Experte: Bei Kindesmisshandlung werden Täter und Opfer immer jünger

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09. September 2008, 09:42 Uhr

Güstrow - In Fällen von Kindesmisshandlung werden Expertenangaben zufolge sowohl die Täter als auch die Opfer immer jünger. Die Fallzahlen bei Misshandlungen von Kindern unter drei Jahren hätten sich seit 2002 fast verdoppelt, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes der Deutschen Kinderhilfe Mecklenburg-Vorpommern, Rainer Becker. 2007 seien in Deutschland rund 3373 Kinder misshandelt worden, davon 62 in Mecklenburg-Vorpommern. Der Anteil von Kleinkindern wird dabei auf etwa sieben Prozent geschätzt.

Junge Erziehungsberechtigte seien immer häufiger mit Kindern überfordert, sagte Becker. „Offenbar schaffen es manche nicht, zu Säuglingen eine Beziehung aufzubauen“, betonte er. Hinzu kämen persönliche Probleme und mangelnde Erfahrung mit Kleinkindern in der Familie. Werdenden Eltern müsse deshalb der Umgang mit Kleinkindern rechtzeitig vermittelt werden, forderte Becker.

Mit Verweis auf den laufenden Prozess vor dem Landgericht Neubrandenburg bedauerte Becker, dass die Öffentlichkeit in dem Verfahren wegen Kindesmisshandlung ausgeschlossen worden war. Für Dienstag wird das Urteil gegen eine 19-Jährige erwartet. Sie hatte den dreijährigen Sohn ihres Lebensgefährten verbrüht und damit lebensbedrohlich verletzt.

Juristisch sei der Ausschluss der Öffentlichkeit zwar nachvollziehbar, sagte Becker. Damit habe allerdings die Angeklagte die Möglichkeit für eine minimale Form der Wiedergutmachung verpasst. „Die Öffentlichkeit hätte aus der Verhandlung Schlüsse ziehen können, um betroffenen Kindern künftig besser zu helfen“, sagte Becker. Erfahrungsgemäß steige nach einer prozessbegleitenden Berichterstattung zudem die Hinweisbereitschaft der Bevölkerung.

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