Es war knapp - Bombenentschärfung in Potsdam

Das eigentliche Zittern hat gestern um 18.35 Uhr begonnen: Zu diesem Zeitpunkt legte ein Spezialist des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Hand an die 250 Kilogramm schwere Sprengbombe, die in der Potsdamer City am Vormittag gefunden worden war. Nach 30 Minuten war der Spuk vorbei, der die Landeshauptstadt zuvor stundenlang in Atem gehalten hatte.

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04. August 2008, 11:19 Uhr

Potsdam - Um 19.05 Uhr gab Sprengmeister Hans-Jürgen Weise Entwarnung. Der Bombenentschärfer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) hatte den Zünder abgeschraubt und damit die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht. Doch die Entschärfung war auch für den Routinier – Weise geht demnächst in Rente geht, es war seine 393. Bombe – eine heikle Angelegenheit: Der Zündbolzen sei in Detonator gerutscht gewesen, sagte er später. „Wäre die Bombe nur ein Stück weiter verrückt worden, wäre sie wahrscheinlich explodiert.“ Nach geglückter Entschärfung aber konnten der Sprengmeister und zwei Kollegen den Sprengsatz abtransportieren.

In den vorangegangenen Stunden hatte die Potsdamer Innenstadt fast Kopf gestanden. Am Vormittag gegen 11.30 Uhr hatte ein Bauarbeiter den Sprengsatz an der Alten Fahrt, einem Havelarm an der Freundschaftsinsel, gefunden. Der Arbeiter war mit einem Bagger auf das „Fundstück“ gestoßen und hatte sie dabei bewegt. Aufgrund ihrer Lage musste die britische Bombe deshalb sofort entschärft werden, sagte ein Sprecher der Stadt Potsdam. Die benachbarte Lange Brücke sei unverzüglich für den gesamten Verkehr gesperrt worden. Zudem wurden Häuser und Einrichtungen im Umkreis von 500 Metern geräumt, Straßen ab 16 Uhr gesperrt. Bis dahin sollten alle Menschen ihre Häuser verlassen haben. Beamte klingelten an Wohnungstüren und informierten die betroffenen Potsdamer. Für nicht mehr gehfähige Bewohner wurde bei der Feuerwehr eine Telefonnummer eingerichtet. Für alle anderen wurden Aufenthaltsräume in einer Grundschule zur Verfügung gestellt.

Geräumt wurden laut des Stadtsprechers auch das Hotel Mercure sowie der Hafen der Weißen Flotte. Die unweit der Langen Brücke gelegene Staatskanzlei und die Landesregierung gehörten dagegen nicht mehr zum Sperrkreis.

Betroffen war allerdings der Bahnhof. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) fuhren die Züge zunächst ohne Halt durch die Station. Ab 18.25 Uhr war der Bahnhof wegen der Entschärfung komplett gesperrt worden, nichts ging mehr. Die Bahn hatte eigenen Angaben zufolge versucht, einen Ersatzverkehr mit Bussen einzurichten, der die Passagiere in die Innenstadt bringen sollte. „Mehrere Tausend Reisende sind betroffen“, sagte ein DB-Sprecher. 18 Züge stoppten nicht im Potsdamer Hauptbahnhof, 18 weitere fielen komplett aus. Auch nach der Entschärfung sollte es im Zugverkehr noch Verzögerungen bis in die Nachtstunden geben.

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