Erstrahlt im alten Glanz: Burg Schlitz Hohen Demzin ist nun ein Hotel : Es war einmal ein Burgherr

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Beim Einchecken reicht das Personal Bauwolltücher. Ausgedacht haben sich das und vieles mehr Armin Hoeck und seine Frau Manuela. Das Ehepaar hat die Burg gekauft und begonnen, das Haus als Luxushotel zu vermarkten.

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31. Oktober 2011, 10:13 Uhr

Hohen Demzin | Im Foyer von Burg Schlitz läuft Geigenmusik. Bei jedem Schritt knarren die Dielen, es duftet nach Blumen. Beim Einchecken reicht das Personal in Holunderwasser getränkte Bauwolltücher. Kalte im Sommer, warme im Winter. Einen Tresen gibt es in der Hotelhalle nicht.

Ausgedacht haben sich das alles Armin Hoeck und seine Frau Manuela. Das Ehepaar hat die Burg Anfang des Jahres gekauft und begonnen, das Haus als Luxushotel zu vermarkten. Mit Erfolg: Sie sind innerhalb eines Jahres zum Hotel des Jahres 2012 aufgestiegen. So jedenfalls sieht es der vom Verlag Bertelsmann herausgegebene Hotelführer "Der große Restaurant & Hotel Guide 2012". Nach Mecklenburg-Vorpommern ging diese Auszeichnung noch nie.

Armin Hoeck empfängt Gäste gerne im Grünen Salon. Hier sitzt er leicht versunken auf einer cremefarbenen Couch. Mal lehnt er sich zurück, mal sitzt er ganz vorn auf der Kante. Klaviermusik summt aus einer Ecke. Die Wände sind lindgrün, ein rot-blauer Teppich mit Blumenmuster bedeckt den Holzfußboden. Hoeck trägt Maßanzug, seinen Krawattenknoten hätte selbst Archimedes kaum geometrisch exakter berechnen können. Die goldenen Manschettenknöpfe schimmern im Licht des Kerzenleuchters, der Siegelring blinkt, der Ehering strahlt, die Golduhr funkelt. Eigentlich würde ins Bild passen, wenn hier echte Kerzen brennen würden - es sind aber bloß Glühbirnen.

Zufällig auf Burg gestoßen

Dass er seine Burg gleich im ersten Jahr zum Hotel des Jahres geführt hat, freut den studierten Hotelbetriebswirtschaftler. "Es ist die Auszeichnung eines renommierten Guides", sagt der 37-Jährige. Bewunderung bringt dem Hotelier die Auszeichnung, viel Aufmerksamkeit inklusive. Vielleicht auch Neider. Aber das stört ihn nicht, er konzentriert sich auf seine Arbeit.

Wie Hoeck zu seiner Burg kam, das klingt ein bisschen nach einem Märchen. "Zusammen mit meiner Frau war ich auf der Suche nach einem Ort für unsere Hochzeit", erinnert er sich. Geheiratet haben die beiden dann zwar nicht auf Burg Schlitz. Aber verliebt haben sie sich - erst ineinander, dann in die Burg. "Wir haben auf dem privaten Schloss von Freunden geheiratet", verrät Hoeck, dessen Bart zu lang für einen Dreitagebart und zu kurz für einen echten Vollbart ist. Die Burg habe ihn aber auch nach der Hochzeit nicht losgelassen.

Nach langen Überlegungen bot sich Anfang des Jahres die Möglichkeit zum Kauf. Vorbesitzer Mathias Stinnes hatte die Burg zehn Jahre lang als Gästehaus seiner Unternehmensgruppe genutzt und einen sporadischen Gästehausbetrieb nebenher laufen lassen. "Die Burg war nie professionell als Hotel vermarktet worden, da mussten wir viel Arbeit leisten", sagt Hoeck. Eine Bank schätzte die 8000-Quadratmeter-Burg und das 180-Hektar-Außengelände zuletzt auf einen Wert von elf Millionen Euro. Hoeck selbst beziffert den heutigen Wert auf rund 20 Millionen Euro. Wie viel Hoeck bezahlt hat, will er nicht verraten. "Aber sicher keine elf Millionen", sagt er und grinst. Übervorteilen lässt sich der Geschäftsmann sicher nicht. Noch einen Coup hat er sich überlegt: Er hält nur 94,5 Prozent des Anwesens, einem englischen Investor gehören die restlichen fünfeinhalb Prozent. Der niedrigeren Grunderwerbssteuer wegen.

Auf Burg Schlitz ist vieles anders als anderswo: Abends steht Portwein am Bett, bei der Anreise Mamorkuchen auf dem Schreibtisch, am Abend legt der Zimmerservice kleine Teppiche vor die Betten, damit der Gast nicht barfuß den Boden berühren muss. "Wir wollen rundherum für unsere Gäste da sein", sagt der Mann, dessen Haus an der Mosel steht und der deshalb zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz pendelt. Zusammen mit seiner Frau bewohnt er auf Burg Schlitz nur eine kleine Wohnung.

Anders als anderswo geht es auch in der Küche zu. Denn hier regiert Küchenchefin Sabine Teubler. "Ich wüsste nicht, warum ein Mann besser kochen sollte als eine Frau", sagt der Hotelier. Und selbst hier ist er spitze: Der Schlemmeratlas wählte Wildspezialistin Teubler gerade unter die besten 15 Köchinnen Deutschlands.

Doch obwohl Hoeck Hemden trägt, auf denen seine Initialen auf seiner Hemdtasche eingestickt sind, freut er sich auch über weniger wohlhabende Gäste. "Mich interessiert nicht, ob jemand mit dem Rolls Royce vorfährt oder mit einem alten Golf", sagt er. Vor der Preiskarte sind sowieso alle gleich. Zwischen 99 und 240 Euro kosten die zwischen 32 und 110 Quadratmeter großen Zimmer und Suiten pro Person und Nacht. Frühstück exklusive. Nach einem Schnäppchen für jedermann klingt das nicht unbedingt. "Wir wollen aber verschiedene Angebote für verschiedene Menschen bieten", sagt Hoeck. Und so steht im französischen Bistro des Schlosshotels auch Currywurst auf der Speisekarte. Preis: 7,50 Euro.

Auch die Perfektion hat ihre Macken

Wenn Armin Hoeck durch die Burg läuft, dann sieht er selbst in der Perfektion Fehler ohne Ende. Hier ist eine Blume umgeknickt, dort liegt eine Fluse auf einem Stuhl. Und vielleicht geht es ihm gerade darum: ein fast perfektes Hotel zu führen. "Wer denkt, hier reich werden zu können, der kann keinen Taschenrechner bedienen", sagt der Mann mit dem grau-melierten Scheitelschnitt. Ihm geht es um mehr als bloß um Finanzen, sagt er.

Dass Hoeck ein Auge für das Perfekte hat, weiß man auch in der Redaktion des "Restaurant & Hotel Guides". Seit Jahren begleiten die Redakteure den raketenhaften Aufstieg des Armin Hoeck. "Wir schätzen seine tollen Fähigkeiten, ein Hotel hervorragend zu führen", heißt es aus der Redaktion. Innerhalb dieses Jahres sei eine ganze Menge Positives in dem Hotel passiert, das hätten Außendienstler und Tester registriert. Überrascht sind die Hoteltester darüber nicht: Immerhin hatten sie Hoeck 2008 schon einmal zum Hotelier des Jahres gewählt.

Hoeck sieht sich in einer langen Tradition. Burg-Erbauer Hans Graf von Schlitz war Hesse. Genau wie der neue Burgherr. "Da schließt sich der Kreis", sagt Hoeck. Bei ihm passt eben fast alles. Wie gesagt: ein bisschen so, wie im Märchen.

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