Untreue-Prozess gegen Bernhard Küppers : Ex-Wiro-Chef streitet Vorwürfe ab

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16 Jahre lang saß er in der Chefetage des größten Wohnungsunternehmens in Mecklenburg-Vorpommern. Seit gestern muss Ex-Wiro-Chef Bernhard Küppers auf der Anklagebank des Landgerichts Rostock Platz nehmen.

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30. November 2010, 08:56 Uhr

Rostock | 16 Jahre lang saß er in der Chefetage des größten Wohnungsunternehmens in Mecklenburg-Vorpommern. Seit gestern muss Ex-Wiro-Chef Bernhard Küppers (68) auf der Anklagebank des Landgerichts Rostock Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Untreue und Vorteilsgewährung vor. So soll Küppers Studienfahrten für Amtsleiter, Aufsichtsräte und Bürgerschaftsmitglieder auf Wiro-Kosten organisiert haben, ohne dass die Stadt Rostock als Eigentümerin der Wiro dies genehmigte. Zudem soll er Mietkautionen nicht wie vorgeschrieben getrennt vom übrigen Wiro-Vermögen geführt und durch eine ungeprüfte Bürgschaft im Zusammenhang mit dem Ausbau eines Callcenters in Lütten Klein gut eine Million Euro verloren haben.

Angeklagter wirft Rathaus-Chef Mobbing vor

Küppers stritt zum Prozessauftakt alle Vorwürfe ab. Er verwies auf seine Erfolge als Geschäftsführer des kommunalen Wohnungsunternehmes, das unter seiner Führung 2,8 Millarden Euro investiert und den kompletten Wohnungsbestand modernisiert habe. Der Ex-Wiro-Boss erhob seinerseits Vorwürfe gegen Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Dieser habe bald nach seinem Amtsantritt 2005 zusammen mit der Bürgerschaftsabgeordneten Dr. Sybille Bachmann (Rostocker Bund) mit Mobbing und seiner öffentlichen Demontage begonnen. Die Kritik an den Wiro-Reisen bezeichnete Küppers als eine von Methling inszenierte Kampagne. Seine Verteidiger kündigten noch am ersten Prozesstag an, den Oberbürgermeister sowie den früheren Rostocker Bausenator und Ex-Wiro-Aufsichtsratschef Peter Grüttner (SPD) in den Zeugenstand rufen zu wollen.

Die sechs Studienfahrten, die laut Staatsanwaltschaft 126 000 Euro kosteten und das Wohlwollen von Amtsträgern sichern sollten, seien nach Küppers Angaben streng sachbezogen gewesen. Sie gingen demnach auf Beschlüsse des Aufsichtsrates zurück. Zudem habe der damalige Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) die Dienstreiseanträge der teilnehmenden Amtsleiter unterzeichnet. Die Reisen hätten, so Küppers, wichtige Erkenntnisse für die Stadtentwicklung in Rostock gebracht. So hätten etwa Methling und Wirtschaftsprüfer der Veberas 2006 vor der Rom-Reise die Absicht gehegt, die Wiro solle Mieten von Hartz-IV-Empfängern um 50 Cent je Quadratmeter senken, um den städtischen Haushalt zu entlasten. In Rom hätten sich die Teilnehmer dann über negative Effekte dieser Politik informiert, die dort bereits umgesetzt worden sei. Letztlich habe die Bürgerschaft unter anderem aus Angst vor dem Entstehen neuer Ghettos in Rostock vom Mietabschlag Abstand genommen.

Die Staatsanwaltschaft legt Küppers auch zur Last, im Februar 2001 für ein Bauprojekt in Rostock eine Bürgschaftserklärung über 1,1 Millionen Euro abgegeben zu haben. Bei dem Projekt sollten 160 Call-Center-Arbeitsplätze entstehen. Er soll dies getan haben, ohne zuvor die Liquidität des Bauunternehmens oder den Wert des Bauobjektes zu prüfen. Nachdem das Unternehmen in Zahlungsverzug geraten war, wurde der Kreditvertrag fristlos gekündigt und die Bürgschaft in Anspruch genommen. Die Wiro musste eine Million Euro an die Ostseesparkasse zahlen. Küppers beteuerte auch in diesem Anklagepunkt seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft habe, so sagte er, wichtige entlastende Dokumente nicht bearbeitet, die er ihr frühzeitig übergeben habe. Diese würden belegen, dass er vor Unterzeichnung der umstrittenen Bürgschaft sehr wohl das Risikopotenzial geprüft habe. Ihr Verbleib sei aber unklar.

Anklage: 553 000 Euro für wirkungslose Police gezahlt

Ebenfalls als korrekt bezeichnete der frühere Wiro-Geschäftsfüher den Umgang mit Mietkautionen. Diese nicht separat anzulegen, habe der Stadt höhere Ausschüttungen von rund 430 000 Euro und den Mietern höhere Zinsen gebracht. Eine Zivilklage der Wiro gegen ihn wegen dieser Praxis sei abgewiesen worden. Laut Staatsanwaltschaft kostete eine wirkungslose Kautions-Versicherung, die Küppers und die ebenfalls angeklagte Prokuristin Evely R. bei der Gramercy Insurance Compagnie in Dallas (USA) abschlossen, aber rund 553 000 Euro an Prämien und Versicherungssteuer. Mit ihr sollten die Kautionen für den Fall einer Wiro-Insolvenz gesichert werden. Ein solcher Schutz der Rückzahlungsansprüche der Mieter habe aber trotz des Vertrags mit der amerikanischen Gesellschaft und der gezahlten Prämien aber nicht vorgelegen. Der Vertrag sei wertlos gewesen, so die Staatsanwältin. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Es sind Termine bis Ende Januar geplant.

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