenrunde in Schwerin: Kein echter Rembrandt in Gemäldesammlung

Vor einem vermeintlichen Rembrandt, dem Gemälde 'Alter Mann', steht eine Besucherin im Staatlichen Museum Schwerin. Was lange vermutet wurde, ist nun gewiss: Das Staatliche Museum Schwerin hat kein einziges Gemälde von Rembrandt. Zu dem Schluss kamen sieben Kunsthistoriker und Restauratoren aus den Niederlanden, Deutschland und den USA, die sich am Samstag  zum Rembrandt-Studientag in Schwerin trafen. Foto: dpa
Vor einem vermeintlichen Rembrandt, dem Gemälde "Alter Mann", steht eine Besucherin im Staatlichen Museum Schwerin. Was lange vermutet wurde, ist nun gewiss: Das Staatliche Museum Schwerin hat kein einziges Gemälde von Rembrandt. Zu dem Schluss kamen sieben Kunsthistoriker und Restauratoren aus den Niederlanden, Deutschland und den USA, die sich am Samstag zum Rembrandt-Studientag in Schwerin trafen. Foto: dpa

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16. November 2008, 04:54 Uhr

Schwerin - Was lange vermutet wurde, ist nun gewiss: Das Staatliche Museum Schwerin hat kein einziges Gemälde von Rembrandt. Am Samstag trafen sich sieben Kunsthistoriker und Restauratoren von Museen und Universitäten aus den Niederlanden, Deutschland und den USA zum Rembrandt-Studientag in Schwerin. Wie der Kustos der Holländischen Sammlung, Gero Seelig, der dpa sagte, sind sich die Experten einig, dass keines der Gemälde, die die Mecklenburgischen Herzöge im 18. Jahrhundert als Bilder Rembrandts erworben hatten, von ihm stammt. "Aber wir haben weiterhin 168 Rembrandt-Grafiken im Museum", sagte Seelig.

Sechs von acht Gemälden nahmen die Experten am Samstag genauer unter die Lupe. Bei fünf Bildern hätten sie sich nicht auf eine eindeutige Zuschreibung zu einem anderem Maler festgelegt, äußerte Seelig. Hier seien neben Röntgenbildern noch Infrarotaufnahmen nötig. Bei dem "Brustbild eines alten Mannes" seien sie sich jedoch einig, dass es von Jan Lievens (1607-1674), der Nummer 2 in Holland, stammt. "Das Rembrandt-Monogramm RHL ist falsch", sagte Seelig.

Lievens Bilder würden gerade auf Ausstellungen in Washington und Amsterdam gezeigt. Im holländischen Leiden sei er um 1630 Rembrandt Harmensz van Rijn (1606-1669) im Ruhm sogar voraus gewesen, was in seinen Werken wahrnehmbar sei, meinte der Kustos. Rembrandts Zeit brach demnach erst nach seinem Weggang nach Amsterdam an.

Wenn auch Schwerin die "Marke Rembrandt" nicht in der Gemäldesammlung hat - "die Sammlung hat sich damit nicht verändert", sagte Seelig. Im 18. Jahrhundert sei die Nachfrage nach Bildern des Holländers so groß gewesen, dass Kunsthändler oft Gemälde als Rembrandts ausgaben, die es nicht waren. Viele Bilder stammten auch aus seiner Werkstatt und waren so von ihm beeinflusst. Die Ergebnisse der Expertenrunde wurden am Nachmittag öffentlich vorgestellt.

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