zur Navigation springen

Zehn Gründe, warum sie den Preis verdient hat : EU erhält Friedensnobelpreis

vom

Die EU wird mit dem Friedensnobelpreis 2012 ausgezeichnet. Die Entscheidung wurde damit begründet, dass die Europäische Union über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung beigetragen habe.

svz.de von
erstellt am 12.Okt.2012 | 09:05 Uhr

Europa hat keine Hymne, die man mitsingen könnte, und hässliche Geldscheine. Seine Verwaltung ist ein Bürokratiemonster und seine Mitglieder handeln meist egoistisch. Trotzdem gibt es (mindestens) zehn Gründe, warum diese EU das Beste ist, was Europa und den Menschen in den Mitgliedstaaten passieren konnte.

Europa hilft
Wer nur in eigenen Grenzen denkt, übersieht die Hilfe, die diese EU für die Menschen in geringer entwickelten Regionen der europäischen Familie bietet. Ohne die EU würden diese nicht mit jährlich 50 Milliarden Euro aufgepeppt, damit sie gut leben und an unserem Wohlstand teilhaben können. Was uns im Übrigen gut tut: 63 Prozent der deutschen Exporte kaufen uns unsere europäischen Nachbarn ab.

Europa ist sozial
Kündigungsschutz und Altersvorsorge – darüber streitet man daheim. Aber die EU lässt sich den Mund nicht verbieten: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit, unabhängig von Geschlecht, Religion oder Rasse, ist ein Gesetz der EU. Dass es heute erschwingliche Medikamente für Kinder mit seltenen Krankheiten gibt, wäre ohne Brüssel nicht denkbar. Und dass die Armutsquote bis 2020 drastisch gesenkt werden soll, ist ein Ziel, dass ohne Europa nicht auf der Tagesordnung stände.

Europa ist frei
Ohne Grenzen von Hammerfest bis Athen – das hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Ohne Geldumtausch nach Mallorca, auf die Kanaren oder nach Rhodos – für Europa etwas völlig Neues. Rund zwei Millionen junger Menschen können jedes Jahr mit dem Erasmus-Programm im Ausland studieren. Die Dienstleistungsrichtlinie sorgt dafür, dass jeder überall arbeiten kann. Freiheit ist nicht selbstverständlich, sondern ein Geschenk.

Europa ist bürokratisch
Das ist ein Vorwurf. Und gibt Sicherheit. Wer heute versucht, seine Nachbarn politisch zu überrumpeln, bleibt im Gestrüpp der Brüsseler Genehmigungsverfahren hängen. Und wer zuhause die demokratischen Spielregeln außer Kraft setzen will, bekommt es mit der mächtigen Hüterin der Verträge in Brüssel zu tun: der Kommission. Um es anders zu sagen: Wer heute in Europa versucht, einen Streit anzufangen, bekommt keine Genehmigung dafür. Das ist ein großer Gewinn.

Europa vereinfacht
Wenn die EU reguliert und harmonisiert, bekommt man es mit der Angst zu tun. Doch nicht immer kommen dabei Normen für Gurken oder Bananen heraus. Eine Verordnung über Traktorsitze hilft, weil sie 27 verschiedene nationale Vorschriften ersetzt und den Herstellern ermöglicht, sich nach einer Norm zu richten. Dass der Reise-Föhn auch auf Capri in die Steckdose passt, ist ein Ergebnis der EU-Harmonisierung.

Europa ist diplomatisch
Andere intervenieren, drohen mit Waffengewalt oder setzen auf Druck: Europa setzt auf Diplomatie. Dass es bisher keinen Angriff auf den Iran gegeben hat, ist alleine der europäischen Außenpolitik zu verdanken. In Bosnien leisten Soldaten unter EU-Fahne Aufbauarbeit zwischen den aufgeheizten Fronten. Frieden und Diplomatie als Exportschlager – ein gutes Rezept.

Europa gibt nicht auf
Was sich manche Regierungen der heutigen Krisenstaaten geleistet haben, ist schon ein starkes Stück. Doch gerade dann rückt Europa zusammen, lässt nicht los, sondern erfindet Hilfspakete und Rettungsschirme. So viel Solidarität ist einzigartig auf der Welt. Bei aller berechtigten Kritik an der Krisenintervention – diese Gemeinschaft lässt sich nicht auseinanderbringen. Das werden auch die Spekulanten noch merken.

Europa sichert Jobs
Es geht nicht nur um Wachstumsprogramme und milliardenschwere Fördermittel. Staatlich subventionierte Unternehmen drängen massiv auf den EU-Markt. Ob Solarzellen oder Bekleidung – Europas Spielregeln für den gemeinsamen Markt schützen die einheimischen Branchen. Und sorgen so dafür, dass es auch in Zukunft noch starke Betriebe und Jobs gibt. Denn wer mit Europa Geschäfte machen will, muss sich den hiesigen Regeln unterwerfen.

Europa macht Druck
Verbotene Preisabsprachen oder teure Roaming-Zuschläge – gegen Monopole und Kartelle sind die einzelnen Mitgliedstaaten machtlos. Dass man heute um die Hälfte billiger vom Ausland aus nach Hause telefonieren kann als noch vor wenigen Jahren, wäre ohne die EU nicht denkbar. Und dass ein Software-Gigant nicht länger Konkurrenten aussperren kann, ist auch ein Verdienst der Gemeinschaft. Ob man es glaubt oder nicht: Man kann die europäischen Erfolge im Portemonnaie spüren.

Europa hat den Euro
Auch wenn es in der Krise kaum glaubhaft klingt: Der Euro ist ein Geschenk. So niedrige Inflationsraten wie seit der Einführung der Gemeinschaftswährung gab es früher nie. Die D-Mark war hart, der Euro ist härter. Nun zwingt die Zukunft unseres Geldes sogar dazu, mehr zusammenzurücken, Schuldenfreiheit als politisches Ziel wiederzuentdecken. Der Euro mag unbeliebt und die Geldscheine mögen hässlich sein. Das politische Projekt „Euro“ hat viel bewirkt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen