Essen-Zuschuss kommt nicht an

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21. Juli 2008, 07:49 Uhr

Schwerin - Für 18 000 Kinder bedürftiger Familien von den 83 000 Kindern in den Kitas wird ab 1. September das Mittagessen weitgehend kostenfrei. 1,50 Euro je Essen schießt das Land zu. Doch das Geld kommt nicht an, sagt Jan-Peter Schröder, Geschäftsführer des Landkreistages. „Dadurch, dass die Caterer das Geld beantragen müssen, steigen jetzt die Essenpreise“, sagt Schröder. Er befürchtet, dass bis zu einem Euro von den Zuschüssen „abgeschöpft“ werden. Weiter: „Die Gefahr besteht, dass auch die Preise für Nicht-Bedürftige in die Höhe schnellen.“ Sabine Janke vom Städte- und Gemeindetag bestätigt: „Die Versorger müssen die Preise erhöhen, denn sie haben einen wesentlich höheren Verwaltungsaufwand.“

„Kein Euro soll in die Verwaltung gehen“, damit begründete hingegen Sozialminister Erwin Sellering (SPD) bei der Vorstellung des Programmes den Weg, dass sich die Essenanbieter direkt beim Landesamt für Gesundheit und Soziales die 1,50 Euro Essenzuschuss für jene Kinder abholen können, deren Familien Sozialhilfeleistungen bekommen.

„Unpraktikabel“, urteilt Wolfgang Höfer Geschäftsführer des Essenversorgers UWM in Demen, dessen Firma sich bundesweit auf Abrechnungssysteme spezialisiert hat. „Es werden zig Angaben zu den Eltern gefordert, die wir gar nicht erbringen können, angefangen vom Geburtsdatum der Kinder bis zu Sozialhilfe-Angaben.“ Höfer, der Datensysteme von Hamburg bis München verkauft, nennt als gutes Beispiel den Leipzig-Pass, mit dem Eltern in der sächsischen Metropole Essen- und Sozialzuschüsse direkt geltend machen können. Höfer: „Das politische Anliegen des Sozialministeriums verstehe ich, aber das Handwerk ist schwach.“

1,85 Euro kostet ein Kita-Essen aus Demen derzeit. Preisanpassungen sind schon allein wegen gestiegener Lebensmittelpreise und Transportkosten für den Herbst geplant. Sozialminister Erwin Sellering wehrt ab: „Uns reicht der Bescheid, den das Jugendamt den Eltern sowieso schon erteilt. Für die Abrechnung mit dem Land muss nur die Anzahl der verbilligten Essen insgesamt angegeben werden. Unbürokratischer kann eine Regelung wohl nicht sein.“

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