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Jobcenter Parchim : "Es geht allein um die Menschen"

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Ändert Merkel die Spielregeln der Arbeitsmarktpolitik, spüren das auch Parchimer Arbeitslose. Das Jobcenter hat in diesem Jahr fast vier Millionen Euro weniger zur Verfügung.

svz.de von
erstellt am 30.Mär.2011 | 12:14 Uhr

Ändert Angela Merkel die Spielregeln der Arbeitsmarktpolitik, spüren das auch Parchimer Arbeitslose. Das gemeinsam von Landkreis und Arbeitsagentur betriebene Jobcenter hat in diesem Jahr fast vier Millionen Euro weniger für aktive Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung und setzt jetzt verstärkt auf Qualifizierung. Das bleibt nicht folgenlos: Beschäftigungsgesellschaften berichten von 70 Prozent weniger geförderten Maßnahmen. Statt wie sonst üblich 200 wären nur 30 Teilnehmer zugelassen worden.

Deshalb stellen sich die Gesellschaften wie der Verein zur Förderung angemessener Lebensverhältnisse FAL in Ganzlin, der Förderverein Sternberger Seenplatte und ABS in Parchim gemeinsam mit den für Fortbildung qualifizierten Trägern Jugendförderverein Parchim/Lübz und Berufsfortbildungswerk (bfw) den neuen Bedingungen. Alle kennen die regionale Klientel genau, hoffen breiter aufgestellt mehr Menschen erreichen zu können.

Dass ein simples Umlenken von Arbeitsmarktförderung automatisch Erfolge bringe, davor warnt Hans-Jürgen Tiedtke, Leiter der Parchimer bfw-Bildungsstätte: "Qualifizierung muss an die Wirklichkeit des Lebens heranführen. Wir haben es nicht nur mit hochqualifizierten Menschen zu tun." Der FAL-Vorsitzende Werner Arndt erinnert an die Gründungsidee des Vereins: "Bürgermeister unterschiedlicher Parteien setzten sich 1990 an einen Tisch, um Arbeitslose aufzufangen." Bis heute sei es einzig und allein um die Menschen gegangen, die arbeitslos sind: "Unser Ziel ist es, sie sinnvoll zu beschäftigen und zugleich die Ausbildung und Qualifikation voranzutreiben." Das die Beschäftigungsgesellschaften quasi als Nebeneffekt eine veritable touristische Infrastruktur aufbauten, war lange Jahre hochwillkommen. Nur einige Beispiele: Museumsdorf Kobrow, Lehmmuseum Gnevsdorf und Pingelhof sind längst Besuchermagnete. Die Besatzung des von der Parchimer ABS betriebenen Boots Eisvogel hält die Elde für Wassertouristen sauber.

Nicht wenige der Maßnahmen haben Langzeitarbeitslose erst fit für den ersten Arbeitsmarkt gemacht. Werner Arndt: "Es bleibt eben ein ganzer Teil arbeitsloser Menschen, die wir nicht so schnell in feste Beschäftigungsverhältnisse vermittelt bekommen." Deshalb sei der zweite Arbeitsmarkt nach wie vor nötig und sinnvoll. Die Beschäftigungsgesellschaften wollen jetzt in Gesprächen mit den Fraktionen des Kreistages für die Allianz mit den Bildungsträgern und damit das regionale Angebot werben. Das soll noch erweitert werden, so sei die Zusammenarbeit mit örtlichen Betrieben denkbar. ABS-Geschäftsführer Carsten Schwarz: "Wir haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen unsere guten Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre einbringen."

Derzeit allerdings hängen die Gesellschaften in der Luft. Schwarz: "Wir wissen nicht, wie es weitergeht."

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