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Mecklenburgisches Staatstheater: Storms „Schimmelreiter“ : "Etwas richtig Großes machen"

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Es ist ein ambitioniertes Unterfangen: Die Fritz-Reuter-Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater probt unter dem Titel "De Schimmelrieder" Theodor Storms berühmte Geschichte.

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erstellt am 20.Apr.2011 | 11:32 Uhr

Es ist ein ambitioniertes Unterfangen: Die Fritz-Reuter-Bühne am Mecklenburgischen Staatstheater probt unter dem Titel "De Schimmelrieder" Theodor Storms berühmte Geschichte vom friesischen Deichgrafen Hauke Haien und seinem grandiosen Scheitern. Und weil es nur noch 13 Tage bis zur Premiere am 27. April sind, herrscht an diesem Donnerstagnachmittag ordentlich Betrieb im völlig schwarz ausgeschlagenen Raum der Probebühne in Görries. Konzentriert, aber ohne jede Hektik werden Podeste gerollt, Möbel und andere Requisiten hin und her geräumt. Die Schauspieler schlüpfen in ihre Probenkostüme und repetieren - sofern sie beim Bühnenaufbau nicht mit zugreifen - noch einmal in sich gekehrt ihren Text. Ganz am Rande sitzt auf einem Stuhl der elfjährige Richard Hempel und konzentriert sich auf seinen Auftritt. Er soll im Stück den Hauke Haien als Kind spielen. Der sehr junge Akteur hat schon Bühnenerfahrung bei der Reuter-Bühne, denn er spielte hier bereits 2009 in "De Dood in Appelboom" eine nicht gerade kleine Rolle mit Bravour.

Das Probenbühnenbild steht - der alles beherrschende Deich, die Stube vom Deichgrafen und die von Hauke Haiens Vater Tede. Ruhe kehrt ein. Auftritt zum ersten Bild, zum Prolog am Deich…

Schauplätze wechseln - und Szene um Szene fügt sich die ganze dramatische Geschichte um den jungen Hauke Haien, der zum Deichgrafen wird, zusammen - bis zu ihrem tragischen Ende. Der eine oder andere kleine Texthänger bei den Darstellern sorgt für nur kurze Unterbrechungen im Ablauf. Doch Regisseur Jörg Schade strahlt Ruhe aus, sorgt dafür, dass keine Nervosität aufkommt. Man hat den Eindruck, dass Regisseur und Ensemble sich geradezu blind verstehen.

Schade ist ein alter Hase im Metier. Auf zahlreichen, nicht nur norddeutschen Bühnen feierte er schon reichlich Erfolge - als Schauspieler, Stückautor und als Regisseur - auch bei den Reuters in Schwerin. Hier führte er bereits mehrfach Regie, brillierte als Darsteller erst jüngst als "Mien Mann - dat Prachtstück", schrieb mit "Kapitän Priem und das zahnlose Krokodil" ein Stück für das jüngste Theaterpublikum, mit dem die Reuter-Bühne das Theater und die plattdeutsche Sprache in die Klassenzimmer des Landes tragen kann.

"Die Inszenierung des ,Schimmelreiters mit der Fritz-Reuter-Bühne ist eine Aufgabe, die mich ungeheuer interessiert hat", sagt der Regisseur. "Es ist ein kraftvolles und grandios erzähltes Stück", lobt Jörg Schade die Dramatisierung der Storm-Novelle durch Paul Barz, "ein Stück dessen Inhalt für fünf Stücke reichen würde." Es gebe hier keine unwichtigen Rollen, betont er, jede einzelne Figur, jeder Darsteller habe eine wichtige Aufgabe. "Wir können hier etwas richtig Großes machen."

Jörg Schade arbeitet gern in Schwerin. "Hier beim ,Schimmelreiter spüre ich, dass das ganze Ensemble dahintersteht. "Daraus nehme ich die Kraft und die Motivation, dieses Stück zu realisieren." Dazu lobt Jörg Schade die guten Arbeitsbedingen, die er hier hat. Wo sonst habe man denn schon einen solchen Probenraum mit komplett markierter Bühne zur Verfügung wie hier in Schwerin, schwärmt er. Für einige Darsteller eröffnen sich mit einem Stück wie dem "Schimmelrieder" völlig neue Möglichkeiten. Die im eher komödienlastigen Spielplan der Fritz-Reuter-Bühne oft mit den nicht unbedingt anspruchsvollsten Rollen als Liebespaar vom Dienst besetzten jungen Schauspieler haben sich geradezu mit Begeisterung in diese Aufgabe gestürzt. Da ist immer auch von Herausforderung die Rede

"Ich freue mich, auch so etwas machen zu dürfen", sagt Arja Sharma, die Darstellerin der Elke. "Komödie, Schwank oder auch Klamotte - das macht schon Spaß, aber es ist eben schön, mal nicht ständig auf Lacher spekulieren zu müssen, nicht immer lieb, hübsch und brav das junge Glück zu spielen, sondern einen komplizierteren Charakter." Es sei ein tolles Arbeiten mit dem Regisseur. Bei Jörg Schade, sagt Arja Sharma, fühle sie sich gut aufgehoben. Spielte sie doch u. a. mit ihm in "Mien Mann - dat Prachtstück" und hob sein Stück vom "Kapitän Priem" mit aus der Taufe.

Ähnlich sieht es auch Hauke-Haien-Darsteller Sönke Fahl. "Das ist ganz neu für mich. So etwas habe ich noch nie gespielt bei der Fritz-Reuter-Bühne." Das sei eine echte Herausforderung. Und "Eine solche Rolle wie den Hauke Haien bekommt man nicht jeden Tag."

Ach ja, und auch Regisseur Jörg Schade ist noch ein Grund eingefallen, warum er sich so enthusiastisch dem plattdeutschen "Schimmelreiter" verschrieben hat: "Das ist, weil ich diese Sprache so sehr mag!"

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