Expertenrat nicht gefragt?

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03. Juni 2008, 08:00 Uhr

Schwerin - Die Pannen bei der Ausschreibung des Direktorenpostens im Staatlichen Museum Schwerin nehmen kein Ende: Erst wurde der wichtigste Kulturposten des Landes mit viel zu kurzer Bewerbungsfrist nur heimlich im Internet ausgeschrieben, jetzt wirft die Besetzung der Findungskommission Fragen auf.

Die Stelle muss Anfang 2009 neu besetzt werden, weil die bisherige Direktorin Kornelia von Berswordt-Wallrabe Anfang kommenden Jahres das Rentenalter erreicht. Weil das Kultusministerium die rechtzeitige Stellenausschreibung in der überregionale Fachpresse erst nach kritischen Presseberichten veranlasst hatte, wurde die Bewerbungsfrist bis 30. Juni verlängert. Bisher sind nur elf Bewerbungen eingegangen.

Laut Kultus-Staatssekretär Udo Michallik (CDU) will sich das Ministerium bei der Neubesetzung der Direktorenstelle vom Kulturbeirat des Landes und zwei ausgewiesenen Museumsexperten beraten lassen. „Wir wollen den Besten für den Job“, hatte Michallik gegenüber unserer Zeitung erklärt.
Der Kulturbeirat des Landes, bislang lediglich bei der Auswahl des Kulturpreisträgers in Erscheinung getreten, ist als Findungskommission nicht wirklich geeignet. Es gibt in diesem Gremium keinen ausgewiesenen Experten für Kunstmuseen, dafür allerdings Potenzial für Interessenkonflikte. Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff wurde für den Bereich Kulturerbe berufen. Mit ihr befindet sich das Staatliche Museum immer noch in Restitutionsverhandlungen über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus dem Privatbesitz der Herzoglichen Familie.
Expertenrat aus der Museumsszene, in der zurzeit ohnehin viele hochkarätige Posten neu zu besetzen sind, ist also dringend erforderlich.
Dafür sollen nach Auskunft des Ministeriums die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz Ingrid Mössinger und der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden Martin Roth in die Findungskommission berufen werden. Beide seien angefragt, hieß es.
Verwunderung in Chemnitz und Dresden: „Wir haben hier keine Anfrage bekommen, jedenfalls keine schriftliche“, hieß es aus dem Sekretariat von Ingrid Mössinger, die sich derzeit auf der Kunstmesse Art Basel aufhält.
„Bei mir liegt keine derartige Einladung zur Mitarbeit vor“, erklärte auch Martin Roth – und findet „die Geschichte ganz schön schräg“. Stünde er denn grundsätzlich für diese Beratertätigkeit bereit? „Das entscheide ich, wenn mir eine konkrete Anfrage vorliegt“, erklärt der vielbeschäftigte Generaldirektor der Kunstsammlungen Dresden.
Dass Mössinger und Roth vom Schweriner Kultusministerium noch gar nicht eingeladen wurden, verwundert Insider indes nicht. Auf den Ministeriumsfluren wird längst gemunkelt, dass man die auswärtigen Museumsexperten am liebsten „einsparen“ würde. Wegen der Kosten. Schon bei den verschlampten Zeitungsanzeigen für die Stellenausschreibung hatte es einen kleinlichen Streit um die Bezahlung der Anzeigen gegeben. Dem Ministerium war es nicht gelungen, die Kosten dem Museum aufzudrücken.


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