Etliche Baby-Badewannen voll mit Schnee

von
01. Februar 2010, 10:29 Uhr

Hagenow | Wenn die Schulkinder morgens um sieben in Kleinbussen zur Stadtschule Am Mühlenteich gebracht werden, ist Bodo Schömer längst auf den Beinen. Als Anwohner der Schulstraße ist es für ihn selbstverständlich, die Wege freizuhalten. "Jetzt muss jeder ran, Winter ist eben Winter." Auch gestern morgen, als sich einer der Busse festgefahren hatte, war auch er zur Stelle. "Hier lag ja wirklich alles voller Schnee. Wenn zwei Autos einander ausweichen wollten, wurde der Schnee wieder auf den Gehweg gefahren", sagt Schömer. Den Schnee hat er zum Teil sogar auf seinen Hof getragen.

Die Schulstraße ist ein Nadelöhr. Die Kleinbusse und Pkw, die die Schulkinder bringen, müssen vor der Schule wenden und die Straße zurückfahren. Mit den Schneebergen links und rechts wird es eng. Laut Gesetz müsste Bodo Schömer nur die Gehwege vor seinem Haus freihalten. Dass sich der 59-Jährige auch um die Straße und das Wohl der Schulkinder kümmert, ist seine eigene Entscheidung. "Ich habe Angst, dass die Kleinen rutschen, wenn sie morgens im Dunkeln hier ankommen."

Mitarbeiter des Ordnungsamtes machen Kontrollgänge

Immerhin verzeichnet das Krankenhaus Hagenow ein paar Knochenbrüche mehr als sonst. "Drei bis vier Patienten haben wir pro Tag", sagt Oberarzt Rainer Goertz. Vor allem mit gebrochenen Hand- und Sprunggelenken, Schenkel- und Hüftgelenksfrakturen. Betroffen sind laut Goertz Patienten jeden Alters, nicht nur ältere, die seien sogar eher vorsichtig.

"Die meisten Hausbesitzer in Hagenow kommen ihrer Räum- und Streupflicht nach", lobt Ordnungsamtsleiter Mathias Lidzba. Dennoch erreichen ihn täglich Anrufe von Menschen, die sich über ungeräumte und ungestreute Wege beschweren. "Schwarze Schafe gibt es immer, aber die bringen sich selbst in eine prekäre Lage." Denn kommt es zu einem Unfall, werden die Hausbesitzer zur Verantwortung gezogen. "Pflicht ist, nach Ende des Schneefalls bis 8 Uhr zu räumen", so Lidzba. Nach solchen Anrufen machen er und seine Kollegen Kontrollgänge durch die Stadt. "Wenn es nötig ist, werden auch mal Bußgelder verhängt", sagt Lidzba. "Aber da entscheiden wir je nach Einzelfall und schauen, ob jemand tagelang nicht geräumt oder sich bemüht hat."

Wer nicht zu Hause ist, muss sich darum kümmern, dass die Wege geräumt werden. Bodo Schömer, der das Wochenende woanders verbrachte, hat seinen Sohn gebeten. Hausbesitzer, die nicht in Hagenow wohnen, schreibt das Ordnungsamt an. Wo die Besitzverhältnisse allerdings ungeklärt sind, wird es schwierig. Im Extremfall räumt die Stadt. "Wir bemühen uns dann, die Besitzer zu ermitteln", so Lidzba.

Auch wer nicht der Räum- und Streupflicht unterliegt, muss notgedrungen zum Schneeschieber greifen. Stephan Warnecke hat sich einen von Bodo Schömer geborgt. Schließlich muss er seinen Pkw vor der Anwaltskanzlei gegenüber parken, bei der er arbeitet.

Was die Straßen angeht, betont Ordnungsamtsleiter Lidzba: "Die Stadt ist nicht verpflichtet, sämtliche Nebenstraßen zu räumen. Das hängt von der Leistungsfähigkeit unseres Winterdienstes ab - und der ist rund um die Uhr im Einsatz."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen