Erste Wölfe in der Prignitz?

Die Bisse sind noch genau zu erkennen. Fotos: Thomas Bein
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Die Bisse sind noch genau zu erkennen. Fotos: Thomas Bein

Schäfer Hartwig Stockfisch fand gestern morgen tote und verletzte Tiere auf seiner Weide. Wegen der Art der Verletzungen wird nun diskutiert, ob der „Täter“ ein Wolf war.

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18. Juli 2008, 07:20 Uhr

Porep/Jännersdorf - Ein ungutes Gefühl hatte Schäfermeister Hartwig Stockfisch schon gestern Morgen, als er zu seiner Schafherde hinaus fuhr. Kolkraben umkreisten und standen auf der Wiese, auf der seine Tiere weideten. „Meist weisen die Vögel auf verletzte oder tote Tiere hin“, erzählt er. Doch alles kam noch viel schlimmer.

Sofort schaute er sich die Tiere seiner Herde genauer an und entdeckte zwei tote und sieben verletzte Schafe und eine Ziege in der Menge. Sie wurden mit einem Kehlbiss getötet und dann seitlich am Leib aufgerissen, sagt Stockfisch. Einige der Schafe hätten noch gelebt als er sie fand und wollten noch vor ihm weglaufen, berichtet der Schäfer.

Die Art der Verletzungen sind typische Anzeichen für einen Wolf. Gerd Schumann, Referatsleiter für Arten- und Biotopschutz im Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz (MLUV) hält es für durchaus möglich, dass die Tiere durch einen Wolf gerissen wurden. „Doch wir müssen in Betracht ziehen, dass wildernde Hunde die Tat begangen haben“, sagt Schumann. Denn die Zahl von Zwischenfällen mit wildernden Hunden sei wesentlich höher als die von sicher nachgewiesenen Angriffen von Wölfen.

Allerdings wurden vor etwa drei Wochen durch das Landesumweltamt auf dem nahe gelegenen ehemaligen Truppenübungsplatz bei Jännersdorf Wolfsspuren nachgewiesen.
Wölfe in der Prignitz? Auch im Landesumweltamt will man nicht ausschließen, dass Isegrim hier auf Jagd war. Was Revierförster Karsten Neumann auffiel, waren die Kehlbisse, durch die die Tiere gerissen wurden. Erst dann wurden Bauch und Keulen der Schafe und einer Ziege aufgerissen.
Dass der Wolf nur durch die Prignitz hindurch zieht, ist für Hartmut Stockfisch ein schwacher Trost. Der herbeigerufene Tierarzt konnte zwei der verletzten Schafe nicht mehr helfen und erlöste sie von ihren Qualen. Sechs weitere verletzte Tiere versorgte er mit Antibiotikum und nähte ihre Wunden. Sie sind wieder auf der Weide, in der Hoffnung, dass ihre Wunden wieder verheilen.

„Meine Tiere weiden schon seit 13 Jahren zwischen Porep und Jännersdorf, doch so etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Schäfer Stockfisch. An den Wolf als Täter mag er nicht glauben, denn das würde seine Herde von etwa 1100 Schafen und einigen Ziegen auch in Zukunft gefährden. Denn sein Schaden, den er mit den toten Tieren erlitten hat, beträgt jetzt schon etwa 600 Euro.
Wenn nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dass es sich um einen Wolf handelt, bietet das MLUV den Schäfern in solch einem Falle eine finanzielle Unterstützung an, sagt Schumann.

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