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Schwerinerin Regina Schubbe ist seit sieben Jahren Tagesmutter : Erzieherin mit Familienanschluss

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Regina Schubbe ist seit sieben Jahren Tagesmutter. In der Woche betreut sie von 7 bis 17 Uhr drei Jungen und zwei Mädchen berufstätiger Eltern. Die Kinder sind zwischen zwei und drei Jahre alt.

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erstellt am 14.Jul.2011 | 01:58 Uhr

Regina Schubbe öffnet die Tür zu ihrer hellen, geräumigen Altbauwohnung im Herzen Schwerins. Durch den Flur schallt das Lachen mehrerer Kleinkinder. Die Stimmung ist heiter und gelöst. Schüchtern versteckt sich der dreijährige Luis hinter der lächelnden Frau. "Jetzt wird aufgeräumt. Gleich gibt es Obstfrühstück." Liebevoll, aber auch bestimmt verteilt die Frau mit den fröhlichen, braunen Augen die Aufgaben. "Die Kleinen wissen schon, was aufräumen bedeutet."

Regina Schubbe ist seit sieben Jahren Tagesmutter. In der Woche betreut sie von 7 bis 17 Uhr drei Jungen und zwei Mädchen berufstätiger Eltern. Die Kinder sind zwischen zwei und drei Jahre alt. Nach dem Aufräumen sitzen sie zusammen mit der Erzieherin an einem kleinen Tisch und essen Pflaumen, Himbeeren und Äpfel. "Welche Farbe haben Erdbeeren?", fragt die Tagesmutter in die Runde. Prompt antwortet die zweijährige Clara: "Rot".

"Die Kinder müssen von klein auf an gefördert werden. Man muss sie wie eine kleine Persönlichkeit behandeln. Sie können nicht alles sagen, aber sie verstehen genau", erklärt Schubbe und schenkt dem dreijährigen Luis Trinken ein. Tagesmutter ist die gelernte Floristin geworden, nachdem sie ihren Blumenladen aufgeben musste. "Ich war in der DDR Kindergärtnerin und wollte gerne wieder etwas in diesem Bereich machen", so Schubbe.

In der öffentlich geförderten Tagespflege arbeiten kann jeder, der die nötige Erlaubnis vom Jugendamt erhalten hat. Dafür müssen Interessenten sich in einem Seminar qualifizieren, welches 170 Stunden umfasst. Doch es reicht nicht, Kinder zu mögen, um als Tagesmutter zu arbeiten. Auch das Umfeld sollte das Richtige sein. Die Räume müssen kindergerecht gestaltet werden und die Pflegeperson sollte über starke Nerven verfügen. "Der familiäre Rückhalt ist sehr wichtig. Die ganze Familie muss hinter dem Projekt stehen und auch mal mit anpacken. Die Kinder sind ja den ganzen Tag da", erläutert Regina Schubbe.

Inzwischen wird der kleine blonde Jannik am Tisch unruhig. "Wenn ihr wollt, könnt ihr spielen gehen", sagt die Kinderpflegerin. Daraufhin laufen alle los. "Man ist nicht nur Tagesmutti, sondern manchmal fast ein Familienmitglied. Aber man ist auch Geschäftsfrau. Viele, die diesen Beruf ausüben wollen, vergessen, dass man selbstständig ist. Man muss eine Einkommenssteuerklärung machen, sich selbst versichern und Rechnungen an das Jugendamt schicken. Das alles bedarf einiger kaufmännischer Erfahrung." Im Nebenzimmer fängt eines der Kinder an zu weinen. Sofort ist die sportliche Frau mit den langen schwarzen Haaren zur Stelle. Sie tröstet, liebkost und lenkt ab. Die Kinder scheinen die Nähe ihrer Tagesmutter zu mögen. Ständig wollen sie ihre Aufmerksamkeit. Die Vorteile der Tagespflege sind, dass die Jungen und Mädchen in einer familiären Umgebung betreut werden. Durch die kleinen Gruppen wird auf jedes Kind individuell eingegangen. So können Entwicklungsauffälligkeiten schneller festgestellt werden. "Ich achte sehr darauf, Rücksprache mit den Eltern der Kinder zu halten. Jeden Abend bespreche ich mit ihnen die Ereignisse des Tages", erklärt Schubbe, während sie mit Luis auf der Suche nach einem verlorenen Spielzeug ist. Das Konzept der Tagespflege wird bei Eltern immer beliebter. Die Zahl der Tagesmütter in Schwerin ist in den vergangenen fünf Jahren von 49 auf 61 angestiegen. Sie betreuen Kinder im Alter von null bis zwölf Jahren.

Draußen regnet es. Sonst könnten die Jungen und Mädchen im umzäunten Garten spielen. Regina Schubbe bemüht sich sehr darum, Abwechslung zu bieten. Spiel und Sport stehen genauso auf dem Programm wie Ergotherapie, Spaziergänge und gemeinsames Basteln. Mindestens dreimal die Woche werden Ausflüge unternommen. Nebenbei arbeitet sie seit sechs Jahren ehrenamtlich bei den Schweriner Tagesmüttern als Vermittlerin. "Im vergangenen Jahr musste ich alles ein bisschen zurückschrauben. Man kommt nie zur Ruhe", sagt Schubbe, während sich Franz an sie kuschelt. "Man muss gut organisiert sein und gut organisieren können." Für ihre eigentliche Arbeit mit den Kindern muss die Schwerinerin Essen vorbereiten, Ausflüge planen, einkaufen und saubermachen.

In Zukunft werden noch mehr Aufgaben auf die Tagesmütter zukommen. So soll für jedes Kind ein Portfolio angelegt werden, das Aufschluss über dessen Entwicklung geben soll. Dafür muss das Verhalten der einzelnen Kinder von den Tagespflegepersonen beobachtet und dokumentiert werden. Trotz der sehr aufwändigen und anspruchsvollen Arbeit ist die Tätigkeit der Kindertagespflegeperson als Beruf nicht anerkannt. Die Tagesmütter in Schwerin haben weder gesetzlichen Anspruch auf Urlaubstage, noch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder Arbeitslosengeld. Regina Schubbe konnte diese Probleme bereits am eigenen Leib erfahren: "Vergangenes Jahr hatte ich vier Wochen lang Pfeiffersches Drüsenfieber. Es gab keine soziale Absicherung." Die Tagesmutter macht Clara einen neuen Zopf: "Außerdem mussten die Kinder woanders untergebracht werden. Ich würde mir wünschen, es gäbe eine Art Springer, der im Notfall aushilft."

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